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Felix Neureuther: Das Karriere-Ende kann noch warten

Nach einer intensiven Saison-Vorbereitung in Neuseeland sieht sich der angehende Jung-Vater Neureuther auf einem guten Weg in den Olympia-Winter. Allerdings macht sich der Slalom-Star Gedanken über einen Boykott und findet deutliche Worte der Kritik.

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Hat einiges mitzuteilen, auch mit erhobenem Zeigefinger: Felix Neureuther, der Star im deutschen alpinen Ski-Team, findet vor dem anstehenden Winter deutliche Worte.  Foto: 

Andächtig wirkt’s wenn Felix Neureuther am Tisch Platz nimmt. Sportlich gesehen würden TV-Techniker wohl auch von einer Aufnahme zwischen Zeitlupe und Super-Slow-Motion sprechen. Ob der Rücken denn schon wieder Stress macht? Auf diese Frage entgegnet der mittlerweile 33-Jährige: „Alles gut, über die Jahre habe ich mir nur diese schonende Bewegung angewöhnt.“

Immer wieder hatte der Technik-Star des Deutschen-Ski-Verbandes (DSV) mit Rückenproblemen zu kämpfen gehabt. Erst im vergangenen Winter, als er bei der Weltmeisterschaft in St. Moritz nach einem Malheur im Team-Wettbewerb komplett auszufallen drohte. Auf den letzten Drücker sicherte sich der Herzblut-Bajuware die Bronze-Medaille im allerletzten WM-Wettbewerb und damit übrigens die einzige Plakette für den DSV. „Es war die emotionalste Medaille seit Langem“, erinnert sich Sportdirektor Wolfgang Maier an die Momente im vergangenen Februar, als Vieles innerhalb des DSV-Teams schief lief, und Maier ergänzt ohne Umschweife, aber mit einem Schuss Dankbarkeit: „Felix hat uns den Arsch gerettet!“

Nun steht der Olympia-Winter an. Neureuther hat sich intensiv vier Wochen in Neuseeland bei tollen Bedingungen vorbereitet. „Wir haben viel getestet, es liegt aber noch viel Arbeit vor uns“, weiß der Slalom-Spezialist vier Wochen vor dem Saison-Auftakt in Sölden, fügt aber mit einem Lächeln an: „Wenn’s jetzt schon perfekt wäre, wär’s auch nicht gut.“

Sein lausbübisches Grinsen gefriert allerdings sehr schnell ein, wenn es um den Höhepunkt des kommenden Winters geht, die Olympischen Spiele in Südkorea. Die militärischen provokanten Drohgebärden aus Nordkorea, das amerikanische Dagegenhalten, all das lässt (wie berichtet) den angehenden Jung-Vater zweifeln: „Ich mach mir schon meine Gedanken. Wenn die Situation weiterhin so ist, bin ich mir nicht sicher, ob es Sinn macht, dort hinzugehen.“ Neureuther richtet denn auch kritische Worte an die Adresse des Ober-Olympioniken, den IOC-Chef: „Es kann nicht sein, dass Thomas Bach hingeht und nur sagt: ,Alles wird gut gehen.’ Das ist ziemlich traurig, mitanzusehen. Mir ist das zu Larifari, das Ganze nur so abzutun, geht gar nicht.“

Nachdem sich Österreich und Frankreich via Funktionäre bereits öffentlich über einen Olympia-Startverzicht geäußert hatten, legt Neureuther nach: „Ein Boykott? das klingt krass, aber es muss sich jeder seine Gedanken machen.“

Über allem steht für den mehrfachen WM-Medaillen-Gewinner dennoch: „Olympia ist nach wie vor das Größte für einen Sportler.“ Erst vergangenen Sommer im Trainingslager in Neuseeland hatte er in einem Anflug größter Glücksgefühle davon gesprochen, dass er sich eine Karriere-Fortsetzung bis zu den Winterspielen 2022 vorstellen könnte. Mittlerweile hat Neureuther nochmals darüber nachgedacht und legt diesbezüglich doch ein, zwei Brems-Schwünge ein: „Fakt ist, dass ich gerne weiterfahren würde, so lange es Sinn macht. Im Optimalfall würde ich schon vier weitere Jahre fahren. Aber wer weiß, vielleicht will ich als Vater gar nicht mehr so lange von zu Hause weg sein.“

Wann es denn so weit ist mit dem Nachwuchs? Da bleibt der Felix gelassen: „Es dauert noch ein bisserl!“ Mädchen oder Junge? „Wir wissen schon, was es wird. Einen Namen haben wir auch schon, aber den haben bislang nicht einmal meine Eltern erfahren“, erzählt er und ist stolz, dass seine Miriam „keine komplizierte Frau“ ist. Gemeinsam werden sie bald ein neu gebautes Heim beziehen, da hätten die Eltern, Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, schon viel mitgeholfen. „Man wächst an der Herausforderung“, sagt Felix über seine Familien-Aussichten und strahlt: „Es ist schon ein wahnsinniges Glück!“ Dann blickt er auf die bereits verschneiten Zillertaler Berggipfel in heller Vorfreude auf die anstehenden Aufgaben. Ob oben am Berg oder unten im Tal. Schier andächtig steht er auf vom Tisch, fast wie in Zeitlupe oder Super-Slow-Motion. Keine Sorge, ihm geht’s sehr gut.

Ausdauer ist gefragt bei Fritz Dopfer: Der Techniker, hinter Felix Neureuther die Nummer 2 im DSV-Team, muss sich nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch weiter mühsam zurück arbeiten. „Grundsätzlich mache ich schon gute Fortschritte, es ist aber so, dass ich nicht schmerzfrei fahren kann“, so der 30-jährige Vize-Weltmeister von 2015. Ob es zum Weltcup-Saisonbeginn (Sölden) in vier Wochen mit dem Comeback klappt, das lässt Dopfer offen: „Es ist immer wieder mal eine Phase dabei, wo es schwieriger wird. Ich mache mir keinen Stress und werde nur starten, wenn ich zu hundert Prozent schmerzfrei bin. Man muss sich die Geduld nehmen!“ tom

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