Felicitas Höptner von Käthe Wohlfahrt wird nie weihnachtsmüde

In Rothenburg/Tauber können Besucher das ganze Jahr über traditionelle Handwerkskunst im Weihnachtsdorf kaufen und im Museum etwas über die Geschichte des Weihnachtsfests lernen.

JOACHIM MAYERSHOFER |

Bei der Disney-Zeichentrickfilm-Version von „Alice im Wunderland“ feiern Hutmacher, Haselmaus und Märzhase ständig „Nicht-Geburtstag“. Dieses ungewöhnliche Fest steigt also an 364 Tagen im Jahr. Ob das verrückte Trio auch „Nicht-Weihnachten“ feiert, hat sein Schöpfer Lewis Carroll nicht überliefert. Aber wenn es so sein sollte, dann dürften die Drei nicht nach Rothenburg ob der Tauber reisen. Denn dort ist immer Weihnachten, seit Wilhelm Wohlfahrt 1977 den Christkindlmarkt, das erste ganzjährig geöffnete Weihnachtsfachgeschäft in Europa, eröffnet hat.

196.000 Lichter im Weihnachtsdorf

Das Aushängeschild der Käthe Wohlfahrt GmbH und Co. OHG ist allerdings das seit 1981 bestehende Weihnachtsdorf, in dem Kunden das ganze Jahr hindurch ihre Lieblingswaren kaufen und diese mit nach Hause nehmen können. Das Unternehmen selbst bezeichnet das aus fünf miteinander verbundenen Patrizierhäusern gestaltete Dorf als seine „Christbaumspitze“. Um einen fünf Meter hohen Weihnachtsbaum schlängelt sich ein Rundgang an den kleinen Fachwerkhäusern mit 63 Giebeln vorbei. 196.000 Lichtlein sorgen für Glanz in den Augen der Kundschaft. Mit integriert ins Haus an der Herrngasse ist seit 2000 das Deutsche Weihnachtsmuseum, das pro Jahr etwa 31.000 Besucher zählt, wie Felicitas Höptner, Managerin Werbung und PR bei der Käthe Wohlfahrt GmbH und Co. OHG sowie Leiterin des Museums, verrät.

Seit 13 Jahren ist die 44-Jährige, die in Bamberg ihr Magisterstudium der Volkskunde, Kunstgeschichte und Denkmalpflege abgeschlossen hat, in dem Familienbetrieb beschäftigt. Und immer noch nicht weihnachtsmüde? Überhaupt nicht, betont sie entschieden und führt einen Vergleich an: „Ein Koch isst ja auch immer gerne, obwohl er jeden Tag kocht.“ Man müsse sicherlich eine „grundsätzliche Liebe zu Weihnachten mitbringen“, sagt Felicitas Höptner, und könne nur dann etwas mit Freude verkaufen, wenn man es selbst in seinem Herzen trage. Oder links am Kragen ihrer Jacke, wo bei der 44-Jährigen ein Anstecker eines geschmückten Weihnachtsbaums und der Wohlfahrt-eigene Nussknacker Christian II. sichtbar ist.

Dass sie Weihnachten mit jeder Faser lebt, merkt man auch beim gemeinsamen Rundgang durchs Weihnachtsdorf und durchs Museum, bei dem ihr Enthusiasmus und ihr Wissen rund ums Weihnachtsfest nur so aus ihr heraussprudeln: Ein musizierender Wendt-und-Kühn-Engel ist an den charakteristischen grünen Flügeln und den elf weißen Punkten darauf zu erkennen. Von 1803 bis 1825 galt in Bayern ein Krippenverbot. Baumschmuck aus Dresdner Pappe kann bei Sammlern fünfstellige Beträge erlösen. Auf alle Fragen hat Felicitas Höptner eine Antwort parat und liefert darüber hinaus noch viele weitere interessante Fakten über das Unternehmen.

