Bissig, nicht beißEnd

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Standing Ovations gab es für die Kabarettistin Lisa Fitz, die mit ihrem Programm "Mut - vom Hasen zum Löwen" im Hangar in Crailsheim zu Gast war. Mit viel Humor, Sprachwitz und intelligenten Verweisen auf die Weltgeschichte beleuchtet sie in ihrem aktuellen Programm die verschiedenen Facetten von Mut.

"Wer ist mutig?", fragt sie gleich zu Beginn und konkretisiert: "Mut heißt im weitesten Sinne, sich seinen Ängsten zu stellen!" Von den "normalen Ängsten" wie Haarausfall, Impotenz und Börsencrash schlägt sie elegant den Bogen über die vor allem bei Frauen weit verbreitete Agrophobie, der Angst davor, wütend zu werden, über die damit leicht zu verwechselnde Anglophobie hin zur Xenophobie, der Angst vor Ausländern, die auf diese spezielle Angst wiederum mit Germanophobie reagieren würden, nämlich der Angst vor den Deutschen. Den Höhepunkt bilde die Alodoxaphobie, die Angst, eine eigene Meinung zu haben, die den Menschen nur allzu oft daran hindert, mutig sein zu müssen.

"Wir sind die Riesen unserer Träume und die Zwerge unserer Ängste", fabuliert Fitz ganz fabelhaft. Dabei ist Mut, so zählt sie auf, der Antrieb zu Taten, das Feuer, das Erfolge speist, aber vor allem sei Mut "wie ein Regenschirm - wenn er gebraucht wird, fehlt er!" Und das, obwohl laut einer Umfrage doch jeder Deutsche durchschnittlich zwei Wutanfälle pro Tag hat. Doch "nach außen hin siegt die Contenance", bedauert Fitz die "feste Beziehung von Herz und Hasenfuß". Woher der mangelnde Mut kommt, das weiß Frau Fitz ganz genau: Es ist der "Blödkomplex", die Angst, dass alle es besser wissen und man selbst blöd ist. "I bin bleed!" klampft sie deshalb auf ihrer bunten Gitarre, und das Publikum stimmt fröhlich in das befreiende Selbstbekenntnis mit ein.

Dass sie emanzipiert ist, daraus macht die fesche Fitz keinen Hehl, eine Emanze will sie indes nicht sein, auch wenn sie Sprüche klopft wie: "Emanzipation ist bei mir erst erreicht, wenn der Mann verschleiert zwei Schritte hinter mir geht und meine Einkaufstüten schleppt!" Sie spielt mit auf den ersten Blick derbem Humor mit Stammtisch-Klischees, doch ihre kluge Kritik an den Zuständen ist zwischen den Zeilen zu hören. Die Fitz ist bissig, aber nicht beißend, sie ist spitz, aber nicht schneidend, was es leichter macht, mit ihrer Meinung zu sympathisieren und sich von ihrer Denk- und Argumentationsweise einnehmen zu lassen.

Und schließlich steht da eine gestandene Frau auf der Bühne, die, ohne auf schrille Girlie-Power oder Ulknudel setzen zu müssen, auch mal die Mahnerin kommender Generationen sein darf, wenn sie Reinhard Meys "Sei wachsam" interpretiert und damit auf die Massenresignation unserer Zeit hinweist.

Im zweiten Teil packt die Kabarettistin dann die Revoluzzerin und Pazifistin aus, die mit Bundesmutti Merkel abrechnet und die Kriegswaffenlieferungen in den Sudan und nach Saudi-Arabien vehement kritisiert. Dabei bewegt sie sich auf einem schmalen Grad zwischen Humor und Ernst, bekommt jedoch immer im richtigen Moment die Kurve, um doch noch ein zumindest bitteres Lachen bei den Zuhörern zu erzeugen.

"Demokratie, das ist, wenn vier Füchse und ein Hase abstimmen, was es zum Abendessen gibt!", kalauert sie. Dabei wird sie nicht müde, immer wieder die mögliche Revolution anzuzetteln. Als Wortführerin für einen Aufstand hätte sie auf jeden Fall das passende Organ, laut durchdringend und exzellent geschult, dabei weich und weiblich, zeigt sie ihre musikalische Wandelbarkeit mit Liedern von Konstantin Wecker bis zu Tina Turner.

Schade, dass an diesem Abend so wenig junge Leute im Hangar saßen, um ein wenig von dem Revolutions- und Emanzipationsgeist, den Lisa Fitz versprüht, mit nach Hause und in ihr Leben zu nehmen.

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