"Die da würde mir gefallen"
Crailsheim. Während des Kriegs war Erich Feigl in Crailsheim stationiert und verliebte sich. Bevor er seine Hildegard heiraten konnte, war er in amerikanische Gefangenschaft geraten. Heute dauert ihre Ehe 65 Jahre.
In der Crailsheimer Jahnhalle hat Erich Feigl sie zum ersten Mal gesehen, die schwarzhaarige Hildegard Pflanz, damals 17 Jahre alt. Als Soldat hätte er eigentlich nur bis 22 Uhr Ausgang gehabt. Er war aber so schlau, sich im Sportverein anzumelden, sodass er länger wegbleiben durfte. Und so führte ihn sein Weg an diesem Tag in die Jahnhalle, in der er Hildegard Pflanz bei der Gymnastik bewunderte. "Die da auf der Bühne würde mir gefallen", sagte Erich Feigl zu einem Bekannten, der ihn prompt mit ihr bekannt machte. "Da kamen wir uns dann näher", erinnert sich der heute 90-Jährige.
Schon zwei Jahre später, 1942, ging Erich Feigl zu den Fallschirmjägern; ein Jahr später wurde er bei einem Einsatz in Tunesien verwundet und geriet in englische Kriegsgefangenschaft. Die Engländer übergaben ihn schließlich den Amerikanern, die ihn über Casablanca in die USA ausflogen. Insgesamt drei Jahre verbrachte er dort, lebte in Lagern in Arkansas, Oklahoma und Texas. Erich Feigl denkt trotz allem gern an diese Zeit zurück: "Der Krieg war für mich aus, und Amerika war ein Schlaraffenland für uns." Währenddessen riss der Kontakt zu Hildegard Pflanz nie ab, die beiden Verliebten schrieben sich immer wieder, wenn die Umstände auch schwierig waren.
Die Crailsheimerin hatte auch den Kontakt zu Erich Feigls Eltern aufrechterhalten. Diese waren nach dem Krieg als Sudetendeutsche aus ihrem Heimatdorf in der Nähe von Karlsbad vertrieben worden und lebten inzwischen im unterfränkischen Kitzingen. Wäre Hildegard Pflanz nicht gewesen, hätte Feigl seine Eltern vermutlich nicht so schnell wiedergefunden, nachdem er aus der Gefangenschaft entlassen worden war. Der damals 23-Jährige lebte eine kurze Zeit in Frankfurt, zog dann aber zu seiner Hilde - wie er sie auch heute noch nennt - nach Crailsheim, wo sie sich im Herbst 1946 verlobten.
Am 8. Februar 1947 wurde in der Brauerei Engel mit rund 20 Gästen Hochzeit gefeiert. Das Essen hatte das Paar mit Lebensmittelmarken besorgt. "Es war schwierig, ein großes Fest auf die Beine zu stellen, es sei denn, man hatte Beziehungen", erzählt Erich Feigl, und seine Frau ergänzt: "Wir hatten Vorteile, weil ich Crailsheimerin war." Neun Monate später wurde dann auch schon der erste Sohn geboren. Es folgten noch ein zweiter Sohn und drei Enkel.
Heute geben sich die Feigls zu ihrem Jubiläum in der Friedenskirche in Altenmünster erneut das Eheversprechen und treffen sich anschließend mit Familie und Freunden in Oberspeltach zum Essen. Dort haben sie vor rund vier Wochen am 11. Januar auch schon Erich Feigls 90. Geburtstag gefeiert.
Das HOHENLOHER TAGBLATT wünscht den Jubilaren eine schöne Feier und alles Gute für die Zukunft.
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Autor: KERSTIN SCHELLHORN | 08.02.2012
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Haben sich im Krieg kennengelernt und sind ein Leben lang durch dick und dünn gegangen: Erich Feigl und seine Frau Hildegard. Foto: Kerstin Schellhorn
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