Asylbewerber wollen nicht vom „Sorglos“ nach Unterrot gebracht werden

Der Auszug der Flüchtlinge aus der Notunterkunft „Sorglos“ ging fast glatt. Allerdings: Einige weigerten sich, nach Unterrot gebracht zu werden.

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  • Neun Personen, darunter drei Kleinkinder, weigerten sich am Dienstag und Mittwoch, den überdachten Vorplatz bei der Jugendverkehrsschule neben der Asylbewerberunterkunft „Sorglos“ zu verlassen. Gestern Abend waren es noch vier. 1/2
    Neun Personen, darunter drei Kleinkinder, weigerten sich am Dienstag und Mittwoch, den überdachten Vorplatz bei der Jugendverkehrsschule neben der Asylbewerberunterkunft „Sorglos“ zu verlassen. Gestern Abend waren es noch vier. Foto: 
  • Beraten, wie es weitergehen soll (von links): die Pressesprecherin der Stadt, Michaela Butz, der Sprecher der Asylbewerber, Thomas Heiner, der Leiter des Polizeireviers Crailsheim, ein Dolmetscher des Landratsamts und der Crailsheimer Ordnungsamtsleiter Christoph Jung. 2/2
    Beraten, wie es weitergehen soll (von links): die Pressesprecherin der Stadt, Michaela Butz, der Sprecher der Asylbewerber, Thomas Heiner, der Leiter des Polizeireviers Crailsheim, ein Dolmetscher des Landratsamts und der Crailsheimer Ordnungsamtsleiter Christoph Jung. Foto: 
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Mittwochabend, 18 Uhr, im Rathaus: Crailsheims Ordnungsamtsleiter Christoph Jung, Thomas Heiner, der Leiter des Polizeireviers Crailsheim, und Martina Steinecke, Leiterin des Dezernats Recht und Ordnung beim Landratsamt Hall, sagen: „Wir sind vor allem froh, dass das Ganze friedlich abgelaufen ist.“ Voraus ging die Weigerung von neun Asylbewerbern, nach Unterrot gebracht zu werden.

Gruppe will den Bus nicht verlassen

Doch der Reihe nach. Eine Säuberungsaktion wegen Bettwanzen machte es nötig: Die Notunterkunft „Sorglos“ musste geräumt werden. 275 Flüchtlinge waren noch bis zum Wochenende in den drei Fabrikhallen in Altenmünster untergebracht. Das kurzfristig anberaumte Umsiedeln klappte am Montag noch recht gut. Knapp die Hälfte  der Bewohner werden neu eingekleidet und finden Wohnraum in Gerabronn, Langenburg und Tüngental. Doch für die restlichen Asylsuchenden sind am Dienstag nur noch Notunterkünfte in den Hallen von Unterrot und Gaildorf übrig – ähnlich strukturiert wie die Unterkunft in Altenmünster. In Unterrot angekommen, weigert sich eine Gruppe von rund 30 Personen, den Bus  zu verlassen und kehrt zurück auf den „Sorglos“-Parkplatz. Zwei Familien treten die Reise dorthin erst gar nicht an, sondern richten sich notdürftig einen Lagerplatz am Verkehrsübungsplatz direkt neben den „Sorglos“-Hallen ein.

„Wir gehen in keine Halle mehr“, so die Aussage der Verweigerer. Gutes Zureden durch die Ausländerbeauftragte der Stadt Crailsheim, Sandra Göke, und die Mitarbeiter des Landratsamtes haben nur wenig Erfolg. Gegen 21 Uhr kommt gar Oberbürgermeister Rudolf Michl vorbei, um den Flüchtlingen die alternativlose Situation zu erklären. Auch ein Imam vom „Türkischen Verein“ versucht, die Familien zu überzeugen, dass sie mit ihren teilweise noch kleinen Kindern nicht im Freien übernachten sollen. Doch es bleibt bei einem klaren „Nein, wir bleiben hier in Crailsheim.“ Nur fünf Personen geben nach und besteigen abends bei einem aufziehenden Gewitter den vom Landratsamt bereit gestellten Kleinbus. Die anderen schlafen auf der Wiese neben dem „Sorglos-Gebäude“ oder dort auf dem Parkplatz. Ein paar nutzen nachts noch die Notrufnummer der Bereitschaft, die sie schließlich doch nach Unterrot bringt.

Die restlichen Familien irren dann gestern Vormittag durch die Stadt und versammeln sich am Bahnhof. Offensichtlich wollen sie nach Schwäbisch Hall, um beim Landratsamt mit ihren Nöten vorstellig zu werden. „Um die Situation zu deeskalieren, ist Sandra Göke mit ein paar Flüchtlingen nach Unterrot gefahren und hat ihnen dort die Unterkunft gezeigt“, sagt Michaela Butz, Pressesprecherin der Stadt. „Sie hat sie dann wieder zurück zur Gruppe gebracht und danach sind alle Familien mit nach Unterrot gegangen.“

Vier Erwachsene wollen in Crailsheim bleiben

Fast alle. Neun Personen harrten bis gestern in Crailsheim am Verkehrsübungsplatz aus. Eine Familie, Eltern und drei kleine Kinder, sowie drei erwachsene Männer und eine Frau. Dass die Kinder nochmals eine Nacht im Freien verbringen würden, das konnte das Ordnungsamt im Sinne des Kindeswohls aber nicht mehr dulden, erklärte Ordnungsamtsleiter Christoph Jung. Das Jugendamt wurde eingeschaltet, und die Eltern aufgefordert, nach Unterrot zu gehen. Weil das aber nicht fruchtete, musste gestern die Polizei aktiv werden. Das Ende vom Lied: Die Familie ist einsichtig und lässt sich am Abend noch nach Unterrot bringen. Die restlichen vier Erwachsenen wollen weiter am Verkehrsübungsplatz bleiben.

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