Bilder vom Tod einer Stadt

Crailsheim.  Mit zum Teil noch nie veröffentlichten Aufnahmen schildert ein neuer Dokumentarfilm die Zerstörung von Crailsheim am Kriegsende 1945. Der rund 90-minütige Streifen hat am 20. April seine Premiere.

Idee und Drehbuch für den Film mit dem Titel "Das Ende Alt-Crailsheims" stammen von Folker Förtsch, dem Leiter des Stadtarchivs in Crailsheim. Für die Aufnahmen und den Schnitt zeichnen Waldemar Jauch und Hubert Ulrich vom Film- und Videoclub der VHS Crailsheim verantwortlich.

Die Dokumentation schließt eine große Lücke in der lokalen Geschichtsschreibung: Auf Papier ist der Untergang von Crailsheim zwar mittlerweile gut dokumentiert - bewegte (und damit auch emotional weitaus mehr bewegenden) Bilder einer umfassenden filmischen Darstellung des Geschehens fehlten bislang aber im Quellenfundus.

Vor einem Jahr begannen Archivar und Filmer mit ihrer Arbeit, die mittlerweile gut 200 Stunden an Material umfasst: 13 Zeitzeugen aus Crailsheim schilderten in langen Interviews das Grauen, das im Frühjahr 1945 über die Stadt hereinbrach - allerdings "nicht die Folge eines urplötzlichen Blitzschlages, sondern die Folge eines Krieges gegen Menschen, der auch in Crailsheim schon im Jahr 1933 begann", wie Folker Förtsch sagt.

Erstmals in einem Film kommen Soldaten zu Wort, die im April 1945 in Crailsheim auf deutscher Seite im "Alpenregiment 2" und bei Waffen-SS-Einheiten aus dem nahen Ellwangen eingesetzt waren. Gerne hätten die Filmemacher auch ehemalige US-Soldaten zu Wort kommen lassen. Trotz intensiver Suche fand sich bislang aber kein Army- Veteran, der bei der "Schlacht um Crailsheim" dabei war. Die erbittert geführten Kämpfe wurden in der US-Kriegsgeschichte mehrfach erwähnt.

Für den neuen Streifen hob Stadtarchivar Folker Förtsch einen historischen Schatz: Crailsheimer Bürger stellten private 16-Millimeter-Aufnahmen aus dem "Dritten Reich" zur Verfügung, die vorher noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren - zum Beispiel mit Szenen eines NS-Bannsportfestes und städtische Ansichten vor 1945.

Die Amateurfilme wurden mit Hilfe der Kreisbildstelle sorgfältig restauriert und dann digitalisiert. Im "Haus des Dokumentarfilms" in Stuttgart stieß der Stadtarchivar ebenfalls auf bis dato unbekannte Filmsequenzen, die den Wiederaufbau der Stadt kurz nach dem Krieg zeigen.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: HARALD ZIGAN | 19.03.2010

Google 1+

Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik

Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte am Montagabend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Hechinger Brandruinen qualmen noch

Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr

Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell

Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

Ein Raub der Flammen

So einen Brand wie gestern am frühen Abend haben die Hechinger mitten in der Altstadt schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gesehen. Der Altbaukomplex an der Ecke Marktstraße/Schlossstraße wurde ein Raub der Flammen. Von vier Drehleitern aus schützten die Feuerwehren die Nachbargebäude.... mehr