Bis zu dramatischen Ausbrüchen

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Eigentlich sind sie 13, nicht zehn, die Musiker von "10-forBrass", die ihr Konzert beim Hohenloher Kultursommer im Schlosshof in Erkenbrechtshausen spielten. Aber wild klang es deswegen nicht, eher nach viel Sinn für Klangkultur. Das bewiesen sie schon mit den ersten Tönen der Ouvertüre zu Mozarts Oper "Die Zauberflöte": sehr ausgewogen und in sich stimmig. Der Blechbläsersatz klang - besonders im fugierten Teil - durch exakte und feinsinnige Tongebung wunderbar durchhörbar.

Was mit Mozarts Musik als Eingangsstatement formuliert wurde, fand im Bachschen Choral "Jesus bleibet meine Freude" in der weichen und warmen Tongebung ein gesangliches Pendant - und natürlich in der Bearbeitung eines Vivaldi-Konzertes durch Johann Sebastian Bach. Das siebte Concerto aus dem "L'estro armonico", das der Leipziger Komponist für Cembalo bearbeitet hatte, erklang in Dezettbesetzung.

Den Solopart hatte André Schoch auf der hohen D-Trompete übernommen. Mit viel Spielfreude, die auch das gesamte Ensemble bestimmte, führte er die Solostimme hochvirtuos und brillant durch Triller und zahllose Figurationen. Die beiden espritvoll wiedergegebenen schnellen Ecksätze rahmten einen wundervoll kantabel und mit großer Empfindung gespielten langsamen Satz ein, in dem auch das Fortschreiten der Harmonien zum klanglichen Erlebnis wurde. Daran wussten die zehn Blechbläser zur Arie "Lascia ch'io pianga" aus Georg Friedrich Händels Oper "Rinaldo" anzuknüpfen.

Sehr stilisiert zur "Wilden 13" mutierten "10-for-Brass" bei ihrer Fassung der "Freischütz"-Ouvertüre. Was mit idyllischem, schön rundem Ton des Hornduos begann, entwickelte sich spannungsvoll bis in dramatische Ausbrüche hinein weiter. Da wurden Carl Maria von Webers Wolfsschluchtszene wie Verzweiflungsarie greifbar. Lediglich das gesangliche Seitenthema wirkte ein wenig hastig.

Durch Exaktheit bestachen zu Beginn des zweiten Konzertteils weitere Bühnentöne: die Fanfare aus Paul Dukas Ballett "La Péri". Herbert Baumanns "Per Ottoni" brachte durch die Genauigkeit im Formulieren schön hervorgehobene rhythmische Spielereien, die spannungsreich und leicht drängend wiedergegeben wurden.

Der Eingangssatz von Jan Koetsiers "Brass Symphony" knüpfte daran an. Von Horn und Trompete gespielte Melodien brachen das wundervoll auf. Hornistin Swantje Vesper gestaltete ihren gesanglichen Part im Larghetto-Satz empfunden aus. Im Ineinandergreifen der Stimmen im vielstimmig pulsierenden Schlussrondo ragten effektvolle, sehr leise gespielte Trompetenklänge heraus.

Noch leicht stilisierte "Hot Intonation" gelang den Posaunisten beim klanglichen Wellenschlagen zu Gershwins "Rialto Ripples", gefolgt von sogartig leidenschaftlichen und ausgreifenden Tönen zu Piazzollas "Libertango". Mehr und mehr Drive vermochten die nun wieder 13 Musiker am Ende Duke Ellingtons "Caravan" zu verleihen.

Steven Verhelsts spritzig interpretierte "10-for-Brass"-Fanfare mit schnellen Skalenläufen und einem verschmitzten Solo von Tubist Alexander Tischendorf gabs als Zugabe. Tischendorf, auch für die Moderation zuständig, wollte das begeisterte Publikum nicht mit einem funkensprühenden Stück gehen lassen. Zur Beruhigung gab es deshalb die "Hymn 1" aus Hazells "The Gospel Hall"-Suite.

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