Blauer Dunst in einer Grauzone - "Elektrische" Zigaretten und Shishas sind in aller Munde

Sie sind bunt, sehen aus wie Stifte oder Kugelschreiber und duften nach Zuckerwatte, Früchten oder Süßigkeiten: "Elektrische" Zigaretten und Shishas sind in aller Munde und vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr beliebt.

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Eine Alternative zu "normalen" Glimmstängeln: E-Zigaretten und E-Shishas sind auch bei jungen Menschen immer beliebter. Die Verdampfer gibt es mit und ohne Nikotin. Studien über gesundheitliche Gefahren sind noch rar.  Foto: 

Glaubt man aktuellen Studien, rauchen 530.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland regelmäßig E-Shisha oder E-Zigaretten. Ganz neu ist der Trend allerdings nicht, bestätigt Carmen Neber von der Firma Lehner in Crailsheim: "Den gibt es seit etwa zwei Jahren", so die Verkäuferin des Tabakwarenfachgeschäftes, die Kunden auch zu E-Shishas berät. Die Vorlieben ihrer Kunden kennt Carmen Neber: "Die beliebtesten Geschmacksrichtungen bei uns sind Apfel, Honigmelone und Blackberry." Entwickelt wurde der tragbare Mini-Verdampfer bereits im Jahr 2003 in China, wo er 2004 auf den Markt kam und seither weltweit Verbreitung findet.

Bei der Firma Lehner gehen die Geräte an ein vorrangig erwachsenes Publikum über die Ladentheke. Das liegt auch daran, dass dort E-Shishas nicht an jeden verkauft werden. "Wir verkaufen E-Shishas erst ab 18 Jahren und nur gegen Vorlage des Personalausweises", bestätigt Carmen Neber.

An anderen Verkaufsstellen, wie zum Beispiel Tankstellen oder Kiosken, wo die Geräte oft auch erhältlich sind, wird häufig nicht so genau geschaut, wer einkauft. Tatsächlich gibt es derzeit keine gesetzlichen Vorgaben in Deutschland, wer E-Shishas kaufen und konsumieren darf. Anders wie Zigaretten, fallen die Verdampfer momentan noch nicht unter das Jugendschutzgesetz, auch wenn politisch längst eine Diskussion zur Reglementierung stattfindet. Im April 2015 machte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig den Vorstoß, E-Shishas für Minderjährige zu verbieten - bisher ohne konkretes Ergebnis.

Viele Schulen reagieren mittlerweile selbst auf den sich verbreitenden Trend, dass E-Shishas auf Schulhöfen und in Mensen konsumiert werden, indem sie ihre Hausordnungen ändern und das Rauchverbot um die Elektrogeräte erweitern.

Das Problem ist, dass E-Shishas im Kopf der Verbraucher nicht als Suchtmittel wahrgenommen werden, weshalb viele sich nicht mit den Inhaltsstoffen auseinandersetzen oder sich im Fachgeschäft darüber informieren. "Fragen zu E-Shishas gibt es kaum, da sich die Käufer offenbar recht gut damit auskennen", sagt auch Carmen Neber.

Tatsächlich ist der Umgang mit den Nikotin-Verdampfern oft leichtfertig und der Gebrauch der Geräte wird als harmlos betrachtet, weshalb sich Konsumenten, vor allem Jugendliche, nicht genau damit beschäftigen, was sie da eigentlich inhalieren - kann etwas, das nach Zuckerwatte schmeckt, schädlich sein?

E-Shishas bestehen in der Regel aus einem Mundstück, das dem einer Wasserpfeife ähnelt, einem elektrischen Verdampfer und einer Kartusche mit Liquid - eine Flüssigkeit, die Propylenglykol beziehungsweise Glyzerin, Aromastoffe und manchmal auch Nikotin enthält, obwohl die E-Shisha eigentlich ohne Nikotin konzipiert ist.

