Von Toleranz und Profil

Dekan Dr. Dalferth nimmt Stellung zur Entlassung der Vikarin

Crailsheim.  Vor der Synode des Kirchenbezirks Crailsheim ist Dekan Dr. Winfried Dalferth auch auf die Entlassung der Vikarin Carmen Häcker eingegangen. Das Thema hatte bundesweit hohe Wellen geschlagen.

Die Entlassung war nach Dalferth nötig geworden, da aufgrund der standesamtlichen Eheschließung von Carmen Häcker mit einem Muslim in Dänemark die Anstellungsvoraussetzungen nicht mehr gegeben waren. Häcker sei in allen Beratungsgesprächen zu ihrer geplanten Heirat auf die Schwierigkeiten hinsichtlich ihres Pfarrerberufs hingewiesen worden, auch im Dekanatsamt und beim Oberkirchenrat. Sie habe ganz genau gewusst, auf was sie sich einlasse. Carmen Häcker musste ihre Ausbildung in Württemberg nicht abbrechen. Nach württembergischem Kirchenrecht ist die Ausbildung mit dem Studium beendet. Das Ausbildungsvikariat gehört bereits zum Pfarrdienst. In anderen Landeskirchen ist das anders.

Es habe auch keinen Deal zwischen Häcker und der württembergischen Landeskirche gegeben, wie Stern TV behauptet hatte, betonte Dalferth. Die Landeskirche habe mit anderen Landeskirchen an einer konstruktiven Lösung gearbeitet. Dabei sei nicht zur Voraussetzung gemacht worden, nicht in Fernsehsendungen zu gehen. Dalferth äußerte sich erstaunt über den "in der Vorweihnachtszeit großen Raum, der diesem Thema in den Medien eingeräumt wurde" - zumal der Vorgang schon seit der letzten Bezirkssynode Ende Oktober 2011 bekannt war.

Ferner fragte er, wieso ein Verhaltenskodex bei Firmen in der Industrie ohne Weiteres akzeptiert wird, bei der Kirche aber offensichtlich nicht. Niemand beschwere sich, wenn in der Industrie die Nichthaltung zur sofortigen Kündigung führe. Dabei sei gerade der Verkündigungsdienst und damit das Leben im Pfarrhaus besonderen Belastungen ausgesetzt. Bezeichnend sei, dass die Entlassung von Carmen Häcker von den Muslimen verstanden werde. Von dieser Seite aus sind Dalferth keinerlei kritische Rückfragen oder gar Klagen bekannt.

Der Dekan ging darauf ein, dass oft Toleranz gefordert wurde. Aber wie verhalte sich das zu dem notwendigen Profil einer evangelischen Kirche? Evangelische Grundüberzeugungen seien "allein durch Glauben, allein Christus, allein durch Gnade und allein die Heilige Schrift". Diese Grundüberzeugungen können nicht aufgegeben werden, sie werden aber von einem Muslim nicht mitgetragen. Schließlich betonte Dalferth, dass sich die Kirche über die Entpflichtung von Häcker hinaus für sie eingesetzt hat, was mit dazu beigetragen habe, dass sie ihr Vikariat in Berlin-Brandenburg durchführen kann. Info Der Text stammt von Bruno Münch, Pressepfarrer für den Evangelischen Kirchenbezirk Crailsheim.


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Autor: PM | 10.02.2012

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