Ein Mittel gegen Komasaufen?

Crailsheim.  "In Verkaufsstellen dürfen alkoholische Getränke in der Zeit von 22 bis 5 Uhr nicht verkauft werden" - so hat es der Landtag als Gesetz beschlossen. Doch können dadurch Alkoholexzesse verhindert werden?

Seit dem 1. März gilt das "Alkoholverkaufsverbotsgesetz" in Baden-Württemberg. Betroffen sind vor allem Tankstellen, die nach 22 Uhr geöffnet haben. Ziel soll sein, den übermäßigen Alkoholkonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen einzudämmen. Ist das tatsächlich realisierbar?

"Für realisierbar halte ich es auf alle Fälle", meint der CDU-Landtagsabgeordnete Helmut W. Rüeck. Es würde dazu beitragen, "das Vor- und Nachglühen zu vermindern." Zumindest würde die neue Regelung die Alkoholbeschaffung erschweren. "Es ist ein erster Ansatz und je nach Erfolg werden weitere Maßnahmen folgen", fügt er hinzu.

Weniger optimistisch äußert sich Brigitte Lösch, suchtpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag: "Das Ziel an sich ist richtig, die Umsetzung aber falsch. Das Einzige, was dagegen hilft, ist die Einhaltung und Überprüfung der schon bestehenden Jugendschutzgesetze." Außerdem sieht sie Lücken im Gesetz, da Tankstellen mit Schankerlaubnis vom Verkaufsverbot ausgenommen seien.

Der FDP-Landtagsabgeordnete Friedrich Bullinger erklärt dagegen: "Mit dem Aufstellen von ein paar Stehtischen und dem Verkauf von Snacks ist es mit der Gaststättenkonzession für Tankstellen nicht getan." Trotzdem sei die FDP eine der Parteien, die am wenigsten von der Wirksamkeit des neuen Gesetzes überzeugt sei.

Die Tankstellenbesitzer rechnen künftig mit enormen Einbußen. Denn über die Hälfte der Einnahmen fließen den Tankstellen über den Shopverkauf zu. So ist es auch bei Aral-Tankstellenpächter Alexander Merz in Crailsheim. "Vor allem im Sommer decken sich viele junge Leute vor dem Disko-Besuch in der Tankstelle mit Alkohol ein", sagt der 36-Jährige. Er habe alle Mitarbeiter auf das Verkaufsverbot hingewiesen - auch hier müssen also alkoholische Getränke von 22 bis 5 Uhr in den Regalen stehen bleiben.

"Die Jugend ist doch nicht dumm, dann kaufen sie eben früher ein", sagt Helmut Heptner (76) aus Crailsheim. Damit teilt Heptner die Meinung vieler befragter Bürger. Brigitte Röck, Tankstellenmitarbeiterin aus Crailsheim, hält es für sinnvoller, Angebote wie die "Happy Hour" in Discos abzuschaffen, um gegen das Komasaufen vorzugehen.

"Ganz ehrlich: Besser wird dadurch nichts", so Janina Broll (19). Zwar kenne sie ein paar Leute, die abends noch schnell an der "Tanke" vorbeifahren, aber in Zukunft werden sie ihre Einkäufe vor 22 Uhr tätigen. "Weniger wird dadurch nicht konsumiert", so Broll. Hannes Masurczak (22) ist sogar der Meinung, dass das Gesetz nach hinten losgehen könnte: " Man kauft sich im Voraus nur noch mehr, um sich einzudecken." Das größte Problem sei die Tatsache, dass Minderjährige durch ältere Freunde an Hochprozentiges kommen. Doch die Lösung hierfür muss wohl in den Köpfen der Jugendlichen beginnen.


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Autor: JULE SCHARR UND LINDA GALUMBO | 13.03.2010

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