"Evolution statt Revolution"

Crailsheim.  Mit nur acht Kandidaten treten "Die Violetten" in Baden-Württemberg zur Landtagswahl an - einer davon ist Andrej Peters (26) aus Crailsheim, der im Wahlkreis 22 für eine "spirituelle Politik" wirbt.

In der recht flüchtigen Rubrik "Kleinparteien" halten sich "Die Violetten" schon lange: Im Januar 2001 gegründet, stehen bundesweit mittlerweile 3000 Männer und Frauen hinter einem Weltbild, das die Partei selbst so beschreibt: "Die Violetten sehen sich als Vertreter und Sprachrohr einer wachsenden Zahl von spirituellen Menschen an. Von all jenen, die sich der geistigen Dimension unserer Welt bewusst sind und die ihre ganzheitliche und nicht nur rein materialistische Weltanschauung auch in der Politik vertreten sehen möchten. Spirituell heißt für uns, in erster Linie dem Wohl allen Seins verpflichtet zu sein."

Mit Religion, irgendwelchen Sekten oder Glaubensgemeinschaften haben die "Violetten" nach eigener Darstellung allerdings nichts am Hut: Ob Yoga-Fan, Schamanen-Trommler oder nachdenklicher Buchhalter - alle Überzeugungen und Weltbilder sind in dieser Partei willkommen, sofern sie im Einklang mit dem spirituellen Seelenheil der Menschen und dem Schutz ihres Planeten stehen.

Auch Andrej Peters, der als Busfahrer auf der Expresslinie Nürnberg-Prag pendelt, hat schon vor Jahren erkannt, dass "der tiefere Sinn des Lebens nicht im Konsum und in materiellen Dinge liegt, sondern in der inneren Erfüllung - auch wenn uns zum Beispiel in der Werbung dauernd das Gegenteil suggeriert wird."

Diese Überzeugung führte ihn im August 2009 zu den "Violetten" - die Farbe steht in vielen Kulturen für "Würde" und "Erkenntnis". Allerdings hat sich Letztere bislang noch nicht massenhaft in Wählerstimmen niedergeschlagen: Bei der Bundestagswahl 2009 zum Beispiel verbuchte die Partei lediglich 0,1 Prozent auf der Haben-Seite. Andrej Peters lässt sich durch derlei Stimmen-Tiefs nicht frustieren: "Das ist für mich eher motivierend, unsere Ideen noch besser vorzustellen".

Ein wesentlicher Weg zu einem erfüllten Leben führt bei den "Violetten" über ein "bedingungsloses Grundeinkommen", wie es auch schon Götz Werner, Gründer der Drogeriekette "dm", vorgeschlagen und als durchaus machbar berechnet hat. Ein solches "Grundeinkommen" würde sämtliche staatliche Leistungen ablösen.

Auch wenn die Höhe einer solchen Unterstützung noch unklar ist (Modelle schwanken zwischen 500 und 2500 Euro): "Wenn die Existenz grundsätzlich gesichert ist, dann haben die Menschen die Freiheit, sich mit dem zu beschäftigen, was sie tatsächlich lieben" - so Andrej Peters, der gerne auch Schauspieler geworden wäre, aus finanziellen Gründen bislang aber auf seinen Traumberuf verzichten muss.

Und warum haben sich nun die allesamt idealtypischen Ideen der "Violetten" noch nicht auf breiter Front durchgesetzt? "Menschen mit einem betonierten Weltbild können sich oft nicht vorstellen, dass es auch anders gehen kann", so der Kandidat aus Crailsheim. "Die Violetten" jedenfalls streben keine "Revolution, sondern eine Evolution" der ökonomischen und politischen Verhältnisse an.

Andrej Peters weiß sich dabei in bester Gesellschaft mit Mahatma Gandhi, der seinen Kampf um eine bessere Welt einst so beschrieben hat: "Zuerst ignorieren sie Dich, dann lachen sie über Dich, dann bekämpfen sie Dich - und dann gewinnst Du."

Serie Am 27. März 2011 wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Die Landtagskandidaten der Wahlkreise 22 (Schwäbisch Hall) und 21 (Hohenlohe) stellen wir in einer Serie vor. Morgen geht es weiter mit Wilfried Kraft (Grüne).


Kommentare (1)

17.02.2011 20:19 Uhr |   Berglicht

Interessant

Eine Partei, die einen Ansatz verfolgt, die wirklich, lebenswerten Aspekte für einen selbst und für andere Mitgeschöpfe zu verfolgen ist es auf jeden Fall wert, genauer angeschaut zu werden.
Bekanntlich sind ja die wesentlichen Wünsche im Leben der meisten Menschen nicht mit Geld zu bezahlen, allenfalls mit mehr Zeit lassen sie sich erfüllen.
Man muss sich wirklich fragen, wem Politik zu dienen hat. Ist sie allein der Wirtschaft und dem Großkapital verpflichtet? Was sich beispielsweise auch im komprimierten 8jährigen Gymnasium auch schon zeigt. Ist andererseits der Crash von Dollar und Euro überhaupt noch aufzuhalten?
Oder sollte Politik nicht das soziale Zusammenleben im Sinne aller Menschen so regeln, dass nicht die Armen immer Ärmer und die Reichen immer reicher werden? Deutlich mehr Basisdemokratie und mehr Mitbestimmung, als alle vier Jahre ein Kreuz zu machen, würden diesem Land sehr gut stehen.
Violett werde ich mir als Farbe in der Politik gut merken.

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Autor: HARALD ZIGAN | 17.02.2011

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