Im Kampf gegen die Kälte
Roßfeld. Um 4 Uhr in der Früh bei Minustemperaturen im zweistelligen Bereich Zeitungen in Briefkästen zu stecken, ist sicherlich kein Zuckerschlecken. Gisela Sackreuter macht ihre Arbeit trotzdem Spaß.
Wenn die 46-jährige Gisela Sackreuter aufsteht, ist der neue Tag gerade einmal drei Stunden alt. Gegen 4 Uhr verlässt sie das Haus. Das Thermometer zeigt minus 14 Grad an. Von Gisela Sackreuter ist nur die Nasenspitze zu sehen. Die Ohren werden durch ein dickes Kopftuch geschützt. "Ich habe alles zweimal angezogen inklusive langer Unterhose", erklärt die robuste Austrägerin. Trotzdem ist die Kälte beißend und kämpft sich ihren Weg durch die Kleidungsschichten.
Normalerweise radelt Sackreuter von ihrem Wohnort Maulach nach Roßfeld. Bei diesen Temperaturen ist das unmöglich. Selbst das Einatmen tut weh, die Nase läuft, und der Wind treibt Tränen in die Augen. Deshalb unterstützt sie im Winter ihr Mann Klaus mit dem Auto. "Wir sind ein gutes Team", sagt die Maulacherin und packt bunte Werbebroschüren und freitags zusätzlich das Magazin Kompakt in ihren Korb. Einen Stapel HOHENLOHER TAGBLATT nimmt sie schwungvoll auf den linken Arm. Irgendwo dazwischen finden noch einige Briefe ihren Platz. An der rechten Hand trägt sie fingerlose Handschuhe. "Sonst kann ich die Zeitung nicht richtig anpacken", erklärt sie und reibt sich die roten, starren Fingerspitzen.
Dann geht es los. Der schwere Korb wird auf der Mauer abgestellt, Werbung und Kompakt werden in das HT gelegt, zusammengerollt und in den Briefkasten gesteckt. Das wiederholt sie ganze 62-mal. Ärgerlich ist es da, wenn die Briefkästen noch mit Werbung und Briefen vom Vortag verstopft sind. "Da muss ich dann quetschen", schimpft die Austrägerin und eilt weiter zum nächsten Haus und zum nächsten Briefkasten.
Gisela Sackreuter ist schnell. Und das muss sie auch sein. Bis spätestens um 6 Uhr sollte die Zeitung bei den Abonnenten ankommen. "Viele Roßfelder warten schon auf ihre Zeitung. Die holen sie sich dann ins warme Bett und lesen das HT, bevor sie zur Arbeit gehen", erzählt Gisela Sackreuter und denkt gar nicht daran eine Verschnaufpause einzulegen. Seit zwei Jahren macht sie diesen Job schon, der wohl nur für Frühaufsteher geeignet ist. Nachmittags arbeitet sie im Kaufland in Crailsheim. Eine Pause zwischen den zwei Jobs gibt es kaum. "Manchmal lege ich mich mittags eine halbe Stunde hin. Aber das kommt eher selten vor."
Die Route kennt Gisela Sackreuter im Schlaf. Muss sie auch. Denn viele Hauseingänge sind unbeleuchtet und versteckt. "Vorsicht!", mahnt sie und zeigt auf einen fast unsichtbaren Absatz. "Der wurde mir in der Dunkelheit schon mal zum Verhängnis." Ein schmerzendes, blutiges Knie war das Resultat. Die Zeitungen mussten trotzdem pünktlich im Briefkasten sein.
Weiter geht es. Der steile Schanzbuck wartet. Es ist kalt und dunkel. Angst vor der Finsternis hat sie aber nicht. "Ich hab immer eine Pfefferbüchs dabei", erklärt sie, Sorgen machen ihr eher die ungestreuten Wege. "Wenn ich hier morgens im Schanzbuck unterwegs bin, ist da oft noch nicht gestreut", klagt die Austrägerin. "Einmal war es so glatt, da bin ich den Berg einfach nicht hinaufgekommen." Sie zeigt auf etwa die Hälfte des Weges: "Hier hab ich meine Schuhe ausgezogen und bin auf Strümpfen den Berg hinauf." Auch im letzten Jahr, als die Crailsheimer Straßen unter einer dicken Schneedecke fast verschwanden, war das Austragen nicht einfach. "Wir sind hier regelrecht hinaufgekrabbelt", erinnert sie sich zurück. "Das war furchtbar!"
Kurz vor 6 Uhr rollt Gisela Sackreuter die übrigen Zeitungen zusammen und füttert damit noch drei Briefkästen entlang der Hauptstraße. Beim Bäcker in Roßfeld ist Endstation. Dort wird das letzte HT abgegeben, und Brötchen wandern in den leeren Korb. Dann geht es heim nach Maulach und damit zurück in die geheizte Stube. Und wie wärmt sich Giesela Sackreuter nach den eiskalten Stunden wieder auf? "Ich geh jetzt sofort unter die heiße Dusche", erklärt sie lachend. Anschließend genießt sie das Frühstück mit ihrem Mann und liest das HOHENLOHER TAGBLATT.
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Autor: DANIELA KNIPPER | 04.02.2012
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Dick verpackt trägt Gisela Sackreuter das HOHENLOHER TAGBLATT auch bei Wind und Glätte aus. Foto: Daniela Knipper
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