Kinder schwitzen für Kinder

Crailsheim.  Wie lange noch? Sebastian stehen die Schweißperlen auf der Stirn, und seine Beine werden immer schwächer. Doch er schafft die halbe Stunde wie über 10 000 Kinder, die am Sponsorenlauf teilnehmen.

Die zwölfjährige Lara aus Gründelhardt hat einige Male auf dem Sportplatz trainiert, ihre Klassenkameradin Alexandra auf Feldwegen rund um Altenmünster. Sie waren also gut vorbereitet auf den Sponsorenlauf "Kinder laufen für Kinder", an dem gestern Vormittag über 10 000 Kinder von Grund-, Haupt- und Realschulen in den Landkreisen Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Main Tauber teilgenommen haben. Allein 360 Schüler waren an der Crailsheimer Realschule zur Flügelau am Start - und "unser geschätzter Landrat Gerhard Bauer", wie er von Schulleiter Denis Cramer unter dem Beifall der Schülerschar begrüßt wurde.

Mit Sakko, weißem Hemd und Krawatte war Oberbürgermeister Rudolf Michl erschienen, der zusammen mit den Schulamtsdirektorinnen Elke Bechtel und Monika Blum-Thol das Geschehen beobachtete. Nach musikalischer Begrüßung und gemeinsamen Dehnübungen wurde es ernst. Punkt 8.45 Uhr wurde über Radio Ton der Startschuss für diesen zum dritten Mal ausgetragenen Lauf gegeben. Dabei ging es nicht nur um sportliche Leistungen und Durchhaltevermögen, sondern vor allem auch um Geld. Jede gelaufene 250-Meter-Runde wurde im wahrsten Sinne des Wortes abgerechnet.Jede Schule hatte sich in Eigenverantwortung Sponsoren gesucht, deren (unterschiedlich hohe) Einsätze pro gelaufener Runde abgerechnet werden. Eltern und Verwandte beteiligten sich ebenso wie Firmen. Die Realschule zur Flügelau konnte das Crailsheimer Unternehmen Groninger als Hauptsponsor gewinnen. Und wer bekommt das erlaufene Geld? Die eine Hälfte dürfen die Schulen für sich behalten, die andere Hälfte geht an unterschiedliche Institutionen. Im Landkreis Hall sind das die Kinder- und Jugendhilfe St. Raphael Fichtenau sowie der Haller Ortsverband des Kinderschutzbundes.

Im vergangenen Jahr wurden fast 28 000 Kilometer gelaufen und kamen auf diese Weise stolze 120 000 Euro zusammen. So um die 12 bis 15 Runden hatten sich Lara und Alexandra vorgenommen, während Landrat Bauer keine Angaben machen konnte oder wollte: "Schau mer mal. Ich bin nicht im Training." Aber fit ist er trotzdem, sonst hätte er keine 19 Runden geschafft, was 4750 Meter in 30 Minuten bedeutet. "Ich bin sehr zufrieden", freute er sich und war gleichzeitig erleichtert, dass es vorbei ist.

Auch wenn die Temperaturen nicht mit denen der letzten Tage zu vergleichen waren: Ins Schwitzen kamen an diesem Vormittag alle, auch wenn sehr unterschiedlich gelaufen wurde - nicht nur was den Stil, sondern auch das Leistungsvermögen angeht. Anfangs sah man nur fröhliche und strahlende Gesichter und die nach Klassen eingeteilten Felder waren noch eng beieinander. Doch bald verlangsamte sich bei vielen das Tempo und gab es erste Einbrüche. Unterstützende Zurufe von außen gaben aber ebenso Kraft zum Weitermachen wie die kalte Dusche oder ein Schluck aus der Flasche.

Ob angestrengt oder locker, ob schnell oder langsam, ob laufend oder gehend, ob mehrfach überrundet oder 18 Runden: Letzten Endes hat dieser Lauf allen Teilnehmern persönlich viel gebracht. Und er bringt vor allem den Kindern und Einrichtungen viel, für die sie an diesem Tag gelaufen sind und geschwitzt haben.

Dazu gehörte auch der elfjährige Patrick, der an Muskelschwäche leidet und nicht mehr gehen kann. Es hatte mehr als Symbolkraft, dass er mit seinem Rollstuhl einige Runden drehte und so auf ganz besondere Weise zum Erfolg dieser Veranstaltung beigetragen hat.


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