„Pflanz dich glücklich“ passt

Organisator und Ausrichter Martin Lohde sprach mit dem HT über die Gartentage auf Schloss Langenburg. Wichtiges Auswahlkriterium für die Aussteller ist immer die Nähe zum Thema Garten.

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    Die „Fürstlichen Gartentage auf Schloss Langenburg“ zählen zu den größten Gartenmessen in Süddeutschland. Foto: 
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    Blick auf vergangene Gartentage; Vorfreude aufs Wochenende. Foto: 
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    Martin Lohde spricht über Voraussetzungen für einen Erfolg. Foto: 
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Ein Maulwurfshügel und ein Studentenfest standen am Anfang: Wer wissen will, warum sich die Gartentage in Langenburg durchgesetzt haben, stößt zwangsläufig auf die Idee von „Räumen, in denen sich Leute wohlfühlen“.

Martin Lohde richtet die Gartentage gemeinsam mit seiner Frau Christine aus. Die beiden sind Landschaftsarchitekten, überwiegend im Westen Münchens tätig. Daneben organisieren sie im Frühsommer die Gartentage im barocken Kloster Fürstenfeldbruck, im Juli die Messe auf Schloss Tüßling bei Altötting, und im Spätsommer beschließen sie die Saison im Schloss hoch über dem Jagsttal. Barocke Anlagen, am besten Schlösser mit schönen Gartenanlagen, sind unverzichtbar für ihr Konzept – da stimmt dann die Atmosphäre.

Nicht ohne die Schlossherren

Fünf Messen sind es insgesamt, die etabliert sind und längst feste Größen in der Jahresplanung der Gartenfreunde im süddeutschen Raum. Einige Messen aber haben nicht funktioniert. Immer wieder sei es daran gescheitert, dass Schlossherren die Veranstaltung als notwendiges Übel sahen: „Wenn die nicht gerne Besucher in ihren Anlagen haben, sich nicht mit den Gästen freuen, die ihr Schloss erleben dürfen, hat’s gar keinen Wert.“

Gastfreundschaft sei Voraussetzung; seien die Besitzer nur notgedrungen dabei, übertrage sich dieses Gefühl auf die Besucher – und die Stimmung, die untrennbar verbunden ist mit einem Erfolg, komme gar nicht erst auf. „Das haben wir dann jeweils beendet“, sagt Lohde lapidar. Auf Tüßling, wo Schirm- und Schlossherrin Stefanie Gräfin Bruges von Pfuel einlädt, oder bei Fürst Philipp und Fürstin Saskia zu Hohenlohe-Langenburg funktioniert’s wunderbar.

Vom Tanz in den Garten

Dann ist natürlich Professionalität gefordert. Martin Lohde hat bereits während des Studiums der Landschaftsarchitektur in Weihenstephan einmal im Monat ein Riesenfest organisiert, das er „Sojus Club“ nannte, nach den russischen Raumschiffen, und das mit jeweils etwa tausend Besuchern groß genug war, den Organisatoren einiges zu tun zu geben.

Wie’s einmal schiefging

Wichtigste Erfahrung: So vieles kann schiefgehen. „Ich habe gelernt, möglichst genau zu kommunizieren, was wir anbieten und was nicht.“ Würden Erwartungen geweckt, denen man dann nicht gerecht werde, sei das fatal. „Enttäuschte Besucher, das ist keine Kleinigkeit.“

Er erinnert sich da an die zweite Messe in Fürstenfeldbruck, als die Gäste mit einer anderen Vorstellung von einer „italienischen Nacht“ kamen – Lohde hatte an ein Flanieren in Abendgarderobe gedacht, an müßiges Schlendern in den Gärten; die Gäste, viel mehr zudem als geplant, wollten sitzen. Und weil die Sitzplätze nicht annähernd ausreichten, wurden schließlich – mit Rotwein und Pizza in der Hand – die Ausstellungsmöbel besetzt, was die Aussteller auch nicht eben frohlocken ließ. So etwas passiert genau einmal.

Dass der Garten sein Element ist, war Lohde klar, seit ihm die Mama als allererstes Beet einen Maulwurfshügel überließ, den er als kleines Kind plättete und mit Primeln bestückte. Daraus ist eine lebenslange Leidenschaft geworden: „Räume zu schaffen, in denen sich Leute wohlfühlen“. Das ist auch Verbindungsglied zwischen Gartentagen und Gartenplanung. Im einen Fall geht es nur um einige Tage, im anderen idealerweise um ein ganzes Leben, immer aber ums Wohfühlen. Das Langenburg-Motto dieses Jahres, „pflanz dich glücklich“, erfasst das ganz gut.

Über einen Erfolg entscheidet auch die Wahl der Aussteller. 175 Anbieter kommen nach Langenburg, zum Teil seit vielen Jahren: Man kennt sich. Einige sind bei allen Lohde-Gartentagen dabei, und dass sie so lange Anfahrtswege auf sich nehmen, spricht fürs Konzept. Auf Stil werde Wert gelegt, sagt Lohde, und dass die Auswahl gar nicht so einfach ist. In Langenburg gebe es eine Warteliste mit über 50 geeigneten Ausstellern. Die Nichtgeeigneten sind im dreistelligen Bereich: „Was mach ich mit französischem Nougat oder italienischem Käse auf den Gartentagen?“; einige wenige Lebensmittel seien regionaler Herkunft, etwa der Langenburger Schafskäse oder die Produkte der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft. „Ein Tiroler Speckstand aber kommt mir nicht hierher. Der passt nach Tirol.“

Die letzten Farbtupfer

Nach wie vor überrascht und sehr froh sind die Eheleute Lohde über die hohe Zahl der Gärtnereien und Baumschulen, die so viele Blüten in die Gartentage bringen. Zunächst habe er gefürchtet, so spät im Sommer keine Käufer für Pflanzen zu finden, aber offenbar finden viele Gartenliebhaber, dies sei genau der richtige Zeitpunkt, dem Garten noch einmal ein paar Farbflecken zu schenken.

Hinzu kommen Spezialzüchtungen aus ganz Deutschland und Österreich – Rosen, Pfingstrosen, Dahlien, was auch immer –, die wiederum die Besucher von weither anreisen lassen. Sie kommen im Wissen, dass sie die Früchte ihrer Langenburger Einkaufstour erst in den kommenden Jahren bewundern dürfen.

Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. „Wir hatten schon ganz schlechte Vorhersagen und Super-Gartentage“, hofft Martin Lange. Manches lässt sich nicht planen. Dann wird eben gehofft. Und wenn’s doch schlecht wird, ist das Team mit Schlechtwetterkonzept samt Unwetterplanung zumindest vorbereitet.

Am Freitag ist von 10 bis 19 Uhr geöffnet, am Samstag von 9.30 bis 19 Uhr und am Sonntag von 9.30 bis 18.30 Uhr. Im Mittelpunkt stehen Gartenpflanzen bis hin zu Staudenraritäten, Biokräuter und mediterranen Kübelpflanzen sowie Gartenkunst. Neben Vorträgen und Führungen gibt es Konzerte im Renaissance-Innenhof sowie im Barockgarten.
Wie in den vergangenen Jahren ist das Deutsche Automuseum während der Gartentage frei zugänglich. Ein Bustransfer ist eingerichtet.
www.garten-schloss-langenburg.de

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