Bereits 8000 Patienten durch winzige Öffnungen in der Bauchdecke operiert

Das chirurgische Team des Klinikums um Chefärztin Dr. Martina Mittag-Bonsch beherrscht die Kunst der kleinen Schnitte. Am Mittwoch wurde Helmut Schmidt als 8000. minimalinvasiv operierter Patient begrüßt.

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Der Klinische Direktor Thomas Grumann (rechts) überraschte am Mittwoch Helmut Schmidt, dem als 8000. Patienten mit einer Schlüsselloch-Operation im Klinikum geholfen wurde. Eingeführt hatte diese patientenschonende Methode die Chefärztin der Chirurgie, Dr. Martina Mittag-Bonsch. Operiert wurde Helmut Schmidt vom Leitenden Oberarzt Dr. med. Wolfgang Preller und auf der Station D2 betreut von der Stationsärztin und angehenden Chirurgin Dr. Violetta Pelle.  Foto: 

Das "große Besteck" kommt in den Operationssälen des Klinikums Crailsheim immer weniger zum Einsatz. In vielen Fällen erfolgt der Eingriff im Bauchraum heute durch winzige Öffnungen in der Bauchdecke. Diese elegante und schmerzarme Schlüsselloch-OP ist die ideale Methode zur Entfernung von steingefüllten Gallenblasen und eines entzündeten Blinddarms sowie bei der überwiegenden Zahl von Leistenbrüchen. Auch bei anderen Brüchen (Hernien), bei der Teilentfernung des Dickdarms und in der Diagnostik kommen Trokare, ein spezielles Laparoskop mit Lichtquelle und Videokamera sowie die endoskopischen Operationsinstrumente zum Einsatz.

Zu einem geplanten Routineeingriff war Helmut Schmidt aus Ohrenbach am Dienstag ins Klinikum gekommen. Sein Urologe hatte ihn auf den hervorragenden Ruf der Crailsheimer Klinik in Sachen Hernien-Versorgung aufmerksam gemacht. Seinen Leisten- und Nabelbruch versorgte der Leitende Oberarzt Dr. Wolfgang Preller in einer 40-minütigen Schlüsselloch-OP.

Am Tag danach begrüßten Chefärztin Dr. Martina Mittag-Bonsch und der Klinische Direktor Thomas Grumann den Patienten mit einer kleinen Überraschung, denn Helmut Schmidt ist der 8000. Patient, dem mit einem minimalinvasiven Eingriff im Klinikum geholfen wurde. In der Regel können Hernien-Patienten bereits am OP-Folgetag nach Hause entlassen werden; Helmut Schmidt blieb aber wegen der doppelten Bruchversorgung einen weiteren Tag zur Beobachtung. Dabei fand er Zeit, sich dem von Thomas Grumann überreichten Hohenlohe-Bildband zu widmen und auch die "Crailsheimerle" zu probieren. In Anerkennung der Leistungen des gesamten OP-Teams überreichte Grumann Dr. Mittag-Bonsch einen Blumenstrauß.

Seit 1. April 1997 ist Dr. med. Martina Mittag-Bonsch Chefärztin der Chirurgie am Klinikum Crailsheim und seit gut zehn Jahren auch Ärztliche Direktorin. Sie brachte die "Kunst der kleinen Schnitte" in den Crailsheimer OP-Saal zu einer Zeit, als die Laparoskopie nur von wenigen OP-Teams in Deutschland beherrscht wurde. In Crailsheim waren vor 1997 gelegentlich Gallenblasen mit der neuen OP-Methode entfernt worden.

Dr. Mittag-Bonsch hatte als Oberärztin am Klinikum Aalen mit Kollegen die Schlüsselloch-OP-Methode ab 1991 schrittweise eingeführt. In Crailsheim bewährte sich diese Operationsmethode neben dem klassischen, offenen Eingriff sehr rasch sehr gut: "Unser eingespieltes OP-Team arbeitet seit Jahren auf konstant hohem Niveau", freut sich die Chefärztin. "Bei einer laparoskopischen Blinddarm-OP sieht man auch die anderen Organe und erkennt so gegebenenfalls andere Erkrankungen in Fällen, bei denen die vorrangige Diagnose korrigiert werden musste."

Vier von fünf Leistenbrüchen werden heute mit der Schlüsselloch-Methode versorgt. Dabei wird ein Netz implantiert. Das heißt: Durch winzige Schnitte in der Bauchhaut wird ein zehn mal 15 Zentimeter großes Spezialnetz in die Bauchhöhle gebracht. Das Netz wird an der Bauchwand befestigt, so wird die Bruchstelle verschlossen und das Bauchfell wieder darübergelegt.

2800 laparoskopische Operationen bei Leistenhernien wurden seit 1997 durchgeführt. Pro Jahr werden rund 150 bis 200 Patienten mit Leistenbrüchen in Crailsheim operiert. Die Versorgung von Narben- und Nabel-Brüchen sowie Bauchwandbrüchen (epigastrische Hernien) gibt es in Crailsheim seit 2008. In dieser Zeit sind rund 250 sogenannte IPOM-Fälle minimalinvasiv behoben worden, 174 mit offenen OPs. Rund 70 der 100 IPOM-Brüche pro Jahr werden per Schlüsselloch versorgt.

Durchgesetzt hat sich die minimalinvasive Methode auch bei Dickdarm- und Enddarm-Operationen, bei denen Geschwülste und entzündete Teile entfernt werden müssen. 250-mal wurde durchs Schlüsselloch operiert, pro Jahr sind das aktuell rund 30 Fälle. Auch Notfalleingriffe sowie Operationen am Dünndarm, am Magen, an Leber und Milz werden laparoskopisch durchgeführt.

Hatte man in den Anfangsjahren noch gedacht, laparoskopische Eingriffe seien für ältere Patienten zu belastend, weil eine Vollnarkose notwendig ist, so setzte sich die Erkenntnis durch, dass das Gegenteil der Fall ist: Für ältere Patienten ist eine Schlüsselloch-OP weit weniger belastend als ein offener Eingriff.

"Die Patienten haben weniger Schmerzen, sind schneller wieder mobil und belastbar", betont Dr. Mittag-Bonsch. Die Genesung verläuft insgesamt viel rascher. Minimalinvasive Operationen sind bluttrocken und muskelschonend, da keine Muskelstränge oder Nerven durchtrennt werden, um an den Ort des Eingriffs zu kommen. "Mit dem Laparoskop haben wir einen hervorragenden Überblick im Bauchraum", erklärt die erfahrene Chirurgin. Betrachtet man die Langzeitergebnisse von minimalinvasiver und offener OP, schneiden beide gleich gut ab.

Der "große Schnitt" kommt nur noch selten zum Einsatz

8000-mal wurde am Klinikum Crailsheim laparoskopisch, also minimalinvasiv operiert. Aktuell sind es rund 500 bis 600 Schlüsselloch-Eingriffe pro Jahr. Nur noch ganz selten wird eine mit Steinen gefüllte Gallenblase bei einem großen Schnitt entnommen; 99 Prozent der etwa 140 bis 160 Eingriffe pro Jahr erfolgen minimalinvasiv. Das war seit 1997 rund 2300-mal der Fall.

Seit 2005 ist die Zahl der offenen Operationen zur Blinddarmentfernung drastisch zurückgegangen. Heute wird der Appendix praktisch nur noch durchs Schlüsselloch herausgeholt. Das war seit 1997 rund 1700-mal der Fall. Aktuell sind es pro Jahr 100 bis 160 Fälle.

PM

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