"Gegen Beschädigung des Lebens"

Das Gedenken an die Reichspogromnacht gestaltete sich in Crailsheim diesmal anders - nicht am Platz der Synagoge in der Adam-Weiß-Straße, sondern vor der Leinwand im Forum in den Arkaden.

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Peter Pfitzenmeier, hier vor einem Bild der zerstörten Crailsheimer Synagoge, begrüßte die Zuschauer.  Foto: 

"Wir wollen uns heute vor Augen führen, welche schreckliche Endstation die Menschen hatten, deren Rechte am 9. November 1938 mit Füßen getreten wurden." So begrüßte Dekan i. R. Peter Pfitzenmeier am Sonntag die etwa 40 Interessierten, die zu einer Veranstaltung des Stadtarchivs ins Forum in den Arkaden gekommen waren. Sie alle wollten einen Dokumentarfilm sehen, der den Blick auf das Ghetto in Riga lenkt. Und das aus gutem Grund: Auch 15 Crailsheimer Juden kamen dort ums Leben. Damit steht Riga für Crailsheim ganz oben, erklärte Pfitzenmeier. Weitere Todesstädte waren Theresienstadt (13) Crailsheimer Juden), Auschwitz (sieben), Sobibor (fünf) und Dachau (drei). Während des Dritten Reiches kamen rund 50 Juden aus Crailsheim ums Leben.

1941 und 1942 fuhren 25 Züge aus 14 Städten nach Riga. Für die Neuankömmlinge war Platz geschaffen worden, indem zuvor 27 000 lettische Juden ermordet wurden. Danach kamen im Rigaer Ghetto rund 25 000 deutsche Juden um.

Der Dokumentarfilm "Wir haben es doch erlebt. Das Ghetto Riga" von Jorgen Hobrecht zeigte eindrücklich, wie akribisch die "Aktion Riga" vorbereitet wurde, wie grausam die Zustände im Ghetto waren und wie wenige überlebten. Die Familie Essinger aus Crailsheim, an die Stolpersteine in der Innenstadt erinnern, schaffte es nicht. Max, Selma und ihre Tochter Alice Berta Essinger wurden 1941 deportiert und 1942 in Riga ermordet.

Die Veranstaltung so Pfitzenmeier, sollte "eine Mahnung sein, dass so etwas nie wieder geschehen darf". Aus dieser Verantwortung heraus habe sich in Crailsheim ein "Freundeskreis Asyl" gegründet. Denn auch "in der heutigen Zeit" gebe es "beschämende Ausgrenzung". Man müsse sich deshalb fragen, was jeder Einzelne dazu beitragen könne, damit Menschen in Crailsheim menschenwürdig leben können. "Machen wir Crailsheim zu einem Ort, von dem Widerstand ausgeht gegen die drohende Beschädigung des Lebens."

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