"Geblieben wegen der Liebe"

In Crailsheim fand der Ire Adrian Kelleher seine Berufung: Busfahrer. Seit fünf Jahren lenkt er nicht mehr den Ausschank im Irish Pub, sondern den Stadtbus in Crailsheim - Schüler inklusive.

ANIKA WIEST |

Um Viertel nach fünf beginnt Adrian Kellehers Arbeitstag in Gerabronn. Von dort aus fährt er mit seinem Bus nach Crailsheim. Viermal am Tag ist er auf der Stadtbuslinie unterwegs.

Jetzt in den Ferien sei es ruhiger, so ohne Schüler, sagt Kelleher. "Die ersten zwei bis drei Wochen freue ich mich über die Ruhe - dann wird es langweilig. Mit Schülern ist einfach mehr Leben im Bus und die Zeit vergeht schneller", sagt der Mann, dessen Traumberuf Busfahrer ist. "Besonders lustig sind die Erstklässler am Anfang des Schuljahres. Die ersten Wochen haben sie noch ein bisschen Angst. Die versuchen wir ihnen zu nehmen und begrüßen sie immer extra freundlich. Eines Tages kommen sie dann rein, sehen mich zum ersten Mal direkt an und sagen: ,Guten Morgen. Das ist schön", freut sich Kelleher.

Bevor der 38-Jährige zu seinem Beruf kam, hat er in Irland ein Diplom in Betriebswirtschaft gemacht. Dann folgte die Spezialisierung auf das Hotelfach. Danach ging es ins Ausland und Kelleher verschlug es nach Feuchtwangen ins 4-Sterne-Hotel Greifen-Post. Später eröffnete er den "Irish Pub" in Crailsheim - den er später aus gesundheitlichen Gründen abgab. Eigentlich wollte er immer zurück nach Irland. Doch dann traf Adrian Kelleher seine künftige Frau Ulrike - und blieb der Liebe wegen. Zunächst war sein Berufswunsch Fernfahrer. "Aber da ist man so oft lange und weit weg", erklärt er. So ist der Wahl-Altenmünsterer seit fünf Jahren Busfahrer bei der Firma Röhler. Wie gesagt, sein Traumberuf: Er verbindet seine Leidenschaft fürs Fahren mit dem Kontakt zu Menschen.

Verbunden mit Irland ist Adrian Kelleher trotzdem immer noch. Mindestens dreimal Urlaub pro Jahr dort müssen es schon sein. Seit zwei Jahren hat das Ehepaar Kelleher ein Häusle in Altenmünster. Neben allerlei Arbeit am Gebäude ist Adrian in seiner Freizeit ein "begeisterter, aber nicht sehr guter Golfspieler", fügt er bescheiden hinzu.

Aus seiner Schulzeit erzählt der sympathische Busfahrer, dass es in Irland keine Aufteilung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium gebe. Zudem war der kleine Adrian auf einer reinen Jungenschule, was dort etwas "normaler" ist als in Deutschland. Die Ursprungssprache Irisch wird in seinem Heimatland bis heute gelehrt. Besonders gut hat er einen Lehrer in Erinnerung, der mit 30 Jungs mehrere Stunden in die Hauptstadt Dublin in den Tierpark gefahren ist. "Der war wie einer von uns. Er hatte trotzdem aber immer alle und alles unter Kontrolle", sagt Kelleher nicht ohne Bewunderung. Wie er, wenn er seine Schüler "transportiert". Klar, er war natürlich immer ein braver Schüler.

Und heute? Da sind die Kleinen schon etwas "offener und lebendiger; 99 Prozent sind aber brav und toll", weiß er lobend zu berichten. Negative Erlebnisse mit seinen jungen Mitfahrern hatte er noch nie. Nur Drängeln, das machen die Kinder manchmal gerne. Dann lässt Adrian Kelleher erst mal die Tür zu - bis sie sich richtig anstellen. Dann erst wird geöffnet und der Bus füllt sich mit der Rasselbande. Ab Montag macht Adrian Kelleher die Schule wieder leichter erreichbar. Dann heißt es: "Bitte einsteigen!"

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