„Real Madrid der Maschinenbauer“

Bei der Gala in der Ilshofener Stadthalle gibt’s viel Lob für Bausch + Ströbel. Der 50 Jahre alte gewordene Verpackungsmaschinenbauer wächst weiter.

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Den Spruch des Abends haute nicht Moderatorin und Ex-Miss-Germany Doris Schmidts raus und auch nicht der Entertainer Karl-Heinz Dünnbier. Es war ein Beamter, nämlich der oberste Beamte des Landes im Kreis, Michael Knaus. Für den Stellvertreter des Landrats ist das Unternehmen Bausch +  Ströbel „das Real Madrid der Maschinenbauer“. Mehr Lob geht nicht, ist doch der spanische Club im Weltfußball das Maß aller Dinge.

In Sachen Verpackungsmaschinen spielt das Ilshofener Unternehmen, das am Donnerstag mit einer Jubiläums-Gala in der Stadthalle sein 50-jähriges Bestehen feierte, in der Champions League. Das ist nun wahrlich nichts Neues, aber Knaus nahm die jüngsten Erfolge des Unternehmens – Auszeichnungen auf der Fachmesse Interphex in New York – zum Anlass, auf die „herausragenden Erfolge“ des hohenlohischen Maschinenbauers hinzuweisen.

Leuchtturm im Landkreis

Der ist schon lange Weltmarktführer und wächst, und wächst, und wächst. Derzeit wird eine weitere Fertigungshalle gebaut, werden erneut viele Millionen Euro am Standort Ilshofen investiert. Das ist für ein weltweit tätiges Unternehmen keine Selbstverständlichkeit, führte Erster Landesbeamter Knaus aus und lobte die Standorttreue ausdrücklich: „Wir sind mächtig stolz darauf, dass wir Bausch + Ströbel im Landkreis haben.“ Für ihn gehört der Spezialaschinenbauer zu den „Unternehmensleuchttürmen“ im Landkreis. Das Unternehmen sei „einer unserer besten Kunden“, weil ständig Anträge zu bearbeiten und Genehmigungen zu erteilen seien. Manchmal werde das Landratsamt regelrecht damit „überschwemmt“. Aber das sei gut so, weil sich in der Vielzahl der zu bearbeitenden Vorgänge die große Wachstumsdynamik der Firma spiegele.

Der Ilshofener Bürgermeister Roland Wurmthaler sprach von einer geradezu „rasanten Entwicklung“. In 50 Jahren vom Vier-Mann-Garagenbetrieb zum Weltmarktführer mit annähernd 1400 Mitarbeitern, das könne sich schon sehen lassen und sei dem ausgeprägten Unternehmensgeist der Familien Bullinger, Ströbel und Bausch zu verdanken. Auch Wurmthaler bedankte sich ausdrücklich für das Standortbekenntnis des Unternehmens, das sich auch in der aktuell stattfindenden Erweiterung zeige.

Wurmthaler ging auch auf den großen Beitrag von Bausch + Ströbel zur positiven Entwicklung der Stadt ein. Die Umstrukturierung in der Landwirtschaft sei kaum zu spüren gewesen, weil die Firma immer Arbeitskräfte gebraucht hat. Die Einwohnerzahl von Ilshofen sei auf mittlerweile 6500 angewachsen, freute sich der Bürgermeister, und sicherte dem Unternehmen die Unterstützung der Stadt auch für die Zukunft zu.

Auch Betriebsratsvorsitzender Björn Uhlig freut sich über die seit 50 Jahren anhaltende gute Entwicklung des Unternehmens. Natürlich sei es nicht immer nur nach oben gegangen, aber insgesamt könne doch von einer rasanten Entwicklung gesprochen werden. Gesellschafter und Belegschaft hätten allen Grund, „auf das Erreichte stolz zu sein“.

Islhofen ohne Bausch + Ströbel? Das ist heute nicht mehr ­vorstellbar. Dabei war die Ansiedlung in der Mitte des Landkreises gar nicht vorgesehen. Die Garage, in der Friedrich Bullinger, Rolf Ströbel und Wilhelm Bausch ­herumgetüftelt haben, stand in Michelbach/Bilz. Das Trio wäre auch gerne in der Gemeinde in der Nachbarschaft von Schwäbisch Hall geblieben, doch der ­damalige Bürgermeister Helmut Maaß (später Erster Bürgermeister in Crailsheim) ließ es an der erforderlichen Unterstützung fehlen, erzählte der gebürtige Crailsheimer Siegfried Bullinger am Donnerstag im Interview mit ­Fernsehmoderatorin Doris Schmidts. Auch in Schwäbisch Hall wurde dem Trio nicht der rote Teppich ausgerollt und so ließen sie sich schließlich in Ilshofen nieder. Wobei auch das nicht ganz unproblematisch war. Dreimal habe sich der Gemeinderat mit dem Ansiedlungswunsch der Jungunternehmen befasst, bevor er grünes Licht gab. Der Rest ist (Erfolgs-)Geschichte. Bürgermeister Maaß habe ihm später einmal gestanden, dass es sein größter Fehler gewesen sei, sich nicht intensiver um die drei jungen Männer aus der Garage gekümmert zu haben, plauderte Bullinger am Donnerstag aus dem Nähkästchen.

Schneller produzieren

Doch es wurden im Gespräch mit der Ex-Miss-Germany nicht nur Anekdoten ausgetauscht. Markus Ströbel, wie Bullinger geschäftsführender Gesellschafter, sieht das Unternehmen zwar auf einem guten Weg, sieht aber auch Handlungsbedarf auf verschiedenen Ebenen. So gefallen ihm die langen Lieferfristen von oft mehr als einem Jahr nicht. Die müsse man verkürzen. Modularisierung soll nun dafür sorgen, dass die Herstellung der Verpackungsmaschinen schneller geht. Wobei die langen Fristen kein allzu großes Problem sind, weil die der Konkurrenz auch nicht viel kürzer sind. Zudem ist es so, dass für viele Abnehmer nur Maschinen aus dem Hause B + S infrage kommen. Kein Wunder, wenn man weiß, dass selbst in den 1970er-Jahren gebaute Maschinen noch immer laufen. Allerdings finden sich bei Bausch + Ströbel kaum noch Serviceleute, die sich mit diesen Oldtimern auskennen.

Lob für Belegschaft

Beide geschäftsführenden Gesellschafter bezeichneten die Belegschaft als das höchste Gut der Firma. Ohne den Einsatz und die Treue der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei der Erfolg von Bausch + Ströbel nicht denkbar. Hinzu komme die große Lernbereitschaft der Beschäftigten. Nicht ohne Stolz berichtete Bullinger davon, dass die Firma schon zweimal den besten Industriemechaniker Deutschlands gestellt hat und einmal den besten aus Baden-Württemberg. Das Unternehmen hat schon immer großen Wert auf gute Ausbildung gelegt. Der Anteil der Auszubildenden an der Gesamtbelegschaft beträgt mehr als zehn Prozent. Weltmarktführer wird man schließlich nicht einfach so.

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