Angehörige von psychisch Kranken geben sich in Hall und Crailsheim Halt

Wenn der Vater, die Schwester oder der Sohn psychisch krank sind, leidet darunter die ganze Familie. In Crailsheim und Hall gibt es Angehörigengruppen. Sie treffen sich morgen im Samariterstift in Obersontheim.

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Wenn ein Familienmitglied psychisch erkrankt, ist das in den meisten Fällen für alle im Familiensystem eine schwere Belastung. Unterstützung ist da nötig. In Crailsheim gibt es deshalb seit 25 Jahren und in Schwäbisch Hall sogar seit 35 Jahren Angehörigengruppen. Seinerzeit von der Caritas eingerichtet und lange Zeit geführt, werden sie heute vom sozialpsychiatrischen Dienst betreut.

Voneinander lernen

Der achte Angehörigentag morgen ab 9.30 Uhr in Obersontheim nimmt das Jubiläum beider Gruppen zum Anlass, sich noch einmal sehr intensiv mit der Situation der Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu befassen. Dabei wird ganz bewusst auf den Trialog zwischen Angehörigen, Patienten und medizinischem Personal gesetzt. Im Trialog gehen Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige und in der Psychiatrie Tätige jeweils als Experten in eigener Sache aufeinander zu, um voneinander zu lernen.

"Geteiltes Leid ist halbes Leid", sagt Erika Scharf (Name von der Redaktion geändert). Ihr Sohn, heute 51 Jahre alt und ehrenamtlich als Gärtner tätig, erlitt mit zwölf Jahren einen Autounfall und kam danach nur phasenweise wieder auf die Füße. In den Zeiten dazwischen stellten sich mehr und mehr Psychosen und zwanghaftes Verhalten ein. Einmal ging er mit einem Küchenhocker auf die eigene Mutter los. "Ich war hilflos, ohnmächtig. Ich wusste einfach nicht mehr, was ich noch machen kann", erinnert sich Erika Scharf. Erst als sie in der Angehörigengruppe merkte, dass es anderen Müttern genauso geht, wie ihr selbst, nahmen die Schuldgefühle ab. Jeden dritten Mittwoch im Monat treffen sich etwa zehn bis zwölf Mütter, Väter und Geschwister von erkrankten Menschen in Schwäbisch Hall. Eine Fachkraft des sozialpsychiatrischen Dienstes moderiert die Abende.

"Aber wir sprechen nicht nur über die Krankheit", sagt Ursula Schneider-Eichbaum. Sie ist seit drei Jahren bei der Angehörigengruppe. Ihr Sohn, der demnächst 26 Jahre alt wird, ist mit 16 Jahren in der Berufsschule einfach zusammengebrochen. Dem waren unzählige schlaflose Nächte und ebenso viele Überstunden im Lehrbetrieb vorausgegangen. Was Ursula Schneider-Eichbaum in der Folge als besonders bedrückend erlebte: Dass sie bei Themen wie Medikamentierung oder Unterbringung immer außen vor war.

Der Trialog hingegen soll Mitsprache ermöglichen, auch wenn Christoph Holl, pädagogischer Leiter des Samariterstifts Obersontheim, deutlich macht, dass "vor allem, wenn die Patienten volljährig sind, die Angehörigen formal gar kein Mitspracherecht mehr haben, wenn es um die Belange des Patienten geht".

"Das kann eine Mutter nicht verstehen, für sie bleibt das Kind, erst recht, wenn es krank ist, immer Kind", erwidert Ursula Schneider-Eichbaum. Ihr hat es geholfen, zu erfahren, dass andere Mütter wie sie selbst fühlen. Gerade der offene Austausch auf Augenhöhe zwischen allen Beteiligten, habe es ihr erleichtert, dazu zu stehen, dass ihr Kind psychisch krank ist. "Mein Leben ist eine Achterbahnfahrt", sagt Ursula Schneider-Eichbaum. "Es ist gut, wenn andere mit in der Achterbahn sitzen und wir uns gegenseitig halten können."

Kontakt und Information

Angehörigengruppe Crailsheim: Waltraud Rieker, sozialpsychiatrischer Dienst, Schulstraße 16, 74564 Crailsheim, Telefon 0 79 51 / 46 99 13

Angehörigengruppe Hall: Birgit Kern, sozialpsychiatrischer Dienst, Ringstraße 2, 74523 Schwäbisch Hall,

Telefon 07 91 / 9 43 06 92 06

SWP

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