Genau dieses Liquid ist kritisch zu betrachten, da momentan noch gesetzliche Vorgaben zur Beschaffenheit, Konzentration und Deklaration der Inhaltsstoffe fehlen. Qualität und Sicherheit unterliegen also nicht einheitlich überwachten Standards. Das bedeutet, man weiß im Prinzip nie genau, was man einatmet.

Betrieben werden die E-Shishas mit Batterien oder Akkus. Anders als E-Zigaretten sind die E-Shishas Wegwerfprodukte, die in der Regel um die 600 Züge des verdampften Liquides bieten. Im Gegensatz zur E-Zigarette, die ja darauf ausgelegt ist, dem Konsumenten einen Nikotinkick zu verschaffen, muss die E-Shisha beim Konsum nicht durch einen Knopf aktiviert werden, sondern es wird einfach am Mundstück gesaugt.

Da kein wirklicher Verbrennungsprozess stattfindet, stufen Nutzer die Geräte als weniger gesundheitsschädlich ein wie "normale" Zigaretten, und gerade Jugendliche gehen davon aus, dass das Paffen von aromatisiertem Qualm nicht so schädlich ist oder süchtig macht, wie verbrannter Tabak.

Tatsächlich werben diverse Internetseiten für die E-Shisha als gesunde Genussvariante für den Raucher, die außerdem mit dem Vorteil aufwartet, keine Belästigung oder Belastung für Dritte zu sein. Tatsächlich gibt es aber keine Studien, die belegen, dass Passivkonsum nicht doch schädlich ist.

Verschiedene Studien versuchen derzeit außerdem einen Zusammenhang herzustellen zwischen Raucherentwöhnung und E-Shishas nebst E-Zigaretten, bei denen kein Verbrennungsprozess stattfindet.

Ein Beweis, dass das eine besser ist als das andere oder dass Raucher leichter von ihrer Sucht wegkommen, indem sie E-Shishas oder E-Zigaretten benutzen, steht aber nach wir vor aus, die Argumentation bleibt schwammig. Man kann allerdings davon ausgehen, dass E-Shishas ohne Nikotin zur Raucherentwöhnung kaum taugen.

Welche Auswirkung die tragbaren Mini-Verdampfer tatsächlich auf den Körper haben, ist bis heute noch wenig erforscht, belastbare Langzeitstudien dazu stehen noch aus.

Eventuelle Gefahren für die Gesundheit derzeit unklar

Nikotin: E-Zigaretten enthalten zumeist Nikotin; E-Shishas sind zwar häufig nikotinfrei, jedoch auch mit Nikotin erhältlich.

Propylenglykol: Propylenglykol dient in E-Zigaretten und E-Shishas als Vernebelungsmittel. In der Europäischen Union ist Propylenglykol als Lebensmittelzusatzstoff (Aufnahme über den Mund) zugelassen. Es wird auch als Frostschutzmittel verwendet. Als Kurzzeitfolgen werden zum Beispiel Atemwegsreizungen beschrieben.

Aromastoffe: Da manche Stoffe (beispielsweise Menthol und Vanillin) Kontaktallergene sind, ist nicht auszuschließen, dass Allergien hervorgerufen werden.

Sichere Aussagen über eine Gesundheitsgefährdung durch langfristigen Konsum sind wegen der unzureichenden Datenlage derzeit nicht möglich. juvo

SWP

"Kinder und Jugendliche sind Versuchskaninchen"
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Kommentare

05.09.2015 09:01 Uhr

Ja klar sind E-Zigaretten nicht Gesundheitsfördernd,...

Ja klar sind E-Zigaretten nicht Gesundheitsfördernd, schädlich sind aber herkömmliche Zigaretten und das ist ja nun wohl nachgewiesen.
Aber die beste Alternative zu herkömmlichen Zigaretten ist E-Rauchen.
In welchem Genussmittel ist nicht was Schädliches drin?

Meinung eines langjährigen Freesmoke.eu E-Zigaretten Rauchers der nun wieder ohne Probleme Treppensteigen kann und sich die Lebensqualität zu 100% verbessert hat.
http://www.freesmoke.eu/E-Zigaretten-Liquids

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