KOMMENTAR: Tradition gründet auf Menschen, nicht auf Gebäuden

Warum nur hält das Evangelische Diakoniewerk Schwäbisch Hall so unbeirrbar am jetzigen Krankenhausstandort fest? Warum lässt das Diak nicht mit sich über einen Neubau auf der grünen Wiese reden? Landrat Gerhard Bauer bezieht derzeit Prügel von einer ganz offensichtlich von Halls Oberbürgermeister Pelgrim dominierten SPD-Kreistagsfraktion dafür, dass er die Grüne-Wiese-Frage noch einmal angesprochen hat.

Aber warum die Prügel? War es nicht durchaus mutig, dass Bauer diese Frage ausgerechnet in seiner Bewerbungsrede um eine zweite Amtszeit gestellt hat - wohlwissend, wie heiß sie ist? Bauer kann nicht anders. Er muss diese Frage stellen, wenn er seinem Amt gerecht werden will. Warum? Weil laut Landeskrankenhausgesetz der Landkreis für die Krankenhausversorgung zuständig ist.

Im Kreis Schwäbisch Hall geht das nur mit dem Evangelischen Diakoniewerk. Es betreibt ein renommiertes Krankenhaus, das die Zentralversorgungsfunktion wahrnimmt. Aber gerade weil das so ist, ist es auch so enorm wichtig, dass nun die optimale Lösung fürs Diak gefunden wird.

Die Frage nach der grünen Wiese steht schon seit vielen Jahren im Raum. Und wer die topografische Lage des Diaks am Kocher-Steilhang kennt, der weiß auch warum. Aber bis heute herrscht der Eindruck vor, dass das Haller Diakoniewerk sich dieser für die Krankenhauslandschaft in der Region so wichtigen Frage nur halbherzig stellt.

Schnell kommt der Hinweis auf die 125-jährige Tradition. Aber, da hat der Crailsheimer Kreisrat Peter Gansky recht, Tradition sollte sich doch weniger an Gebäuden und mehr an Menschen festmachen. Das Diak hat, wie schon der Name sagt, einen diakonischen Auftrag. Der kann in einem neuen Krankenhaus, das optimale Betriebsabläufe garantiert, besser erfüllt werden als an einem verbauten Steilhang, der nur einen "Vorteil" hat: Er gehört zum Haller Stadtgebiet.


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Autor: SWP | 24.11.2011

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