Die KSV kommt nicht zur Ruhe
Crailsheim. Schon vor Wochen hat die Klärschlammverwertungsanlage in Waldeck ihren Betrieb fast völlig eingestellt. Umso turbulenter geht es im Umfeld des Unternehmens zu. Der Geschäftsführer ist auf dem Absprung.
Das kriselnde Unternehmen im Industriegebiet zwischen Crailsheim und Dinkelsbühl konnte im Sommer nur gerettet werden, indem die Gesellschafterinnen (25 Kommunen im württembergisch-bayrischen Grenzraum) ihre Bürgschaften in Kredite umwandelten. Da im Fall Crailsheim die Stadtwerke Gesellschafterin sind, war eigentlich klar, dass die Millionenlast nicht von der Stadt, sondern von ihrer 100-Prozent-Tochter Stadtwerke zu tragen ist. Also haben die Stadtwerke den städtisch verbürgten Anteil auch abgelöst.
Doch an der Korrektheit dieses Verfahrens scheint es inzwischen Zweifel zu geben, denn im Entwurf des städtischen Haushaltsplanes für 2012 steht unter der Überschrift "Schulden" folgender Satz: "Je nach - noch ausstehender - Einschätzung des Finanzamtes kann die Übernahme dieser Schulden in Höhe von 7,2 Millionen direkt durch die Stadt notwendig werden." Müsste die Stadt die 7-Millionen-Last übernehmen, bekäme sie ein Riesenproblem. Schon jetzt liegen die für nächstes Jahr beabsichtigten Kreditaufnahmen bei 3,4 Millionen Euro, was eine Netto-Neuverschuldung in Höhe von einer Million Euro bedeutet.
Doch die Finanzen sind nur eines von mehreren Problemen der Klärschlammverwertungsanlage. Nach HT-Recherchen wollte KSV-Aufsichtsratsvorsitzender Rudolf Michl sein Amt niederlegen. Auf eine diesbezügliche Anfrage des CDU-Stadtrates Helmut Hassel gab der Crailsheimer Oberbürgermeister unlängst zwar nur eine ausweichende Antwort. Dass Michl tatsächlich hinschmeißen wollte, wird aber von mehreren Personen aus dem KSV-Umfeld bestätigt.
Apropos Personal: Michl bleibt (vorläufig), der KSV-Geschäftsführer Uwe Kälberer, erst seit rund einem Jahr im Amt, geht zum Jahresende. Der Diplomingenieur war im Herbst des vergangenen Jahres als erfahrener Sanierer vorgestellt worden, der die Aufgabe hat, die Anlage zum Laufen zu bringen. Doch derzeit tut sich so gut wie nichts in Waldeck. Der Pyrobuster, das Herzstück der Klärschlammpyrolyse, funktioniert noch immer nicht und vor Wochen ist auch noch die Turbine ausgefallen, sodass die Anlage nun auch keinen Strom mehr produziert. Frühestens Mitte November ist die Turbine, die derzeit repariert wird, wieder einsatzbereit.
Längst ist aus der KSV eine PEA, eine Problemerzeugungsanlage, geworden. In Dinkelsbühl (die Stadt ist nach den Crailsheimer Stadtwerken zweitgrößte KSV-Gesellschafterin) verdichten sich die Hinweise, dass die Geschäftsführung der KSV, die bis zur Einstellung von Uwe Kälberer bei den Crailsheimer Stadtwerken lag, also so problematisch eingestuft wird, dass man an einer juristischen Prüfung wohl kaum vorbeikommen wird.
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Autor: ANDREAS HARTHAN | 29.10.2011
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Beim Spatenstich zum Bau der Klärschlammverwertungsanlage waren noch alle Bürgermeister der Gemeinden, die Gesellschafterinnen sind, dabei. Ob die KSV heute noch einmal 25 Gesellschafterinnen finden würde, darf angesichts der Dauerkrise des Unternehmens bezweifelt werden. Archivfoto: Philipp Wankmüller
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