Blick hinter die Kulissen - die Mitwirkenden hinterlassen nichts dem Zufall

Ein Wort mit 30 Buchstaben? Mitgliederversammlungsmarathon. Einen solchen hat die VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim gestartet. Ein Blick hinter die Kulissen unterstreicht diese sportliche Höchstleistung.

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  • An sehr vielen Abenden unterwegs: Vorstandsvorsitzender Eberhard Spies zusammen mit Crailsheims Oberbürgermeister Rudolf Michl. Fotos: Wolfgang Rupp 1/4
    An sehr vielen Abenden unterwegs: Vorstandsvorsitzender Eberhard Spies zusammen mit Crailsheims Oberbürgermeister Rudolf Michl. Fotos: Wolfgang Rupp
  • Für die Mitglieder gepackt: Linsen, Nudeln und eine Flasche Bier. 2/4
    Für die Mitglieder gepackt: Linsen, Nudeln und eine Flasche Bier.
  • Licht und Ton im Auge und Ohr: Michael Schelhorn. 3/4
    Licht und Ton im Auge und Ohr: Michael Schelhorn.
  • Wenn das kein guter Anfang für eine Versammlung ist! 4/4
    Wenn das kein guter Anfang für eine Versammlung ist!
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Ein Marathon will gut, sehr gut vorbereitet sein, auch wenn dabei keine 42 Kilometer, sondern "nur" 33 Mitgliederforen zwischen Mainhardt und Wildenstein zu absolvieren sind. "Wir beginnen damit bereits im August", so Torsten Schulz, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei der VR-Bank und hauptverantwortlicher Organisator dieser Ausdauergroßveranstaltung. Er und seine von Daniela Hirsch angeführte Mannschaft müssen zwar nicht jedes Jahr einen komplett neuen Plan ausarbeiten, aber Termine aufeinander abstimmen und Stationen festlegen. Die Mitgliederforen sollen zeitlich möglichst eng beieinander liegen (Start war am 4. Februar in Schwäbisch Hall, Zieleinlauf ist 15. März in Mainhardt), weshalb die Suche nach geeigneten und freien Veranstaltungsorten, die Bewirtung sowie die Gestaltung des Programms bei der Vorbereitung den Schwerpunkt bilden. Und daneben muss an tausend Kleinigkeiten gedacht werden, die von den anderen Läufern entweder gar nicht oder als selbstverständlich wahrgenommen werden. Und genau in dieser professionellen, bis ins letzte Detail gehenden Organisation liegt das Erfolgsgeheimnis dieses Marathons.

Gumpendonnerstagabend: In der Innenstadt von Crailsheim sorgt Glatteis für ein mittleres Verkehrschaos, und auch auf den Landstraßen geht es nur sehr langsam voran. Vor der Halle in Ingersheim räumt Hausmeisterin Beate Schneider mit einem kleinen Schneepflug die Parkplätze frei. Noch steht dort kein Auto, noch hängt an der Garderobe kein Mantel, noch ist Alexander Thier die Ruhe selbst. Seine einzige Sorge zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung: "Hoffentlich schaffen es die Bedienungen bei diesem Wetter." Die VR-Bank hat Thiers Gastro Service mit Sitz in Vorderuhlberg zum zweiten Mal mit der Bewirtung beauftragt, an anderen Veranstaltungsorten sind es Metzger und Gastronomen, Gesang-, Schützen-, Sport-, Förder- und Landfrauenvereine, "die wir ganz bewusst miteinbeziehen", so Torsten Schulz ganz im Sinne des Genossenschaftsgedankens.

Es wird durch und durch ein schwäbischer Marathonlauf: In Ingersheim gibt es hausgemachten Kartoffelsalat, Fleischküchle und grobe Bratwurst. Die Küche ist auf rund 200 Besucher eingestellt. Und als Ulrike Ziegler, Sonja Kaiser, Jasmin Rembold, Carmen Bröllochs, Claudia Kühnle und Steffi Früh eintreffen, is für den Küchenchef alles im grünen Bereich. Auf den Tischen stehen unterschiedliche Biersorten und nichtalkoholische Getränke, liegen Besteck und Servietten. An der Frontseite stehen unendlich viele Tüten, in einer Reihe aufgestellt wie die Soldaten. Und was steckt in den Tüten? Linsen, oberschwäbische Landnudeln und ein Engel Premium-Pils - ein Geschenk der VR-Bank an ihre Mitglieder, genauso wie das Essen, die Getränke, der Block, Kugelschreiber und Flaschenöffner.

