Die Gemeinden sollen zahlen

Crailsheim.  Das werden alles andere als fröhliche Weihnachten für die 27 Gesellschafter der Klärschlammverwertungsanlage (KSV) in Waldeck, denn sie sollen in die Rolle der geldgebenden Banken schlüpfen.

Im Prinzip ist es ganz einfach: Entweder übernehmen die 26 Gemeinden und die Stadtwerke Crailsheim die Rolle der Banken und erhöhen die Eigenkapitalquote der Klärschlammverwertungsanlage (KSV) in Waldeck drastisch, oder die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die den Bau der 37 Millionen Euro teuren Anlage hauptsächlich finanziert hat, zieht die Bürgschaften, die die Gesellschafter, also die 26 Kommunen und die Crailsheimer Stadtwerke, gewährt haben.

Noch kürzer auf den Punkt gebracht: Entweder müssen die Bürgschaften sofort bedient werden, oder die Gesellschafter versorgen das klamme Unternehmen mit neuem Geld und können hoffen, dass es irgendwann einmal in ihre Kassen zurückfließt.

Entschieden werden muss schnell, machten gestern Crailsheims Oberbürgermeister Rudolf Michl in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der KSV und der Stadtwerke, und Uwe Macharzenski, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke, in einem Pressegespräch klar. Bis Weihnachten müssen die Gesellschafter wissen, wie es weitergeht mit der einst als Pilotprojekt von europaweiter Bedeutung gefeierten Anlage. Der KSV geht nämlich bis zum Jahresende das Geld aus. Satte 2,8 Millionen Euro jährlich muss sie wegen ihrer extremen Fremdfinanzierung für Zins und Tilgung bezahlen, doch die Anlage erwirtschaftet heuer wohl nicht mehr als 400 000 Euro. Die Finanzierungskosten können als bei weitem nicht aus dem Erlös erwirtschaftet werden.

Also ist jetzt vorgesehen, dass die Gesellschafter die Rolle der Banken übernehmen und 27 Millionen Euro Kredite, die durch Bürgschaften und Patronatserklärungen gesichert sind, durch Eigenkapital ersetzen. Dieses Geld können sich die Gesellschafter, also die Gemeinden, durch zinsgünstige Kommunaldarlehen besorgen, hofft Michl. Ein Sonderfall ist Crailsheim: Hier ist nicht die Stadt Gesellschafterin, sondern sind es die Stadtwerke. Die halten einen Anteil von 26 Prozent an der KSV und müssten, kommt es zu der geplanten Lösung des Finanzproblems, rund zehn Millionen Euro für die KSV-Rettung aufbringen. Während es in Schrozberg, Stimpfach oder Dinkelsbühl die Kommunen sind, die den Geldbeutel aufmachen machen, ist es im Fall Crailsheim das städtische Versorgungsunternehmen Stadtwerke.

Wer auch immer zahlt, muss es schnell tun. Am kommenden Freitag treffen sich die KSV-Gesellschafter bereits wieder und dann muss entschieden werden. Die Helaba hat der Entschuldung durch die Gesellschafter bereits zugestimmt. Es ist aber auch klar, dass die Bank im Januar 2011, wenn die KSV ihren Rückzahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, die Bürgen in die Pflicht nimmt.

Es besteht also nicht die Gefahr, dass die KSV in die Insolvenz muss, hoben Michl und Macharzenski gestern hervor, es gehe lediglich um die Notwendigkeit einer finanziellen "Neustrukturierung". Oberbürger Michl, der erst nach der Einweihung Verantwortung für die Anlage übernehmen musste, räumte ein, dass aus heutiger Sicht eine Eigenkapitalquote von gerade mal fünf Prozent "deutlich zu niedrig ist", ließ aber keinen Zweifel daran, dass der Betrieb der Anlage "wirtschaftlich sinnvoll" ist.