Saisonal 1000 Arbeitskräfte beschäftigt

So ist im Laden immer mindestens eine japanisch sprechende Mitarbeiterin zugegen, um den Touristen aus dem Land des Lächelns Rede und Antwort zu stehen. Alle Fachverkäuferinnen, die an ihrer Kleidung im Landhausstil leicht zu erkennen sind, müssen mindestens eine Fremdsprache beherrschen. Englisch sprechen alle, darüber hinaus können französisch-, spanisch-, italienisch-, portugiesisch-, russisch-, polnisch- und tschechischsprechende Besucher ebenfalls bestens in ihrer Muttersprache betreut werden, erklärt die PR-Managerin von Käthe Wohlfahrt. So könne zum Beispiel jedem Kunden detailliert und verständlich erklärt werden, wie die gerade erstandene Weihnachtspyramide zu Hause wieder zusammenzusetzen sei und auf was man achten müsse. 270 Mitarbeiter sind bei der GmbH und Co. OHG in Vollzeit beschäftigt, saisonal sogar rund 1000 Arbeitskräfte.

Denn eingekauft wird das ganze Jahr über, wobei es Unterschiede gibt, wie Felicitas Höptner weiß: Nationenübergreifend seien die Räuchermännchen die Verkaufsschlager. Aber während der deutsche Kunde nur vor Weihnachten Weihnachtsartikel kaufe, und das im Schnitt für etwa 20 Euro, sitze bei der internationalen und urlaubenden Kundschaft der Geldbeutel von Januar bis Dezember lockerer. „Bei uns schließt sich der Kreis, wenn Touristen nach Rothenburg kommen.“ Nach einer Stadtführung und einem Mittagessen kämen etwa zwei Drittel der Besucher noch ins Weihnachtsdorf, weil „Weihnachten im Sommer“ einen Großteil doch „neugierig“ mache, wie Höptner sagt. Wenn man an Weihnachten im australischen Outback der Verwandtschaft eine originale und hochwertige Spitzen-Tischdecke aus Deutschland präsentieren kann, hat das eben seinen Reiz.
 

Alles hat seinen Preis

Ob Touristen, junge Eltern, die gerade eine Familie gründen und eine eigene Weihnachts- und Christbaumtradition aufbauen wollen, oder Erwachsene, die ihren Weihnachtsschmuck ergänzen wollen – den typischen Kunden gebe es nicht, erklärt Felicitas Höptner. Sie ergänzt aber, dass sich Käthe Wohlfahrt bewusst von günstigeren Anbietern von Weihnachtsdeko – zum Beispiel Baumärkten – abgrenze und in Kauf nehme, teurer zu sein. Qualität, Exlusivität, Handwerkskunst – all das habe seinen Preis, und den würden die Kunden auch gerne bezahlen, weil sie sich dessen bewusst seien. Ebenfalls sehr wichtig sei der Firma der Schwerpunkt „Made in Germany“, wie Felicitas Höptner betont: 80 Prozent der Produkte kämen aus dem Inland, vorzugsweise aus dem Erzgebirge. Und kein deutscher Artikel sei Massenware. Entwickelt werden neue Produkte in der hauseigenen Werkstatt in Rothenburg, die Umsetzung erfolge dann bei traditionellen Handwerksbetrieben. Man springe beabsichtigt nicht auf jeden Trend auf, so Höptner. Der Entwicklungsprozess könne sich manchmal über zwei bis drei Jahre erstrecken.

Die Inventur und das Umdekorieren dauern hingegen nur drei Tage. Dann ist das Weihnachtsdorf im Januar immer geschlossen. Und es ist doch einmal „Nicht-Weihnachten“ in Rothenburg. . .

Die Erfolgsgeschichte von Käthe Wohlfahrt
 


Öffnungszeiten

Weihnachtsdorf: Montag bis Freitag 9 bis 19 Uhr; Samstag 9 bis 19 Uhr; Sonntag 10 bis 17 Uhr; Heiligabend 10 bis 14 Uhr; 1. und 2. Weihnachtsfeiertag und 29. Dezember nur Museumsshop 10 bis 17 Uhr; 27., 28. und 30. Dezember 10 bis 18 Uhr; Silvester 9 bis 14 Uhr; 2. bis 4. Januar 10 bis 17 Uhr

Weihnachtsmuseum: bis 23. Dezember 10 bis 17.30 Uhr; Heiligabend 10 bis 14 Uhr; 25. bis 30. Dezember 10 bis 17 Uhr, Silvester 10 bis 14 Uhr; 1. bis 6. Januar 10 bis 17 Uhr; 7. bis 11. Januar geschlossen; 12. Januar bis 30. März nur samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr

Aktuelle Öffnungszeiten auch unter Telefon 0 98 61 / 40 90

www.wohlfahrt.de

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