An Hans Scholls Geburtstag wird Gedenkstele für Eugen Grimminger enthüllt

Die Weiße Rose kennt so gut wie jeder. Wer aber kennt den Geldgeber der Widerstandsgruppe, Eugen Grimminger? Eine Stele in Crailsheim informiert.

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Seit dieser Woche erinnert eine Stele in der Bahnhofstraße an den Crailsheimer Eugen Grimminger (1892-1986). Er hat während des Dritten Reiches die Widerstandsgruppe "Weiße Rose" unterstützt.

Als das Hohenloher Tagblatt vor 23 Jahren darauf hinwies, dass Eugen Grimminger schon zu Lebzeiten einer der vergessenen Söhne Crailsheims war, war das der Anstoß auch zur wissenschaftlichen Erforschung seines Lebens und politischen Wirkens. Heute gehört der Eisenbahnersohn zu den großen Söhnen der Stadt.

Was seit dieser Woche auch eine Gedenkstele, die an der Kreuzung Bahnhofstraße/Friedrichstraße aufgestellt worden ist, bezeugt. Sie wurde am Dienstag, also am "Tag der Weißen Rose" in Crailsheim, enthüllt. Diese Terminierung ist alles andere als ein Zufall, denn der 22. September ist der Geburtstag von Hans Scholl, dem in Crailsheim geborenen Kopf der studentischen Widerstandsbewegung "Weiße Rose" in München. Eugen Grimminger wiederum war ein Freund von Robert Scholl, dem Vater von Hans Scholl. Aufgrund der Nähe zur Familie Scholl wurde Grimminger schließlich einer der wichtigsten, vielleicht sogar der bedeutendste Geldgeber der studentischen Nazi-Gegner in der bayerischen Landeshauptstadt.

Der Pazifist Grimminger hat insgesamt wohl mehrere Tausend Reichsmark der "Weißen Rose" zukommen lassen, berichtete Ursula Mroßko, die Vorsitzende des Crailsheimer Arbeitskreises Weiße Rose, bei der Enthüllung der Informationstafel, die sie zusammen mit Oberbürgermeister Rudolf Michl und dem Stelen-Spender Tilman Wagner vornahm.

Wie kommt nun Wagner ins Spiel? Dort, wo Wagner heute seine Anwaltskanzlei und das Kammer-Kino betreibt, stand früher das Wohnhaus der Grimmingers. Eugen Grimminger war Steuerberater der Familie Wagner und irgendwann auch Freund. Insbesondere Wagners Großmutter Berta hatte großes Zutrauen zu Grimminger gefasst. Das ging schließlich so weit, dass sie über Grimminger Hans Scholl in München eine erhebliche Summe Geld zukommen ließ. Deshalb, so Tilman Wagner, sei es ihm Anliegen und Ehre gewesen, für die Finanzierung der Stele aufzukommen. Deren Bedeutung unterstrich Oberbürgermeister Michl. Gerade in der heutigen Zeit sei es "wichtig, Zeichen zu setzen". Eugen Grimminger habe sein Leben lang für Freiheit und Demokratie gekämpft, die Erinnerung daran müsse wachgehalten werden. Genau deshalb sei die Stele "so wichtig".

Auch Ursula Mroßko freute sich, dass es nun "nach mehreren Anläufen" gelungen ist, die Stele aufzustellen. Eugen Grimminger sei heute kein Unbekannter mehr, sein Name schmückt heute eine Schule und eine Straße in Crailsheim und es gibt ein Buch über ihn. Und nun die Stele. Auch sie, so Mroßko, trage dazu bei, einen bemerkenswerten Mann in Erinnerung zu behalten, der zwar im Alter von 30 Jahren seine Heimatstadt verlassen hat, "weil das Leben dort für ihn unerträglich geworden war" (Mroßko), der aber in seinem Herzen, so Mroßko weiter, "ein Leben lang Crailsheimer geblieben ist". Grimminger ging von Crailsheim weg, weil er mit Jenny Stern eine Jüdin geheiratet hatte, was ihm viele Feindseligkeiten aus der Bürgerschaft einbrachte.

Präsident und Senator

Eugen Grimminger geriet zwar nach dem Krieg in seiner Heimatstadt Crailsheim weitgehend in Vergessenheit, spielte aber im Genossenschaftswesen in Württemberg eine herausragende Rolle. Er gründete die Genossenschaftsschule in Schrozberg und brachte es bis zum Präsidenten der Württembergischen Raiffeisengenossenschaften. Die Universität Hohenheim verlieh ihm in Würdigung seiner vielfältigen Verdienste den Titel Ehrensenator.

AH

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