Michael Schelhorn ist seit dem frühen Nachmittag in der Halle. Er arbeitet für OTV, für Odenwälder Tontechnik und Veranstaltungsservice in Hessental, die bei den 33 Veranstaltungen für Licht, Ton und Bild, Deko Stehtische, Rednerpult und Leinwand zuständig ist. Gut 50 000 Euro ist das hochmoderne Equipment mit digitalem Mischpult, optischen Lichtsignalen, Beamer und Laptop wert. Der erfahrene Fachmann überlässt nichts dem Zufall, alles wird ins richtige Licht gerückt, jedes Headset ist auf den einzelnen Redner und die Tonanlage mit der Akustik der Halle abgestimmt.

Alles ist hergerichtet, jetzt fehlen nur noch die Besucher. Und wer trägt sich eine Stunde vor dem offiziellen Beginn als Erster in die Teilnehmerliste ein? Helga Stimpfig und ihr Mann Hermann vom Starenweg. Eigentlich wollte er noch unbedingt im Fernsehen "Bayernlos" anschauen, doch seine Frau habe ihn wegen der schwierigen Straßenverhältnisse zum Gehen gedrängt, nachdem er zuvor noch Schnee geschippt hatte. Schon 52 Jahre lang ist er "Mitglied der Volksbank", wie er sagt und gehe schon aus dieser Verbundenheit heraus zu dieser Versammlung, "und weil sie interessant ist und man dies und jenes erfährt", wie seine Frau ergänzt. Inzwischen sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bank eingetroffen, treffen ganz unaufgeregt die letzten Vorbereitungen, begrüßen die in immer größeren Schwüngen kommenden Gäste, die von den Bedienungen umgehend versorgt werden.

Einer muss an diesem Abend auf Kartoffelsalat und Fleischküchle verzichten: Marcus Neuweiler, besser bekannt als Alois Gscheidle. Die winterlichen Straßenverhältnisse haben auch die Autofahrt des Kabarettisten aus Westernhausen deutlich verlängert. 21 Veranstaltungen bestreitet er, der bis vor eineinhalb Jahren (auch) noch Vertriebsleiter bei der Raiffeisenbank Kocher-Jagst gewesen ist, und elf seine Partnerin Birgit Pfeifer, alias Elsbeth Gscheidle. Für seine Rollen als Hausmeister, in der er später durchs Programm führt, sowie als städtischer Straßenkehrer, Politiker, Chorsänger muss er sich nicht groß umziehen und vorbereiten. Während er Hemd und Hose wechselt, erzählt er von seinem ersten Auftritt beim Abiball, von den darauffolgenden Einladungen zu Privatfesten bis hin zu den aktuellen Auftritten im Theaterhaus Stuttgart, im Alten Theater Heilbronn und im Fernsehen. Jeder Auftritt ist ein neuer Aufritt, jedes Publikum ist ein neues, und ein anderes Publikum, auf das er sich neu einstellen muss, sodass keine Routine aufkommt. Nur ein Umstand bereitet ihm ein wenig Bauchweh: In der Veranstaltungsreihe nach den Faschingsferien gibt es jeden Abend Maultaschen, immer Maultaschen, während seine Partnerin die Termine mit Sauerbraten und Wurstsalat erwischt hat. Vielleicht machen sie daraus mal einen eigenen Programmpunkt.

Im offiziellen Teil des Abends geht es um Zahlen und Bilanzen, um Anlegerfunktionsschutzgesetz und Staatsanleihen, um den bevorstehenden Zusammenschluss der Geschäftsstellen Ingersheim und Altenmünster (dort wird bis Herbst neu gebaut), um Dividenden, finanziellen Frühjahrsputz und Qualitätsmanagement. Ingersheim ist erst die dritte Etappe des Marathonlaufes, an dem sich Tausende VR-Bank-Mitglieder beteiligen. Sie gehen als örtliche Mannschaften nur eine kurze Etappe mit, während die Führungsgruppe extrem gefordert ist, Kraft und Ausdauer an den Tag legt, die Respekt und Anerkennung verdient. Allein Spitzenläufer Eberhard Spies ist bei 21 Veranstaltungen dabei. Er fühlt sich in diesem genossenschaftlichen Mannschaftssport so wohl, dass er am liebsten bei allen Veranstaltungen dabei wäre, würden sich diese nicht an elf Abenden überschneiden. Dann ist auch sein Vorstandskollege Dr. Stefan Eckhardt im Einsatz. Und nicht weniger gefordert sind die Regionalmarktleiter Matthias Schwarz (Schwäbisch Hall), Siegfried Fischer (Crailsheim) und Thomas Frey (Limpurger Land/Mainhardt, Michelfeld), die an vielen Abenden über ein Geschäftsjahr berichten, "mit dem wir richtig zufrieden sind".

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