Jede Menge Erziehungsspaß

Onolzheim.  Über die eigenen Unzulänglichkeiten zu lachen, ist schon mal ein guter Anfang. Den machten 400 Eltern und Erzieher beim Vortrag von Bestsellerautor Jan-Uwe Rogge in der ausverkauften Halle in Onolzheim.

Er ist Familien- und Kommunikationsberater, Bestsellerautor und hat einen Doktor in Verhaltens- und Sozialwissenschaften gemacht. Vor allem aber ist Jan-Uwe Rogge Entertainer. Manch professioneller Comedian mag da neidisch werden: Da betritt der 64-Jährige eine Bühne, spricht den ersten Satz und 400 meist weibliche Zuhörer lachen lauthals los. Dabei erzählt er nicht etwa Kalauer, nein, Jan-Uwe Rogge erzählt Geschichten aus dem Leben.

Es sind Geschichten von Kindern, die ihr Zimmer nicht aufräumen wollen oder die morgens so sehr trödeln, dass sie den Schulbus verpassen. Und es sind Geschichten von Vätern, die abends spät von der Arbeit nach Hause kommen und in Sekundenschnelle die familiäre Ordnung durcheinanderbringen. Vor allem aber sind es Geschichten von Müttern, die in Sachen Erziehung alles richtig machen wollen - und dabei an den Tücken des Alltags und den eigenen Ansprüchen scheitern. Dabei, so ruft Rogge den Eltern zu, habe Erziehung nichts mit Technik zu tun, sondern viel mit dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und einer gewissen Gelassenheit: "Viel Spaß beim Erziehen hat man nur, wenn man sich so annimmt, wie man ist und sein Kind so annimmt, wie es ist." Das ist schon das ganze Geheimnis. Ach ja, etwas Dankbarkeit und Demut schaden auch nicht.

Ist es wirklich so einfach? Lassen sich mit dieser simplen Formel tatsächlich alle Erziehungsprobleme lösen? Funktioniert das auch in Extremsituationen, wenn der Zweijährige laut schreiend vor der Supermarktkasse trotzt? Nach Ansicht von Rogge haben Kinder das Recht, aus der Haut zu fahren, wenn ihnen danach ist. Das haben Eltern übrigens auch, denn es ist gestattet, Fehler zu machen - 25 Stück dürften es über den Tag verteilt sein, meint der Erziehungsberater. Wichtig sei nur, dass Eltern sich von den Kindern nicht an der Nase herumführen ließen. Denn im Gegensatz zu ihren Eltern wüssten die Kleinen sehr wohl, was sie wollten und wie sie ihren Willen durchsetzen könnten. Deshalb müssen Erziehungsberechtigte eine klare Sprache verwenden: Bei einer Aufforderung ist das Wort "Bitte" überflüssig, häufige Wiederholungen und leere Drohungen bringen nichts und wüste Beschimpfungen schon gar nichts. "Kinder sind da sehr deutlich: Wenn sie ,Nein sagen, drücken sie auch ,Nein aus", meint Rogge. "Da können Sie von Ihren Kindern noch etwas lernen: Eine klare Ansage besteht zu 60 Prozent aus Mimik und Gestik, 30 Prozent aus Klang und Stimme, und der Rest ist Inhalt."

Trotz nicht enden wollender Lachsalven hat der Kommunikationsberater, der auf Einladung der Landfrauen Onolzheim von Hamburg nach Hohenlohe kam, doch ernst gemeinte Ratschläge erteilt. Einer davon war, sich von dem Gedanken zu verabschieden, nie so werden zu wollen wie die eigenen Eltern. Wer es dazu noch schaffe, den eigenen Anspruch auf Perfektion abzulegen, habe gute Chancen, viel Spaß beim Erziehen zu haben. Oder wie der Schweizer Pädagoge Pestalozzi schon vor 250 Jahren sagte: "Die schlimmste Strafe für Kinder sind Eltern, die nicht lachen."


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Autor: CHRISTINE HOFMANN | 09.02.2012

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