Die Leiden des Familienvaters Ingolf Lück

Der Mensch braucht Sauerstoff zum Leben. Ingolf Lück kommt fast ohne aus. In atemberaubendem Tempo knallt er seinem Publikum Wörter, Sätze, Schreie um die Ohren, verhaspelt sich, fängt sich wieder - und dann atmet er auch mal. Aber nur ganz kurz und oberflächlich. Denn Ingolf Lück hat an diesem Dienstagabend im Haller Globe Theater viel zu erzählen.

Sein gut zweistündiges Programm dreht sich um die Leiden eines Familienvaters. Als solcher hat er nämlich keine Zeit mehr für jedwede Hobbys, um Freunde zu treffen oder einfach mal nichts zu tun. Selbst sein Auftritt in Hall sei gefährdet gewesen - eigentlich hat Lück zu Hause "Kinderdienst".

Seinen Nachwuchs - Tochter und Sohn, sechs und vier Jahre alt - nennt er "Vollzeit-Terroristen". In jüngeren Jahren sei ihnen nur mit dem "Westfälischen Frieden" beizukommen gewesen: Ein wenig Korn in die Abendmilch, und schon hat man Ruhe. Gut, heutzutage nehme man Baileys, der sei schwerer nachweisbar.

Überhaupt, der Alkohol: Lück, als kinderloser Haudrauf bekennender Komasäufer, trauert den exzessiven Abenden mit seinen Kumpels ("Manni und seine Mannen") nach. Das ist nun vorbei. Stattdessen quält er sich durch Kindergarten-Elternabende, wo die Erwachsenen auf viel zu kleinen Stühlen sitzen und Name, Alter, Beruf preisgeben müssen, wenn sie einen Wollknäuel zugeworfen bekommen.

So geißelt der TV-Comedian und Kabarettist sein Familienleben, um am Ende zu der Erkenntnis zu kommen: Meine RocknRoll-Zeit ist vorbei, aber laute Kinder, das ist ja auch irgendwie RocknRoll. Eine inhaltliche Offenbarung ist das beileibe nicht. In Erinnerung bleiben dagegen Lücks einzigartige Stimme, die er fast schon wie ein Instrument einzusetzen vermag, seine unglaublich vielseitige Mimik, gestählt durch Jahrzehnte vor der Kamera und auf der Bühne, sowie sein Improvisationstalent: Als er von Zuschauer Siegfried auf Nachfrage erfährt, dass dieser mit Holz handle, lässt er seinen Blick durchs hölzerne Rund auf dem Unterwöhrd schweifen und meint anerkennend: "Nicht schlecht! Aber warum hast du das Dach vergessen?"


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Autor: JOCHEN HÖNESS | 28.07.2011

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