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Ein Hauch von Sri Lanka auf dem Sportplatz in Pflugfelden

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Die Cricketmannschaften des TV Pflugfelden stehen für das nächste Match bereit.  Foto: 

Orientalische Rufe vermischt mit englischen Wörtern und Phrasen gellen über den Tartanplatz am Römerhügelweg in Ludwigsburg. Hinter den drei großen Gebäuden des Berufsschulzentrums trainiert die Cricket-Abteilung des TV Pflugfelden. Ein gutes Dutzend junger Männer in rot-blauen Trikots wartet bis das Training beginnt. Die beiden Mannschaften der Männer spielen dieses Jahr in der Regionalliga und hoffen auf den Aufstieg. Das Frauenteam spielt in der Bundesliga und ist die erste Damenmannschaft in Baden-Württemberg überhaupt. Abteilungsleiter Ruwantha de Silva ist sehr stolz auf seine Teams: „Das ist schon etwas Besonderes, wenn man unsere kurze Vereinsgeschichte betrachtet.“

Neben den beiden Erwachsenen-Mannschaften ist auch die Jugend- und Nachwuchsarbeit wichtig für die Verantwortlichen der Cricket-Abteilung. Zehn bis zwölf Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren haben ihren Spaß bei diesem außergewöhnlichen Sport. Für die Bambini richtet der Verein zweimal im Jahr ein Spaßturnier aus. Durch die Zusammenarbeit mit Schulen im Kreis Ludwigsburg hat sich eine AG für interessierte Schüler gegründet. „Wir freuen uns diesen Jugendlichen Cricket beibringen zu können“, sagt de Silva.

Er und vier Freunde haben im Sommer 2016 beschlossen, einen Cricket-Verein zu gründen. Da hat sich die Suche des TV Pflugfelden nach Cricket-Trainern natürlich angeboten. De Silva selbst kommt ursprünglich aus Sri Lanka und spielt seit 30 Jahren Cricket. Inzwischen zählt die Abteilung rund 100 Mitglieder. Darunter sind 70  Flüchtlinge. „Wir haben Leute aus Afghanistan, Syrien und Pakistan bei uns, mit teilweise tragischen Geschichten“, weiß der Abteilungsleiter. Ein besonderer und wichtiger Mann der Abteilung ist der Trainer Rasandhika Lokuhettige, der selbst erst seit 2010 in Deutschland ist und immer noch den Flüchtlingsstatus hat. Er stammt aus einer Cricket-begeisterten Familie, sogar mit Nationalmannschaft-Erfahrung. Er sei eine große Stütze und unglaublich wichtig für alle, betont de Silva. Sehr viel Zeit verbringt Lokuhettige damit, sein Können und Wissen im „Batting, Bowling und Fielding“, also im Schlagen, Werfen und Fangen, auf dem Cricket-Platz den Mannschaften zu vermitteln. Mit elf hat er begonnen den Schläger zu schwingen und mit 16 Jahren hatte er seinen ersten Job als Assistenztrainer. „Ich möchte meine Spieler auf höchstem Niveau in Deutschland spielen sehen“ wünscht sich der Trainer.

Improvisiertes Spielfeld

Die Teams vom TVP spielen auf einem improvisierten Spielfeld, da es in der Nähe keine adäquaten Cricket-Felder gibt. Neben dem Spielfeld ist die Schutzausrüstung das A und O. Diese besteht aus Bein- und Armschonern, Rippenschutz, Handschuhen und einem Helm. Der Schläger wird aus leichtem Weidenholz gefertigt. Der Ball aus Leder und Kork ist sehr hart und gefährlich, da er auf Geschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern kommt.

Für die Aktiven der Abteilung steht aber nicht nur der Sport im Mittelpunkt. Der soziale Aspekt ist für alle Beteiligten mindestens genauso wichtig. „Viele der Jungs sind alleine hier, haben keine Familie“, weiß de Silva. Durch den Sport versuchen Trainer Lokuhettige und die anderen Verantwortlichen die jungen Flüchtlinge in die Gesellschaft zu integrieren. So sind in dem Führungskomitee der Abteilung elf Mitglieder, davon auch drei Flüchtlinge. Sieben der Spieler haben inzwischen eine Trainer- und Schiedsrichterausbildung erfolgreich abgeschlossen. Durch den Dolmetscher Hamayo Khan, wird die Sprachbarriere überwunden und zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Sprachen vermittelt. Außerdem müssen die Sportler keinen Mitgliedsbeitrag zahlen. Die Stadt Ludwigsburg und der TV Pflugfelden unterstützen die Cricket-Spieler, allerdings seien sie weiterhin auf viel Unterstützung von außen angewiesen, so der Abteilungsleiter.

De Silva und Trainer Lokuhettige sind begeistert, wie die Abteilung sich innerhalb von knapp einem Jahr in Ludwigsburg etablieren konnte. Das große Interesse von Seiten der Schüler an der AG, mit 13 Mädchen und 20 Jungs im Alter von 16 bis 20 Jahren, bestätigt die beiden in ihrer Arbeit.

Cricket gilt in England und den Ländern des Commonwealth seit 200 Jahren als Nationalsport. Es geht um das Duell zwischen Werfer (Bowler) und Schläger (Batsman). Jedes Team hat elf Spieler. Die Spielbahn (Pitch) ist etwa 20 Meter lang und begrenzt von drei Holzstäben (Wickets). Zwei Batsmen aus dem gleichen Team stehen jeweils auf einer Seite der Bahn, dabei ist nur ein Batsman aktiv. Der gegnerische Bowler wirft den Ball und versucht den Batsman zu einem Fehler zu zwingen. Wenn der Batsman den Ball wegschlagen und er mit seinem Partner einmal oder mehrmals den Platz tauschen kann, gibt es einen Punkt. Ein Batsman scheidet aus, wenn er einen Fehler macht. Das Ziel des anderen Teams ist es, den Ball so schnell wie möglich zurückzubringen und die Holzstäbe zu treffen. yhi

Die Trainingszeiten beim TV Pflugfelden sind mittwochs und freitags von 15.30 Uhr bis 21 Uhr bei den Fußballplätzen am Römerhügelweg in Ludwigsburg.

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