Immer noch anziehend
Crailsheim. Ein Segelflugzeug fliegen sehen, das hat wohl schon jeder. Doch nur wenige stellen sich die Frage: Wie kommt denn eigentlich so ein unmotorisiertes Fluggerät in die Luft? Meist per Winde -wie in Weipertshofen.
Die bekannteste Startart ist wohl der Flugzeugschlepp - ein Segelflugzeug wird von einem Motorflugzeug in die Luft gezogen. Jedoch ist dies nicht die am häufigsten durchgeführte. Da Lärm- und Umweltschutz auf Segelflugplätzen ernst genommen werden, werden die meisten Segelflugstarts in Deutschland im Windenstart absolviert. Die Sportfliegergruppe Crailsheim feiert in diesem Jahr 20. Jubiläum ihrer Startwinde. Viele Mitglieder des Vereins bezeichnen den 1991 fertiggestellten Eigenbau als das wichtigste Gerät am Flugplatz. Die Seilwinde der Sportfliegergruppe, im Deutschen Aeroclub erfasst unter dem Kennzeichen SW-8004, gehört zu den leistungsstärksten Schleppwinden im süddeutschen Raum. Angetrieben wird sie von einem Zehn-Zylinder-Mercedes-Benz-Motor, der 320 Pferdestärken aus 16 Litern Hubraum schöpft. Als Schleppseil wird ein Stahlseil mit einer Länge von etwa 1,2 Kilometern benutzt, dies ermöglicht Ausklinkhöhen von bis zu 500 Metern über Grund.
Beim Start beschleunigt die Winde die bis zu 750 Kilogramm schweren Segelflugzeuge in unter drei Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer. Da der Start an der Seilwinde im Gegensatz zum Schleppstart hinter Motorflugzeugen relativ günstig ist, ist er die bevorzugte Startart in Weipertshofen. Insbesondere zur Schulung leistet die Winde einen wichtigen Beitrag dafür, dass der Segelflugsport in Crailsheim auch für Jugendliche erschwinglich bleibt.
Die SW-8004 ist die dritte Startwinde in der Geschichte der SFG Crailsheim. Die erste Seilwinde tat ihren Dienst noch auf dem Fluggelände Brühl-Zollstock in Altenmünster, wurde aber in den 60er-Jahren nach dem Umzug der Sportflieger auf das Segelfluggelände Weipertshofen durch eine leistungsstärkere Winde ersetzt. Die "Flotte Lotte", so der Spitzname der damals neuen Winde, holte schon 240 PS aus einem Oldsmobile-V8-Motor und tat ihren Dienst zuverlässig bis zu ihrer Außerdienststellung im Jahre 1991. Sie wurde von den Crailsheimer Segelfliegern dann den Chemnitzer Luftsportlern geschenkt, deren Verein nach der Wiedervereinigung mit massiven finanziellen Problemen zu kämpfen hatte.
In Crailsheim wurde die SW-8004 1991 in Dienst gestellt und machte sich schnell einen Namen in der Segelfliegergemeinde. An Wettbewerben wie dem Hohenloher Vergleichsfliegen leistet die Crailsheimer Startwinde bis zu 40 Starts in der Stunde. Für ihre Robustheit und Leistungsfähigkeit spricht die bisherige Bilanz: Mehr als 18 000 Starts wurden mit dem acht Tonnen schweren Gefährt in den 20 Jahren durchgeführt, alle ohne einen nennenswerten Zwischenfall, wie Helmut Schäffer (87), einer der Erbauer der Startwinde, erklärt. "Unsere Winde hat Potenzial auch für die nächsten 30 Jahre", so Schäffer.
Damit dies gewährleistet ist, wird die Winde von den Luftsportlern wie eines ihrer Flugzeuge behandelt. Tägliche Checks, eine gründliche Durchsicht in der vereinseigenen Werkstatt im Winter und eine jährliche Abnahme durch einen staatlichen Prüfer machen sie zu einem sicheren Startgerät. Die gründliche Schulung des Personals trägt ebenfalls zur Sicherheit bei. Der Verein bildet Windenfahrer selbst aus und kann mit Roman Seidel aus Gaildorf und Dominic Borkmann aus Marktlustenau, die beide im vergangenen Monat auf der SW-8004 die Prüfung zum Startwindenfahrer bestanden haben, zwei neue, ehrenamtlich tätige Helfer in seine Reihen aufnehmen. pm
Info Die Crailsheimer Segelflieger sind mit ihrer Luftsportausstellung auf dem Fränkischen Volksfest vertreten. Unter anderem stehen zwei Segelflugzeuge in der Reithalle.
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Autor: SWP | 13.09.2011
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