Gruselig geht anders

Crailsheim.  In Crailsheim ging dieser Tage ein "Schwarzer Abt" um. Wer sich bei der Aufführung tatsächlich gegruselt hat, mag dahingestellt bleiben. Nicht überall, wo Edgar Wallace draufsteht, ist offenkundig Spannung drin.

Skurril angelegt ist das Ganze immerhin: Die Zuschauer werden nach schrill-schräger Synthie-Musik auf einen englischen Adelssitz entführt. Hier solls zum einen spuken, zum anderen ein sagenhafter Schatz verborgen sein. Beides miteinander ist Ausgangspunkt für ein Geschehen, in dem die Protagonisten aus jederzeit leicht nachvollziehbaren Gründen einander entweder nachstellen oder sich gegenseitig ins Boot zu ziehen versuchen.

So ergeben sich Allianzen unterschiedlicher Arten. Zunächst einmal verbündet sich eine gewisse Mary Wenner, einstmals Sekretärin und angeblich fast schon Angetraute des sonderlichen Lord Chelford, mit dessen Anwalt Arthur Gine, um den sagenhaften Schatz zu finden. Der will außerdem seine Schwester Leslie mit dem fraglichen Lord verheiraten. Beides soll dazu beitragen, seine Unterschlagung aller möglicher Vermögen zu vertuschen.

Seinen Meister findet dieser Wirtschaftskriminelle klassischen Zuschnitts (Spielsucht als Motiv) in seinem Buchhalter Fabrian Gilder, der sich gleichzeitig als Buchmacher-Profiteur entpuppt und seinen Arbeitgeber auf fiese Weise in der Hand hat. Solchermaßen versucht er sich auch noch, die frisch-holde Leslie zu schnappen.

Die wird allerdings, was spätestens wenige Augenblicke nach deren ersten Zusammentreffen offenkundig ist, am glücklichen Ende der ganzen Angelegenheit dem Bruder des Lords, Richard "Dick" Alford in die Arme fallen. Der kernige Verwalter des Anwesens ist der offenkundige Gegenentwurf zu seinem grüblerischen Bruder, ein demonstrativ dargestellter Gutmensch noch dazu. Derweil wird sich herausstellen, dass der Hausherr regelrecht besessen ist vom Gedanken nach dem Lebenselixier - und verfolgt vom Geist seiner Mutter. Die Psychoanalyse lässt grüßen.

Wenn das ersehnte Fläschchen dem offenbar Geistesgestörten zum ziemlich grausamen Verderben wird und Leslie dem Tod nur knapp entkommt, vermag das zur Rettung einer insgesamt staubig-artig wirkenden Inszenierung nicht mehr viel beizutragen. Auch das Kellerambiente, in dem der Showdown stattfindet, hätte anstelle des braven Wohnzimmers schon früher zum Einsatz gebracht werden sollen.

Eine "geradezu geniale Bühnenkonstruktion", wie sie Rezensenten schon erblickt haben wollen, sieht wahrscheinlich doch anders aus. Aber vielleicht waren ja auch die Stücke verwechselt worden, denn "echte Gentlemen und ergebene Chauffeure" kamen im Schwarzen Abt ebenfalls nicht vor, bestenfalls noch die schönen schreienden Frauen. Dass diese ebenso wie ihre Kollegen recht ansprechend in Kleidern aus der Mitte des vorherigen Jahrhunderts gesteckt haben, soll nicht unterschlagen werden.

Ausdrücklich hervorgehoben seien Janis Zaurins als Darsteller des Buchhalter Fabrian Gilder und Michael Straubinger als Sergeant Puttler. Beide verkörperten die skurrilen Typen hinreißend: Zaurins den verdrucksten, zunehmend aufblühenden Pfennigfuchser von hoher krimineller Energie, Straubinger sein schlitzöhriges Pendant von Scotland Yard. An ihnen hatte das Publikum viel Freude, so wie es auch andere gelungene Aktionen freundlich quittierte.


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Autor: SONJA JASER | 10.03.2010

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