Bach ist der Härteste!

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Jonathan Müller aus Hall. Privatfoto

Wenn ich mit anderen Menschen auf meinen Musikgeschmack zu sprechen komme, fällt oft der Satz: "Du hörst doch bestimmt klassische Komponisten. Händel, Beethoven, Bach und so. Das würde gut zu dir passen."

Das stimmt auch. Sobald ich allerdings auf den anderen von mir geschätzten Stil eingehe, ernte ich meistens ein freundliches, aber überraschtes: "Echt jetzt?" Ja. Echt jetzt. Ich höre Klassik und Metal.

Es gibt kaum eine andere Stilrichtung, in der die Musik so durchdacht, aber gleichzeitig so harmonisch ist, wie in klassischen Werken. Allein der reine Umfang eines Weihnachtsoratoriums ist überwältigend. Welcher durchschnittliche, kaum dem Stimmbruch entwachsene Castingshow-Teilnehmer kann es denn bitte mit der klanglichen Reinheit eines gregorianischen Agnus Dei aufnehmen? Meiner Meinung nach steckt in Carl Orffs "Carmina Burana" ungleich mehr kompositorische Energie als in jedem Remix von Skrillex.

Allerdings muss ich zugeben, dass Opern anstrengend sein können. Aber auch hier muss man differenzieren: Die Ouvertüre zu Ludwig van Beethovens Egmont wurde beispielsweise kürzlich in einem Tatort-Krimi verwendet. Und Vivaldis Vier Jahrezeiten kennt man auch, und sei es aus der Pizza-Werbung.

Mein Favorit unter den Komponisten ist Bach. Er, Händel und viele weitere gelten im Fernen Osten als deutsche Popstars und erleben dort eine Renaissance, die moderne Genies wie Lang Lang hervorbringt.

Klassische Musik ist also lebendig. Und dann höre ich noch Metal. Harte Rhythmen, ein dumpfer Bass, ein epileptisch getrommeltes Schlagzeug und gutturale Laute. Wie passt das zusammen?

Der Unterschied ist gar nicht so groß. Sehr viele Metal-Stücke haben eine Melodik, die ich beim Standard-Pop manchmal vermisse. Tuomas Holopainen, der Komponist der finnischen Symphonic-Metal-Band Nightwish, verarbeitet beispielsweise barocke Elemente. Großartig ist auch das kürzlich erschienene Album der niederländischen Band Epica, welches von östlicher Musik beeinflusst ist.

Außerdem ist Metal nicht gleich Metal. Es ist erstaunlich, wie viele Subgenres es gibt, die sich der Klassik- oder der Folkmusik annähern. Und manchmal braucht man nach einem eher beruhigenden Palladium einfach etwas Härteres, um sich wieder wach und lebendig zu fühlen.

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