Aus grau mach bunt

Die Käthe-Kollwitz-Schule hat den 150. Geburtstag ihrer Namensgeberin gefeiert. Dafür haben sich die Schüler viel Mühe gegeben.

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2000 Papierquadrate haben die Schüler für die Pixel-Käthe verarbeitet.  Foto: 

Eigentlich haben die Käthe-Kollwitz-Schule (KKS) in Crailsheim und die Kunst ihrer Namensstifterin nicht viel gemeinsam. Da sind auf der einen Seite Kollwitz’ Werke, meistens graue Bildnisse von Menschen, die schon auf den ersten Blick deprimieren. Meistens zeichnete sie furchterregende, knöcherne Personen. Tristesse, Trauer, Schmerz –  wenn Kollwitz’ Kunst eines nicht ausdrückt, ist das Lebensfreude.

Und dann ist da die Crailsheimer Schule, so lebhaft, wie man sich eine Schule vorstellen kann. Aus den Klassenräumen, in den Fluren, auf dem Pausenhof –  überall springt einem ein buntes Treiben entgegen. Es ist eine Vielfalt, die nicht zu Kollwitz’ trüber Kunst passt.

Am 8. Juli hätte Käthe Kollwitz ihren 150. Geburtstag gehabt. Am vergangenen Freitag hat die KKS deshalb ein Schulfest mit Eltern und Bekannten der Schüler gefeiert. Auch die Vorbereitungsklasse der Leonhard-Sachs-Schule war zu Gast. Für die Feier hatten sich die Schüler mächtig ins Zeug gelegt und einen Rundgang durch das Schulhaus kreiert. Dieser führte durch zwei Stockwerke und zeigte selbst angefertigte Werke oder Kunst von Käthe Kollwitz, die von Schülern neu interpretiert wurde. Auf den Boden geklebte Fußabdrücke wiesen den Weg. Auf den Spuren von Käthe Kollwitz, wenn man so will.

Doch wie lässt sich die trübselige Kunst von Kollwitz in das kunterbunte, manchmal hektische Schulleben integrieren? Die Lösung der Schüler war denkbar simpel: Farbe ins Spiel bringen. Da wurde etwa ein von Kollwitz gezeichneter Kinderkopf in ein Pop-Art-Stück umgewandelt, an dem wohl Andy Warhol noch seinen Gefallen gehabt hätte. Eine Galerie im Foyer zeigt nun Zeichnungen, die dank ihres neuen Anstrichs nicht mehr aufs Gemüt drücken. „Die Kinder finden die Bilder von Käthe Kollwitz meistens nicht schön und haben ein Bedürfnis nach Farbe“, sagte Lehrerin Inge Spring.

Das wohl auffälligste Projekt war aber schwarz-weiß: ein überdimensionales Gesicht von Käthe Kollwitz. Angefertigt haben es die Klassen 5 und 6, allerdings nicht mit dem Stift, sondern aus kleinen Papier-Quadraten. Pixel-Art heißt das. Ein Zeitrafferfilm ließ nur erahnen, wie viel Arbeitszeit die verpixelte Käthe in Anspruch genommen haben muss. „Das war so anstrengend“, erzählte eine Schülerin stolz vom Sortieren der rund 2000 Papierschnipsel.

Man darf sich also wundern, warum der Crailsheimer Gemeinderat 1975 ausgerechnet Käthe Kollwitz’ Namen für die Schule ausgesucht hat. Begründet habe der Rat seine Entscheidung damit, „dass die Bilder von Käthe Kollwitz ein starkes Mitgefühl für Kinder ausdrücken“, erklärte Schulleiterin Sigrun Lutz-Sigg in ihrer Rede.

Kollwitz habe „die Betrachter aufrütteln“ wollen, so Lutz-Sigg weiter. „Sie forderte auf, nicht wegzuschauen, nicht gleichgültig darüber hinwegzugehen, wenn es jemandem schlecht geht.“ Das entspreche dem Leitbild der KKS. „Unsere Schule trägt den Namen einer berühmten Künstlerin, einer mutigen Frau. Darauf können wir stolz sein.“

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