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Solisten und Orchester glänzend aufgelegt

Auf die Mischung kommt es an, und die war beim Neujahrskonzert der Stadtkapelle Crailsheim wieder hervorragend. Musik und Menü waren von großem Abwechslungsreichtum und hoher Qualität geprägt.

SONJA JASER | 0 Meinungen

Sogar das freundliche "Prosit Neujahr!" kam schwungvoll und bestens abgestimmt: Die Musiker der Stadtkapelle Crailsheim unter Leitung von Franz Matysiak zeigten sich beim Neujahrskonzert im Casino der Firma Schubert wirklich hervorragend aufgelegt. Über zwei Stunden fesselten sie das Publikum mit dem von Ines Kouril und Frieder Scheerer ansprechend moderierten Programm, das sich Gastgeber Gerhard Schubert auch Oberbürgermeister Rudolf Michl , die beiden Ehrenvorsitzenden Helmut Maaß und Werner Schmidt-Weiß sowie Ehrendirigent Josef Jiskra nicht entgehen lassen wollten.

Gleich beim festlichen Eingangsmarsch "Jubiloso" des englischen Komponisten Philip Sparke demonstrierten die Musiker ihre Fähigkeit, ein Werk mit sehr prononciertem "Antritt" souverän zu interpretieren, um im anschließenden Melodienstrauß des älteren und des jüngeren Johann Strauß das Publikum gekonnt in Wiener Stimmung zu bringen. Da wurde gewalzert nach Herzenslust, es ging gefühlsbetont wie besinnlich zu, in der Tongestaltung mal regelrecht pastos, dann auch ganz filigran.

"Flowerdale" von Philip Sparke sah dann mit Jochen Söldner an der Piccolotrompete den ersten Solisten des Tages. Weite Bögen spannend und höchst melodiös aufspielend ließ er "schottische Stimmungen" hörbar werden, wie sie diesem Werk um die Highlands angemessen sind.

Damit war der Reigen für weitere Soloauftritte eröffnet, die durchgehend begeisterten. Warum Jean Baptiste Arbans "Karneval von Venedig" (hierzulande bekannt als Gassenhauer "Mein Hut, der hat drei Ecken" und als solcher vom Stadtkapellen-Publikum auch bereitwillig intoniert) als Bravourstück für Solisten gilt, war bei Johannes Dülls genauso geartetem Vortrag überdeutlich nachvollziehbar. Er bot das technisch höchst anspruchsvolle Stück auf dem Euphonium mit außerordentlich schönem Ton scheinbar mühelos dar. Vergleichbares galt für Wolfgang Paulus, der auf dem Waldhorn die "Air poétique" des Niederländers Tedd Huggens zu Gehör brachte, welche Melancholie und Sehnsuchtsklänge sondersgleichen atmete. Immer wieder erkletterte die Melodie kleine Klippen, um über sie gleichsam hinüberzuperlen.

Es war mit Florian Friederich schließlich ein Jugendmusiker, der das Xylophon als relativ seltenes Soloinstrument zur Geltung brachte. In "Chu Chin Chinee" von Peter Green sah man ihn das hölzerne Schlagwerk (welches der Schlagzeuger erst seit einem Jahr spielt) in atemberaubendem Tempo "bearbeiten", mal äußert prägnant hämmernd, mal rasch gleitend.

Als Höhepunkt des einbrechenden Abends war Friedrich Smetanas "Moldau" angekündigt, und das Orchester enttäuschte die hochgesteckten Erwartungen keinesfalls. Herauswachsend aus einzelnen Flöten und dem zunehmenden "Gespräch" mit Klarinetten und weiteren Instrumentengruppen entstand schließlich der volle Orchesterklang, der das Dahinfließen des tschechischen Nationalflusses in dieser symphonischen Dichtung transportiert. Das Grundthema variierend entstanden immer neue szenische Zusammenhänge und Stimmungen, strömte das musikalische Geschehen immer neuen kleinen und großen Höhepunkten entgegen.

Für den wohlverdienten lebhaften Applaus bedankte sich die Stadtkapelle mit dem "Radetzky-Marsch", der ebenso wie die vorangegangene Annenpolka (ebenfalls Richard Strauß) und die "Brinpolka" von Karel Hulak zeigten, dass man auch im immer wieder gewünschten "traditionellen Fach" noch zu Hause ist.

Ein Bert-Kaempfert-Medley und eine Hommage an "New York, New York" waren gleichermaßen überzeugende und mitreißende Beiträge aus dem Bereich der zeitgenössischen Popularmusik.

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