Crailsheim braucht sich nicht zu verstecken

Crailsheim.  Einen großen Wurf landete Stadtarchivar Förtsch mit seinem als "kleiner stadtgeschichtlicher Vergleich" angekündigten Vortrag. Er untersuchte die Entwicklung von Crailsheim und Schwäbisch Hall.

Auch wenn inzwischen definitiv feststeht, dass im Winter 1379/80 keine Haller Truppen vor den Toren Crailsheims lagen, ist der Mythos der abgewehrten Belagerung doch "weiterhin wirkungsmächtig", so der Crailsheimer Stadtarchivar. Noch heute sei das Verhältnis der beiden Städte zueinander "von großer Rivalität geprägt".

Andererseits sei das "nichts Besonderes", betonte der Historiker und erinnerte an andere Rivalitäten: Köln-Düsseldorf beispielsweise oder auch Öhringen-Künzelsau. Es ließen sich "hunderte ähnliche Beispiele" finden, betonte Förtsch und entmythologisierte so ganz nebenbei das Verhältnis zwischen Crailsheim und dem Nachbarn im Westen.

Crailsheim hatte nie die Chancen und Möglichkeiten, wie sie Schwäbisch Hall immer wieder in seiner langen Geschichte hatte. Crailsheim war nie freie Reichsstadt und hatte nie eine Salzquelle. Crailsheim hatte nicht das Glück, das Schwäbisch Hall im Zweiten Weltkrieg hatte, und nach dem Krieg wurde die ehemalige Salzsiederstadt neue Heimat der Bausparkasse und nicht Crailsheim.

Trotz aller Widrigkeiten hat sich Crailsheim immer wieder berappelt - und nicht nur das. Das ehemalige Residenzstädtchen der Ansbacher Markgrafen hat Schwäbisch Hall, die ehemalige Vorzeigestadt der Staufer, des berühmten Königs- und Kaisergeschlechtes, in manchen Bereichen sogar überholt. Ein gutes Beispiel dafür sei die wirtschaftliche Entwicklung.

Die Crailsheimer, so das Fazit des in Schwäbisch Hall lebenden und in Crailsheim arbeitenden Historikers, brauchen sich also vor niemandem zu verstecken, auch nicht vor den Hallern.


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