"Dann ist es um die nicht schade"

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Auch wenn es nicht so aussieht: Diese Frau ist gefährlich, denn die Haller Autorin Tatjana Kruse sagt: "Mord ist mein Beruf." Foto: roba

Die Hallerin Tatjana Kruse gestaltete am Mittwochabend eine Lesung der Literarischen Gesellschaft. Sie trug in der Buchhandlung Baier aus ihrem neuen Krimi "Finger, Hut und Teufelsbrut" vor.

"Dieser Roman", heißt es auf der Rückseite der Titelseite, "spielt. . . in einer realen Stadt, nämlich Schwäbisch Hall. . .". Das ist beileibe kein Nebenaspekt, wie man annehmen könnte. Die Autorin ging in ihrer im Plauderton gehaltenen Einführung auf die Bedingungen, unter denen sie schreibt, ein: "Ich bin eine Auftragsmörderin." Will heißen, sie lebt vom Schreiben. Wenn sie Krimis schreibt, wird in diesen getötet. "Der Verlag ruft an: ,Wir hätten da einen Auftrag." Und dann war es überraschend präzise geworden: Krimi; älterer Mann; seltenes Hobby (Sticken); eine deutsche Kleinstadt, die aber jeder kennt.

Tatjana Kruse, vor fünf Jahren in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt, hatte Schwäbisch Hall vorgeschlagen. Für das Publikum ein zusätzlicher Reiz, denn der Wiedererkennungswert ist ausgesprochen hoch. Die Kochmännergruppe der Volkshochschule, die es, wie sie amüsiert bemerkte, damals noch gar nicht gegeben hatte, trifft sich im Posthörnle. Der gecharterte Privatjet setzt ". . .zur Landung auf dem Adolf-Würth-Flughafen in Schwäbisch Hall-Hessental an". Es gibt einen Fotografen des Haller Tagblatts. Die Freundin von Ex-Kommissar Seifferheld - der Verlag hatte verlangt, dass der Kommissar beweibt sein müsse - ist ebenfalls bei der Lokalzeitung tätig. "Das Haller Tagblatt liebt mich nicht!", verkündete Tatjana Kruse mit Verve und lachte.

Das Publikum fand sie erfrischend. Die Passagen aus dem Roman und zwei weitere aus ihren Vorgängerromanen wurden goutiert. Sie gewährte kurze Einblicke in verschiedene Szenen. Ein Todesfall, der von ihr lässig kommentiert wurde: "Wenn bei mir Leute sterben, dann ist es um die nicht schade." Ein Arztbesuch der eher heiter-grotesken Art, eine Entführung und schließlich eine, wie sie sagte, jugendfreie Sexszene. Sie schreibt einen flotten Stil. Einzelheiten werden ausgemalt, manchmal leicht übertrieben, immer wieder gewinnt sie Distanz durch eingestreute Beobachtungen und Nebenbemerkungen. Die Zuhörer lachten auf, kicherten und glucksten. Sie kam an bei ihrem Publikum. Ihre Devise: "Ich finde, das Leben ist hart genug, man darf ruhig mal schmunzeln."

Das bestätigte auch Verleger und Buchhändler Siegfried Baier, der sich am Ende der Lesung für den lustigen Ausflug "mal wieder nach Hall hinüber" bedankte. Um erläuternd hinzuzufügen: "Wir sind ja natürlich alt befeindet - aber trotzdem."

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