Trotz eines "extrem schwierigen" Betriebsjahres verdiene man 2010 etwa 400 000 Euro. Heuer stand das Biomassekraftwerk an 61 Tagen still (das HT berichtete) und ist die Klärschlamm-Pyrolyse komplett ausgefallen. Das heißt, dass der von den KSV-Gesellschaftern angelieferte Klärschlamm nur getrocknet und dann in Zementwerken verbrannt wird, wie Uwe Kälberer (50), der neue KSV-Geschäftsführer berichtete. Er ist ein ausgewiesener Fachmann, der sich als Sanierer einen Namen gemacht hat. Er soll nun dafür sorgen, dass die Anlage nicht so oft ausfällt. Wobei schon jetzt klar ist, dass es noch Wochen oder Monate dauern kann, bis die Klärschlamm-Pyrolyse, das eigentlich Herzstück des Betriebs, funktioniert.

Und so zahlen die 27 KSV-Gesellschafter dieseits und jenseits der württembergisch-bayrischen Landesgrenze teure 104 Euro pro Tonne Klärschlamm. Für den muss die KSV dann Zementwerken auch noch Geld bezahlen, damit die ihn überhaupt verbrennen. Die KSV-Gemeinden berappen also 40 bis 60 Euro mehr pro Tonne als Kommunen, die einen anderen Entsorgungs- oder Verwertungsweg eingeschlagen haben. Für die Stadt Crailsheim bedeutet dies bei der Abwassergebühr einen Aufschlag von zwölf Cent pro Kubikmeter.


Kommentare (14)

01.12.2010 13:58 Uhr |   womo

Falscher Standort

Sanierer Kälberers erste Amtshandlung bestand in der Feststellung, die KSV-Macher hätten sich 2005 mit Waldeck für den "falschen Standort" entschieden (siehe "Fränkische Landeszeitung" v. 29.11.2010)

Damit könnte der vermutlich sechsstellig entlohnte "ausgewiesene Fachmann" (HT) eigentlich gleich wieder seine Sachen packen: Auftrag erledigt!

Denn mit der auch vom besten Sanierer der Welt nicht mehr zu ändernden richtigen oder falschen Standortentscheidung fällt auch die Entscheidung über Erfolg oder Mißerfolg eines Unternehmens.

Die Pleite der KSV war somit mit der Entscheidung für Waldeck vorprogrammiert. Alles was jetzt noch reingebuttert wird, ist eindeutig rausgeschmissenes Geld.

Weitere Einzelheiten siehe hier: http://fichtenauerforum.blogspot.com/2010/12/heie-luft-oder-rette-sich-wer-kann.html
30.11.2010 19:11 Uhr |   bombusterrestris

Dr. Hammer - das Unschuldslamm?

Während der Dinkelsbühler Rathauschef bisher keine Gelegenheit ausließ, sich als Macher der KSV zu verkaufen, sind jetzt plötzlich die Crailsheimer an der Misere schuld. Von Problemen will der zeitweilige Aufsichtsratsvorsitzende Hammer natürlich nie gehört haben. Auf der Dinkelsbühl-Seite steht, dass Hammer eine Gemeinderätin bereits 2008 mit den Worten niederbügelte: “Bevor Sie mit Spekulationen an die Öffentlichkeit treten und dort für Verunsicherung sorgen, machen Sie sich bitte in der Verwaltung schlau.". Vielleicht hätte sich Hammer „schlau“ machen sollen. Es ist ein ziemlich schäbiges Verhalten, wenn jetzt die Crailsheimer die Sündenböcke sein sollen und Hammer so tut, als sei er von den Entwicklungen total überrascht worden. Im DKB-Gästebuch findet sich Satz „Wann zieht Dr. Hammer endlich die Konsequenzen? Statt einer fundierten und nachhaltigen Politik steht Hammer für billige Showeffekte, die sich nun rächen. Ein Rücktritt wäre jetzt angemessen!“. Wohl wahr zwinkern
01.12.2010 13:58 Uhr |   bombusterrestris

Was Dr. Hammer nicht passt, wird zensiert ...

Und jetzt hat Dr. Christoph Hammer auch noch alle kritischen Kommentare aus dem Gästebuch der Dinkelsbühler Internetseite zensiert. Statt kommunalpolitischer Einträge auf seiner, von Steuergeldern finanzierten Stadtseie, könne man sich ja gerne in der „Bürgerfrageviertelstunde“ des Gemeinderats äußern. Scheint wohl symptomatisch zu sein, wie der Dinkelsbühler Rathauschef mit kritischen Meinungen umgeht ...

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Autor: ANDREAS HARTHAN | 27.11.2010

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