Westernreiten: Von Cowboy-Romantik weit entfernt

In der Region Hohenlohe-Franken sind die professionellen Angebote und Turniere für Westernreiter noch dünn gesät. Die Familie Henninger in Schrozberg-Wolfskreut bietet ambitionierten Westernreitern auf ihrer Anlage Raum für den Sport.

BIANCA-PIA DUDA |
„In unserer Gegend ist Westernreiten eher selten“, weiß Jasmin Schuster. Als Fünfjährige hat sie mit dem Westernreiten angefangen. „Wir sind damals in die USA ausgewandert – da gab es nur Westernreiten“, erzählt sie von den Anfängen auf der Pinto-Stute ihrer Mutter. Bereits ein Jahr später bestritt sie die ersten Westernturniere und heimste seitdem – auch nach ihrer Rückkehr in die Heimat – zahlreiche Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene ein.

Auch ihre Reitschüler kamen von den deutschen und europäischen Meisterschaften mit Medaillen nach Hause. Eine von ihnen ist Patricia Hornung, die 2013 auf der Paint-Horse-Europameisterschaft „Euro Paint“ mit ihrem Pferd „Revolution Crunchynut“ Bronze gewann. Sie saß nicht immer im Westernsattel: „Ich bin früher Englisch geritten, was mir aber nicht ganz so viel Spaß gemacht hat. Für mich persönlich war das einfach stressiger. Beim Westernreiten schätze ich die entspannte Atmosphäre.“

Die gibt es auch bei den Turnieren: „Beim Reining gibt es schon einmal eine La-Ola-Welle“, fügt Jasmin Schuster hinzu. Ein Westernturnier geht auch oftmals über einige Tage und ist mit einer höheren Investition an Zeit und Geld verbunden als bei klassischen Turnieren. „Wir haben meistens eine Anfahrt von 200 bis 300 Kilometer.“

Zusätzlich fallen Lizenzgebühren an die American Paint Horse Association (APHA) in den USA an, die auch für Deutschland die Bücher mit Aufgaben- und Prüfungsordnung festlegt.

Weg vom Holzfällerhemd und harten Bohnen

Westernreiten ist in den vergangen 30 Jahren auch in Deutschland ein ernst zu nehmender Sport geworden. Das „Bonanza“-Klischee vom Cowboy, der im Holzfällerhemd am Lagerfeuer sitzt und seine Bohnen isst, hat mit der Realität wenig zu tun.

Zu Ostern hält Jasmin Schuster in Wolfskreut einen Reitkurs mit Trail, Horsemanship und Pleasure ab. Aktuell trainiert das Westernreiter-Team auf der Reitanlage von Waltraud und Alfred Henninger in Wolfskreut zudem verstärkt für die „Euro Paint 2014“ im September.
 

Unterschiede zwischen Western und Englisch

Die offensichtlichen Besonderheiten sind beim Westernreiten sicherlich Sattel und Kleidung. Doch das allein reicht nicht aus, um sich als „Westernreiter“ zu betiteln. Zwischen den Reitstilen „Western“ und „Englisch“ gibt es noch andere Unterschiede.

Bei einigen Freizeitreitern sind die bequemen und aufwendig gestalteten Sättel beliebt, ebenso der typische Kleidungsstil. Auch wenn der Dresscode der klassischen Reiter in den vergangenen Jahren lockerer geworden ist – gegen die Kleidung der Westernreiter ist das Prêt-à-porter. Die Haute-Couture-Trophäe geht eindeutig an die Cowgirls und Cowboys: Diese haben oft mehrere Outfits im Kleiderschrank und in der Sattelkammer. Pferd und Reiter treten quasi im Partnerlook auf. Ob pompöse Punzierungen oder auf Hochglanz polierte Metallbeschläge an Sattel und Trensenzaum: Es soll funkeln und glitzern. Doch die Optik ist nicht alles. „Grundsätzlich kann jedes Pferd western geritten werden“, sagt Jasmin Schuster. „Allerdings ist es schwerer, einen Haflinger auf das Niveau eines Quarters zu kriegen.“ Denn Westernrassen seien für die entsprechenden Aufgaben gezüchtet. Ein Haflinger kann durch sein etwas schwereres Exterieur beispielsweise bei Spins, die schnellen Drehungen um die Hinterhand, nicht die Geschwindigkeit eines Westernpferdes erreichen. Auch die Basisarbeit ist im Western ähnlich wie in der klassischen Reitweise.
 

„Reining“ ist bei Weitem nicht alles

So wie es im klassischen Stil Dressur- und Springprüfungen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gibt, hat auch der Westernsport seine verschiedenen Disziplinen.

Reining: Diese Prüfung wird fast komplett im Galopp geritten. Die Zügel werden meist in einer Hand gehalten. Reining ist die bekannteste Disziplin aus dem Westernsport und wird seit 2002 auch bei den Weltreiterspielen ausgetragen.

Trail: In dieser Geschicklichkeitsprüfung müssen die Pferde mindestens sechs Hindernisse bewältigen. Der Reiter muss zum Beispiel ein Tor öffnen und hindurch reiten oder etwa über Brücken gehen.

Western Horsemanship: Bei der Horsemanship steht die reiterliche Leistung im Vordergrund, was etwa dem Schwerpunkt einer Dressurreiterprüfung entspricht. Bewertet werden primär Sitz und Hilfengebung des Reiters.

Western Pleasure: Ein gut ausgebildetes Westernpferd geht gelassen am losen Zügel und ist mit feinen Hilfen zu regulieren. Es soll wie der Name der Prüfung sagt, seinem Reiter Freude machen. Grob können die Kriterien einer Pleasure mit einer Reitpferdeprüfung verglichen werden.

Western Riding: Western Riding gehört zu den anspruchsvollsten Disziplinen und findet ihr „englisches Pendant“ in Dressurprüfungen der mittelschweren (M) und schweren (S) Klasse.

Showmanship at Halter: Die Showmanship at Halter ist eine Disziplin speziell für Jugendliche. Bewertet wird die Präsentation des Pferdes am Halfter.

Cutting: Bei der Rinder-Disziplin Cutting hat der Reiter zweieinhalb Minuten Zeit, in eine Herde hineinzureiten, ein Rind auszusuchen und es dann von der Herde abzutrennen (to cut = schneiden).
 

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