Nischenplätze auf dem Arbeitsmarkt dringend gesucht

Landkreis.  Bei der Integration von Menschen mit Behinderung geht es um Teilhabe, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. Die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt ist dabei ein wichtiges Anliegen.

"Eine Ausbildung ist für unsere Schüler meist nicht möglich", sagt Thomas Buchholz von der Konrad-Biesalski-Schule für körperbehinderte Kinder und Jugendliche in Wört (Ostalbkreis). Trotzdem ist der Fachschulrat überzeugt, dass es für einige seiner 55 Schüler der Berufsschulstufe einen Nischenarbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt gibt. Mithilfe des Integrationsfachdienstes Heilbronn-Franken konnten in den letzten Jahren bereits Jugendliche mit Behinderung in ein Arbeitsverhältnis bei Unternehmen in der Region vermittelt werden. "Wir gehen bei der Jobsuche anders vor als sonst üblich", erklärt Buchholz. "Erst platzieren, dann qualifizieren lautet die Devise". Für jeden Bewerber suchen die Vermittler gemäß seinen Interessen und Neigungen, die zuvor in einer Lebens- und Berufswegekonferenz festgestellt werden, eine passgenaue Stelle in einem heimischen Betrieb. Meist sind es Lagerarbeiten, Arbeitsplätze in der Hauswirtschaft, im Catering oder auf dem Bau. "Möglichkeiten gibt es fast überall, es braucht nur einen offenen Betrieb", betont Monika Schwarz vom Integrationsfachdienst Heilbronn-Franken, der an der Schnittstelle zwischen Schule und Arbeitsmarkt für die Vermittlung, Begleitung und Beantragung von Fördergeldern zuständig ist.

Die Arbeit, die ein Mensch mit Behinderung ausübt, wird in den Unternehmen oft erst neu geschaffen. "In jedem Betrieb gibt es einfache Tätigkeiten, die von qualifizierten Mitarbeitern ausgeführt werden. Durch Umstellen der Strukturen kann diese Arbeiten ein behinderter Menschen übernehmen", erklärt Thomas Buchholz. Der höher qualifizierte Arbeitnehmer habe dann mehr Zeit für anspruchsvollere Arbeiten. "So entsteht eine Win-win-Situation", so Buchholz.

Zunächst wird ein Praktikum vereinbart. In dieser Zeit - die durchaus über ein bis zwei Jahre andauern kann - hat der junge Mensch die Chance, die Arbeitsabläufe im Betrieb kennenzulernen. Begleitend besuchen die Praktikanten einmal wöchentlich weiter die Schule. "So ist ein fließender Übergang von der Schule zur Arbeitswelt möglich", sagt Monika Schwarz. "Das ist letztlich das Geheimnis des Erfolgs." Am Ende der Praktikumszeit steht im besten Fall die Übernahme in ein Arbeitsverhältnis. Es kann aber auch die Rückkehr in eine Werkstatt für Behinderte erfolgen.

Eine Reihe von Fördertöpfen unterstützt die Unterbringung von Menschen mit Behinderung im ersten Arbeitsmarkt. "Es gibt Lohnkostenzuschüsse in Höhe der Leitungseinschränkungen", weiß Schwarz. Meist greift ein Fördermix aus Eingliederungszuschüssen der Agentur für Arbeit, dem Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) und des Landkreises. "Die Förderung ist immer individuell. Wenn 30 Prozent Arbeitskraft erbracht wird, werden 70 Prozent gefördert", erläutert die Integrationsfachberaterin.

Auch für den Kostenträger lohne sich dieses Modell. "Der Landkreis spart einen Werkstattarbeitsplatz und fördert dafür die Minderarbeitskraft. Das rechnet sich", so Schwarz.

Die meisten Betriebe, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen arbeiten, sind vom Modell "Arbeit und Integration" überzeugt, weiß Thomas Buchholz: "Es gibt Vorteile auf allen Seiten: Ein beeinträchtigter Mensch ist inklusiv beschäftigt, ein Unternehmen bekommt zusätzliche Arbeitskraft und Zuschüsse und das soziale Klima im Betrieb verändert sich."


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: CHRISTINE HOFMANN | 06.06.2011

Google 1+

Zwischen Bachtal-Schönheit und Miss Deutschland

Sie ist Miss Bayern. Jetzt tritt sie auch bei der Wahl zur schönsten Frau Deutschlands an. Die Rede ist von Sarah-Lorraine Riek aus Syrgenstein. Ob sie nun die Krone ins Bachtal holt oder nicht – die 19-Jährige ist gewappnet.... mehr

Vier Verletzte bei Zusammenstoß auf Kreuzung

Die Ampel an der B 19 in Herbrechtingen war außer Betrieb, als der Fahrer eines Hondas am Samstag auf die Bundesstraße Richtung Heidenheim einbiegen wollte und mit voller Wucht von einem Polo getroffen wurde, der Richtung B 19-Tunnel unterwegs war.... mehr

Neuer Umweltminister Altmaier muss Tempo machen

Berlin Der neue Umweltminister Altmaier übernimmt von seinem Freund Röttgen nicht nur das Amt, sondern auch viele offene Baustellen. Die Umsetzung der meisten Projekte verträgt keinen zeitlichen Aufschub.... mehr

Motorradfahrer bei Streifzusammenstoß schwer verletzt

Illerberg Zu einem schweren Verkehrsunfall mit einem Motorradfahrer ist es am Sonntagmittag gegen 13 Uhr zwischen Illerberg und Witzighausen gekommen. Dieser war zwar lediglich an einem entgegenkommenden Auto vorbeigestreift, erlitt dabei jedoch schwere Verletzungen.... mehr

Familie muss ausziehen - Fünf Kinder in Wohnungsnot

Neu-Ulm Eine Alleinerziehende steht am 8. Juli mit ihren fünf Kindern auf der Straße, wenn sie keine Wohnung findet. Bisher ohne Erfolg, trotz professioneller Unterstützung der Wohnberatung der Neu-Ulmer Diakonie.... mehr

Auto hebt ab und schlägt zehn Meter weiter auf

Ulm - Dornstadt Mindestens einen Verletzten hat es am Sonntag gegeben, als ein VW in Dornstadt über eine Böschung geschanzt war, dabei abgehoben und zehn Meter weiter wieder aufgeschlagen war. Die Insassen des Fahrzeugs flüchteten jedoch.... mehr