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MBC Ludwigsburg will Talente an die Weltspitze führen

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Der 22 Jahre alte Bietigheimer Dario Anic zählt zu den größten Kickbox-Talenten in Deutschland.  Foto: 

Die Halle in Ulm ist voll, der Boxring steht im Blickpunkt. Die Stimmung aufgeheizt, die Fans elektrisiert: Einer „ihrer“ Thaiboxer hat es ins Finale geschafft. Klarer Heimvorteil. Sein Gegner: Dario Anic. „Es war ein Hexenkessel“, beschreibt der Bietigheimer rückblickend die Situation am 18. Februar 2017. Obwohl ihm die Erfahrung noch fehlt, hat ihn das nicht aus dem Konzept gebracht. Wenn alle gegen ihn sind, macht es das für seinen Kontrahenten nur schwerer. „Das motiviert mich noch mehr“, sagt Anic, „mein Gegner stand dadurch viel mehr unter Druck als ich.“ Den Kampf über dreimal zwei Minuten habe er deutlich gewonnen, erzählt der 21-Jährige stolz und verrät: „Da hatte ich sogar eine Glücksträne im Auge.“

Mehrere Sportarten ausprobiert

Mehrere Sportarten hat der junge Mann mit kroatischen Wurzeln ausprobiert. Karate und Aikido waren ihm zu langweilig, wie er erzählt. Eine mögliche Fußballkarriere stand im Raum, aber er hat sich für den Kampfsport entschieden. Erst spät, vor etwa zwei Jahren, kam er von einer Kampfsportschule über seinen damaligen Trainer zum MBC Ludwigsburg, wo er von Julian Vetter trainiert wird.

Vor seinem ersten Kampf sei er mächtig aufgeregt gewesen, auch weil sein Gegner einige Jahre älter als der damals 18-Jährige war. Nach den Junioren spielt das Alter beim Thaiboxen jedoch keine Rolle mehr. Entscheidend ist die Anzahl der gewonnen Kämpfe und das Körpergewicht. Anic hat aktuell acht Siege und zwei Niederlagen auf dem Konto. Für den Titelgewinn bei der deutschen Meisterschaft des Muay Thai Bund Deutschland Anfang März musste er drei Duelle für sich entscheiden. „Im Ring ist der Adrenalinspiegel hoch“, erzählt Anic, „aber zwischen den Kämpfen fährt der Körper runter.“ Dann heißt es locker bleiben – im Kopf und im Körper. Am Ende siegte der Bietigheimer nach Punkten, ein K.o. sei beim Thaiboxen schwierig, meint er.

Als Amateur kämpft Anic mit einer Schutzausrüstung. Im Profibereich wird darauf verzichtet, auch das Regelwerk unterscheidet sich. Wann ein Boxer im Amateur- oder Profibereich antritt, ist nicht klar vorgeschrieben. „Natürlich kämpft man anfangs als Amateur und meldet für den Profisport erst, wenn man mehr Erfahrung hat“, erläutert Achim Böhme, Trainer für Olympisches Boxen beim MBC Ludwigsburg, und stellt klar: „Bei uns darf nur kämpfen, wer regelmäßig trainiert.“ Als Trainer habe man eine Fürsorgepflicht gegenüber den Schutzbefohlenen zu erfüllen.

Zwei Aushängeschilder

Aushängeschilder des Vereins sind momentan Christos Cherakis, der 2016 im Halbfliegengewicht in Baku an der Olympia-Qualifikation teilnahm, sowie Lucian Kühne (Schwergewicht), der die angestrebte Medaille bei der U-22-EM allerdings vor kurzem aufgrund einer Krankheit verpasst hat. Beide starten im Olympischen Boxen, wie das Amateurboxen auch genannt wird. „Unser Ziel ist es, Talente an die Weltspitze zu führen“, sagt Böhme. Danach heiße es Abschied nehmen, denn als Kader­athlet wird am Olympiastützpunkt in Heidelberg trainiert.

Der Verein biete zweimal in der Woche Thai- und Kickboxen für Kinder ab acht Jahren an, der Trainingsbetrieb für die Erwachsenen laufe sieben Tage die Woche, so Böhme. Der Vereinsvorsitzende des MBC unterscheidet zwischen Freizeit- und Breitensportlern – die gelegentlich einen Wettkampf bestreiten – sowie Leistungssportlern. Zu letzteren zählt er nur, wer konsequent bei Turnieren und Meisterschaften antritt. Thaiboxen etwa sei eine vollkontaktorientierte Sportart, die diszipliniert trainiert werden müsse.

Dario Anic tut das in der heißen Phase vor Kämpfen bis zu fünfmal in der Woche. Wenn der Industriemechaniker allerdings Spätschicht hat, beschränkt sich das Training auf morgendliches Joggen, das Fitnessstudio und den Sandsack im Keller.

Man brauche Talent und Disziplin, meint der 21-Jährige. Die Kondition sei seine größte Schwäche. Noch. „Man muss an sich glauben und Spaß am Sport haben.“ Anic will sich schrittweise hocharbeiten. Auf dem Weg zu internationalen Einsätzen ist sein nächstes Etappenziel der Rhein-Neckar-Cup in Mannheim Ende April.

Muay Thai oder Thaiboxen hat sich aus traditionellen Kampfkünsten entwickelt. Im Gegensatz zum Kickboxen dürfen hier Ellenbogen eingesetzt werden. Auch das „Clinchen“ – den Gegner umklammern – ist erlaubt. Die Kampfklassen richten sich nach der Anzahl der gewonnenen Kämpfe und dem Körpergewicht. Die nicht-olympische Sportart ist in ein kompliziertes System aufgefächert. Wie der MBC Ludwigsburg sind die meisten Vereine in mehreren Verbänden organisiert. Jeder Verband richtet seine eigenen Meisterschaften aus. 

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