Baugenossen erstellen im Crailsheimer Stadtteil Türkei 43 Wohnungen

"Baut die BG bald wieder?", titelte das HT am 1. Oktober 2014 - und löste mit der Frage offenbar einige Spekulationen aus. Jetzt ist es amtlich: Die Baugenossenschaft baut im Stadtteil Türkei 43 Wohnungen.

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So präsentiert sich das Wohnquartier derzeit: Idyllisch, aber wohnungstechnisch nicht auf aktuellem Stand. Es wird Ende des Jahres abgerissen.  Foto: 

Über Jahre waren die Oberen der hiesigen Baugenossenschaft zwar wahrlich nicht untätig, doch der Schwerpunkt ihrer Aktivitäten lag auf der so bezeichneten "Sanierung im Bestand". Da ging es ebenfalls um Millionenbeträge und darum, Mietwohnungen auf einen deutlich höheren Standard zu bringen. Und doch fragten sich etliche Crailsheimer, warum "ihre" Baugenossen eigentlich kaum neu bauen.

Nun, der Markt gab es über Jahre nicht her. Inzwischen hat sich die Situation auch auf dem heimischen Wohnungsmarkt zugespitzt. Vor allem günstiger Wohnraum ist selten. Die Baugenossenschaft mit ihrer Geschäftsführung, mit Vorstand und Aufsichtsrat geht quasi in die Offensive - und nimmt das Projekt Florian-Geyer-Straße 2-14 in Angriff.

Die Pläne von Architekt Jochen Fessel liegen vor, der Bauantrag ist bewilligt, gegen Jahresende kann es losgehen. 29 Wohneinheiten im Eigenbestand, die 1939 als Blocks erstellt wurden, betreut die BG auf dem Gelände. Für die Mieter wurden einvernehmliche Lösungen gefunden. Zum Teil werden sie umgesiedelt, einige ältere Bewohner haben anderweitige Unterkünfte gefunden. Das bedeutet, dass mit den folgenden Umzügen zumindest im Bereich der BG Crailsheim einiges auf dem Mietmarkt in Bewegung gerät.

An den Neubau stellen die BG-Entscheidungsträger hohe Ansprüche. Auf dem knapp 5000 Quadratmeter großen Grundstück in Innenstadtnähe entsteht ein dreigliedriger Baukörper - wieder in U-Form, zweigeschossig und mit mittig versetztem dritten Geschoss. Die 43 Wohneinheiten summieren sich auf 3167 Quadratmeter Wohnraum, die sich auf sechs Ein-Raum-Wohnungen, 21 Wohnungen mit zwei Zimmern und 16 Drei-Zimmer-Wohnungen verteilen. Dazu kommen 46 Auto-Stellplätze, von denen 20 überdacht sind. "Auf eine Tiefgarage wird wegen schwieriger Untergrundverhältnisse verzichtet", erklärt Geschäftsführer Thomas Münkle. Das Erdgeschoss wird barrierefrei, die Obergeschosse werden barrierearm ausgebaut. Aufzüge und offene Laubengänge erschließen die Wohnungen.

Zweite Besonderheit des Wohnblocks ist ein bislang wohl deutschlandweit einzigartiges Wärmekonzept, zu dem sich die Bauherren die Stadtwerke und die Uni Stuttgart mit ins Boot geholt haben. Gesetzt wird auf 50 Prozent Solarthermie, 40 Prozent Geothermie sowie bei den restlichen zehn Prozent auf Wärmepumpen. Das soll die Wohnanlage komplett unabhängig machen von Ressourcen wie Gas, Strom und Kohle.

Und noch eine Besonderheit hat die BG auf Lager: Gebaut wird mit mineralischen Produkten (ohne Styropor) ein KfW-55-Haus, um die Heizkosten weiter zu minimieren. "Das sorgt für ein gutes Raumklima und wird zugleich dem Brandschutz gerecht", fasst Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Belzner zusammen. KfW-55: Das bedeutet, gegenüber einem üblichen Standardhaus wird 45 Prozent Energie gespart.

Entstehen soll bezahlbarer Wohnraum für Familien und ältere Menschen. "Kostspielige Extravaganzen verkneifen wir uns", sagt Vorstand Dr. Joachim Thierley. Bezugsfertig sein könnte der Neubau, der in zwei Abschnitten hochgezogen wird, voraussichtlich im Frühjahr 2017.

Beim Mietpreis will die Genossenschaft laut Münkle "zwischen fünf und zehn Prozent unter der durchschnittlichen Vergleichsmiete" in Crailsheim bleiben. Bei den Baukosten mochten sich die Gremien nicht festlegen - auf jeden Fall werden mehrere Millionen Euro investiert. "Exakte Zahlen sind abhängig von den Ausschreibungen und von der Preisentwicklung", sagt Architekt Fessel. Die Nachfrage indes sei bereits jetzt enorm, bestätigt Thierley.

Die Baugenossenschaft

Als "Wohnungsanbieter für kleine Leute" versteht sich die 1919 gegründete Crailsheimer Baugenossenschaft. Dem wollen die Führungsgremien nun mit dem Bau von 43 neuen Wohneinheiten in der Türkei gerecht werden - 15 mehr als im bisherigen Bestand an gleicher Stätte. Reagiert wird damit auf den auch in der Region zu registrierenden deutlich steigenden Bedarf an Wohnraum. Knapp 600 Wohneinheiten verwaltet die BG im Eigenbestand. Die BG-Wohn- und Gewerbefläche lag zuletzt bei knapp 42 000 Quadratmetern. Seit 2010 wurde Jahr für Jahr rund eine Million Euro in den Bestand investiert.

ELS

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