Erfüllt von gewisser Eleganz

Wolfgang Amadeus Mozart schrieb selbst über das Es-Dur-Quintett KV 452 für Klavier und vier Bläser: "Ich habe zwei große Concerten geschrieben und dann ein Quintett, welches außerordentlichen Beyfall erhalten; ich selbst halte es für das beste was ich noch in meinem Leben geschrieben habe."Die Verzahnung der Instrumente bei der Melodieführung, das wunderbar gesangliche Moment und das Atmen, als ob hier ein Instrument spräche, sei das Besondere des Werkes, betonte Sebastian Lambertz. Der Klarinettist moderierte am Sonntagabend das Rittersaalkonzert in Kirchberg.

Er und drei weitere Mitspieler des Weimarer Bläserquintetts und natürlich Pianistin Sonia Achkar verstanden es, Mozarts Intentionen größtenteils mit einer gewissen Eleganz auszugestalten. Sonia Achkar gelang dabei ein federnder Anschlag, der Staccati wie Legato-Bögen zu perlenden und kantablen Erlebnissen werden ließ - gleich, ob in den mit viel Esprit gespielten Ecksätzen oder im liedhaften "Larghetto".

Die vier Bläser - neben Lambertz Oboistin Frederike Timmermann, Hornist Stephan Schottstädt und Fagottist Jacob Karwath - standen Sonia Achkar hierin nicht nach. Sie atmeten die Melodiebögen wunderbar, ließen sie gut abgestimmt von Instrument zu Instrument wandern und zeigten Sinn für klangliche Schattierungen. Einziges Manko des Bläserensembles blieben der Umgang mit der Dynamik und die Abstimmung zum Klavier. Mozarts Musik hätte durchaus feinsinniger interpretiert werden können.

Diese Forderung müsste man bei Francis Poulencs Sextett nicht zwingend erheben. Geschadet hätte es aber auch nicht. Der Eingangssatz geriet den Bläsern bisweilen so kraftvoll und zupackend, dass sich darob der hoch virtuose Klavierpart beinahe als kaum zu hörende Mühe erwies. Sonia Achkar meisterte ihn dennoch mit Leidenschaft. Die Musiker kontrastierten vor allem den ruhig gehaltenen Mittelteil dieses Satzes. Weich und harmonisch, aber doch herb, wirkte dieser wie ein kurzer Traum. Ähnlich verhielt es sich mit dem Finale: Sehr scharf gesetzte Akzente und sehnsüchtige Vorhaltsnoten mündeten in einem plötzlichen Einhalten in langen Harmonien und Melodiebögen.

Jacques Iberts "Drei kurze Stücke" für Bläserquintett boten einen ähnlichen Rahmen wie Poulenc und Mozart: Verspielte, kecke und tänzelnde Ecksätze, denen die Musiker entsprachen, und ein ruhiger Mittelteil. Sebastian Lambertz duettierte hier mit Flötist Tomo Andreas Jäckle in ausdrucksvollem Fluss, der, so Lambertz, an eine zweistimmige Invention Johann Sebastian Bachs erinnerte.

Das Weimarer Bläserquintett stellte diesen drei Stücken Iberts Franz Danzis B-Dur-Quintett op. 56 Nr. 1 gegenüber. Dabei mussten Horn und Fagott nicht als Begleitung zurückstehen, denn in der Komposition sind alle Instrumente gleichberechtigt. Nach einem scherzoartig tänzelnden Menuett endete das Werk in Gigue-Rhythmik, angereichert durch wunderbar herausfahrend gespielte, beflügelte Figurationen. Nicht nur dafür gab es am Ende des Konzerts viel Beifall.


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Autor: RALF SNURAWA | 22.02.2012

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