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Mit dem Helikopter auf Tour

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Spektakulär: Für einige Mitglieder des Skiclubs Kirchheim ging es in Kanada mit dem Hubschrauber ins hochalpine Gelände, um dort abseits der Pisten Spuren im Schnee zu hinterlassen.  Foto: 

Dafür lebe ich“, schwärmt Uwe Küpferling. In diesen Tagen tut er es wieder. In Kanada. Dann mummelt er sich dick ein, fliegt im Helikopter Richtung Bergspitze. Abseits der Skipiste, dort, wo noch niemand vorher Spuren in den Schnee gefräst hat, schnallt der 58-Jährige seine Ski unter die Füße. Das Heli-Skifahren gehört zu seinen großen Träumen. Aber zu denen, die er sich erfüllt hat.

Auch mit dem Skiclub Kirchheim war er schon mehrfach in Übersee. Angefangen hat es im Jahr 2000, als eine Gruppe von zwölf Skiclubbern in Kanada drei Tage mit der Snowcat ins hochalpine Gelände vorgedrungen ist und abseits der Piste Spuren hinterlassen hat. „Die Ausfahrt war für mich das Highlight“, erzählt Ehrenpräsident Erwin Hartmann. Der 70-Jährige ist seit vielen Jahrzehnten Vereinsmitglied, war von 1993 bis 2004 Vorsitzender. Neben den optimalen Witterungsverhältnissen sei vor allem eines entscheidend gewesen: die Homogenität der Gruppe.

Ein Verein für alle Generationen

„Je homogener eine Gruppe, desto besser“, bestätigt Küpferling. 17 Jahre lang war er Skischulleiter im Kirchheimer Skiclub, seit 2009 kümmert er sich um die Finanzen. „Unser Schwerpunkt liegt darauf, die Leute zum Skifahren zu bringen“, sagt er. Im Breitensport, nicht im Rennsport. Meistens seien das Kinder und Jugendliche. Aber zwischen Jung und Alt soll es im Kirchheimer Skiclub keinen Unterschied geben. „Das Miteinander der Generationen ist bei uns ein wichtiges Kriterium“, betont Hartmann.

Seit seiner Gründung 1968 organisiert der Verein regelmäßig Veranstaltungen und Ski-Ausfahrten in unterschiedliche Regionen. Ein Lieblingsgebiet gibt es nicht, Dauerbrenner unter den Reisezielen sind Hintertux, Sölden und Scheffau am Wilden Kaiser – allesamt in Österreich.

Finanzvorstand Küpferling vergleicht den Skiclub mit einem Kleinunternehmen. 2014 hat der Verein ein Sponsoring-Konzept erarbeitet, wodurch es möglich sei, die Kosten für die Teilnehmer an Ausfahrten proportional zu den steigenden Selbstkosten auf einem konstanten Niveau zu halten. Auch die Anforderungen zur Skilehrer-Ausbildung seitens des Deutschen Olympischen Sportbundes wachsen; zwei der 50 Ski- und Snowboardlehrer des Skiclubs Kirchheim haben die höchste Übungsleiter-Ausbildungsstufe beim Deutschen Ski-Verband zum DSV-Skilehrer absolviert. Betreuer von Jugendfreizeiten müssen übrigens ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorzeigen können.

Wenn Erwin Hartmann an prägende Momente seiner Skiclub-Zeit denkt, gehen seine Erinnerungen mitunter weit zurück. In den Anfangsjahren hätten sich Mitglieder spontan abends nach der Arbeit zum Flutlichtskifahren nebenan in die Löwensteiner Berge aufgemacht. „Der eine hatte noch seine Krawatte an, der nächste seine Arbeitsjacke.“ Zum Vergnügen gehörte auch die Einkehr in einem Lokal.

Solche Spontantrips seien heute nicht mehr möglich, aber Hartmann und Küpferling beobachten, dass der Trend zur Spontaneität zurückkehrt. Früher bekam Erwin Hartmann Monate im Voraus zig Anmeldungen für Ausfahrten, „heute entscheiden sich die Leute am liebsten drei Tage vorher.“ Küpferling ergänzt: „Man will sich nicht mehr festlegen.“ Der moderne Wintersportler checkt inzwischen mit Webcams und Wetterapps regelmäßig die Bedingungen, bei Mistwetter oder grünen Hängen bleibt er dann eben daheim. „Die Ansprüche haben sich gewandelt, Übernachtung, Frühstück, Etagendusche, das Zimmer über dem Stall, das war früher Normalität“, hat Küpferling festgestellt. Heutzutage sei ein W-Lan-Hotspot auf dem Zimmer Pflicht.

Manches wird durch moderne Technik aber auch einfacher: Noch bis in dieses Jahrtausend hat der Verein stets eine Testperson entsandt, um die Schneelage vorab zu kontrollieren. Auf das Urteil der Liftbesitzer wollte man sich nicht verlassen. In Webcam-Zeiten ist das nicht mehr nötig. Aber selbst wenn die Schneebedingungen problematisch werden ist der Skiclub Kirchheim bemüht, die Ausfahrten stets durchzuziehen und nicht abzusagen. Manchmal erfordert das ein hohes Maß an Flexibilität.

Kreatives Krisenmanagement

„Wie gut die Organisation ist, zeigt sich immer erst, wenn ein Problem auftaucht“, bemerkt Küpferling und denkt dabei rund fünfzehn Jahre zurück. Auf dem Weg nach Österreich waren die Straßen einmal bergauf so glatt, dass sich Busfahrer weigerten weiterzufahren. Erwin Hartmann und Uwe Küpferling, damals Vorstand und Skischulleiter, steckten die Köpfe zusammen und Krisenmanagement war angesagt. Der Besitzer der Liftanlage – ebenfalls ein Busfahrer – hat schließlich den Bus ins Tal manövriert, die Kirchheimer Reisegruppe sei den Abschnitt zu Fuß hinterhergegangen, erzählen sie. Auch bei der Hinfahrt hatten sie improvisieren müssen: Damals hatte es in Jungholz über Nacht so sehr geregnet, dass der Schnee davonschmolz. Über Kontakte war es möglich, spontan nach Riefensberg in Vorarlberg auszuweichen.

Die Tagesausfahrt nach Riefensberg – wie auch ins Kleinwalsertal – steht inzwischen  nicht mehr auf dem Programm: Die strengeren Regeln der Buslenkzeiten ließen es nicht mehr zu, dass der Busfahrer an einem Tag hin- und zurückfahre, berichtet Küpferling. Für die „Tagesausfahrt ins Weiße“ – eine Überraschungstour, bei der die Teilnehmer nicht wissen, wo es hingeht – hat man eine Alternativlösung gewählt: zwei Busfahrer.

Info Für die „Fahrt ins Weiße“ am 11. März sind noch Plätze frei.

www.skiclub-kirchheim.de

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