Ein Bürgermeister schämt sich
Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik
Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.
Dem Vater wars vielleicht ganz recht so, dass die fröhliche Truppe den Abend nicht zu Hause ausklingen ließ, denn er verspürte doch ein gewisses Ruhebedürfnis. Bevor er sich ins Bett legte, brachte er die rund 15 jugendlichen Gäste mit seinem VW Bus in mehreren Fuhren aber noch zu einer stadtbekannten Diskothek in Ingersheim.
Doch mit der häuslichen Ruhe wurde es nichts. Kaum hatte er das Fahrzeug daheim abgestellt, klingelte auch schon das Handy. Seine sichtlich aufgebrachte Tochter teilte ihm mit, dass einem aus der Clique der Zutritt verwehrt wird. Der Türsteher sage noch nicht einmal, warum der junge Mann nicht eintreten darf.
Bei ihm handelt es sich um einen Deutschen mit Migrationshintergrund. Ein unbescholtener junger Mann, der im Heilbronner Jugendgemeinderat aktiv ist und sich für das Gemeinwohl engagiert. Aber für den Türsteher sah er wohl nicht "deutsch" genug aus. Herbert Holl beruhigte seine Tochter, zog sich wieder an und fuhr noch einmal rüber ins Industriegebiet.
Aber auch bei ihm wurde der Türsteher nicht gesprächiger. Wiederum verweigerte er die Auskunft darüber, warum ausgerechnet dieser eine junge Mann aus der Clique nicht reindarf. Auch auf die Bitte von Holl, er möge doch den Geschäftsführer über die Situation informieren, reagierte der Türsteher nicht. Auch als ihm Holl sagte, dass er Bürgermeister in dieser Stadt ist und jetzt auf eine Antwort auf die Frage besteht, warum der Gast aus Heilbronn so behandelt wird, blieb der Gefragte stumm. Also blieb der Clique nichts anderes übrig, als die Disko zu verlassen und irgendwo anders weiterzufeiern. Doch das gelang nicht mehr so recht, weil die Stimmung längst im Keller war.
Den Ärger der jungen Menschen kann Holl gut verstehen. Wenn jemand allein wegen seines Aussehens ausgegrenzt wird, dann ist das keine Lappalie, sondern Diskriminierung, betont der Crailsheimer Bürgermeister. Der sich im Übrigen dafür schämt, dass in einer Stadt, die Gastfreundschaft nicht nur während Kulturwochenende und Volksfest für sich reklamiert, Gäste so behandelt werden. Deshalb hat er den Vorfall öffentlich gemacht. Die Diskothek hat einen Pächter und wenigstens der sollte sich jetzt mal äußern.
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Autor: ANDREAS HARTHAN | 06.02.2012
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Kommentare (16)
verstehen?
Wer sagt denn, dass hier wirklich von Diskriminierung die Rede ist? Ist nicht der einzige, der das behauptet hat, Herr Holl selbst? Wurde nicht anscheinend kein Grund genannt? Es muss einen anderen Anlass gegeben haben, ihm keinen Einlass zu gewähren, denn wenn ich mich in der Diskothek mal umschaue, wieviele Menschen mit Migrationshintergrund dort zu den Gästen gehören, weigere ich mich, zu glauben, dass auf die Einnahmen einer 15köpfigen Partygesellschaft verzichtet wird, wegen EINES Ausländers... Im Normalfall gilt immer noch, wer sich benimmt, bekommt keine Probleme...Stammtischparolen
Unglaublich, wie hier gleich wieder auf dem Aussehen herumgeritten wird! Aber das ist in diesem Land ja üblich: Hat man keine anderen Argumente, dann kann man immer mit der alten Leier der Ausländerfeindlichkeit kommen.Was hier von manchen Stammtischlern total ignoriert wird ist, dass ein Club, bzw. eine Disco, ein Hausrecht genießt und sehr wohl entscheiden kann, wer reinkommt und wer nicht. Und all die Randinfos werden hier gar nicht beachtet: Was, wenn - wie schon erwähnt - der potentielle Gast einmal negativ aufgefallen war oder mit einem verwechselt wurde, der negativ auffiel? Was, wenn er über die Maße betrunken war? Dies ist alles nicht bekannt und daher kann man hier nicht pauschal argumentieren/diskutieren. Wer in einen Club nicht reinkommt soll es woanders versuchen oder daheim feiern. Mit dem Titel des Bürgermeisters zu argumentieren ist arm und zeigt deutlich die Zweiklassengesellschaft auf. Wieso sollten diese Leute andere Rechte haben als ein normaler Gast?
Wo bleibt die Fairneß?
Hat sich der Bürgermeister schon einmal überlegt, welche Verantwortung ein "Türsteher" trägt? Er muß durch seine Einlaßentscheidungen darauf achten, daß potentielle Konfliktsituationen erst garnicht entstehen können. An jedem Öffnungstag heißt dies, mit seiner Erfahrung und sicher auch intuitiv in Sekundenschnelle unzählige dieser Entscheidungen zu treffen. Dabei können sicher auch Fehler passieren, Tatsachenentscheidungen wie bei einem Schiedsrichter. Es ist ja nicht auszuschließen, daß es in diesem Fall zu einer Verwechslung mit einer anderen Person kam, die aus der Erinnerung schon einmal Probleme verurscht hat. Wir alle wissen, daß selbst das Ausländeramt der Stadt, das ja alle Zeit der Welt hat, um seine Entscheidungen über das Bleiberecht von Ausländern zu fällen und zu begründen, nicht frei von Fehlern ist. Also: Bürgermeister, bleib auf dem Teppich! Wer versucht, Entscheidungen Anderer mit dem Gewicht seiner Position zu erzwingen, erinnert doch zu sehr an unseren Herrn Wulff!