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Die „Knochenbrecher“ greifen im Ellental wieder zum Schläger

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Fast wie beim Eishockey: Die Inlinehockey-Mannschaft des Rollsportclubs Bietigheim-Bissingen jagt in der alten Ellental-Arena dem Hartplastikpuck hinterher.  Foto: 

Der Hintergrund weiß, blau und grün. In der Mitte prangt ein Toten­kopf, hinter ihm kreuzen sich zwei Schläger. „Bonebreakers“, also Knochenbrecher, nennen sich die, die sich mit dem Bild identifizieren. Das Mannschafts-Logo des Rollsportclubs Bietigheim (RSC) mutet bedrohlich an, die Story dahinter stellt sich aber als harmlos heraus. Die Farben sind denen der Steelers nachempfunden – der RSC war einst eine Abteilung des Eishockey-Klubs. Die zwei gekreuzten Schläger stehen für die Sportart, und als Erklärung für den Totenkopf meint Jens-Uwe Ludwig: „Ein Hab-Dich-Lieb-Bärchen geht da natürlich nicht.“ Bone-Breakers sei die einzige Wort-Kombination, die den Vereinsverantwortlichen mit den beiden Initialen von Bietigheim-Bissingen eingefallen sei, erzählt Sportleiter Ludwig. Von im Verein gebrochenen Knochen sei dagegen nichts bekannt, im schlimmsten Fall brechen (sich) die Bonebreakers eine Rippe, oder es platzt mal eine Lippe.

Jens-Uwe Ludwig hat sich viel mit dem Eishockey-Sport beschäftigt und sich abseits der Eisfläche bei den Steelers engagiert. Irgendwann habe er die Idee mit einer Inlinehockey-Abteilung gehabt – der Grundstein für den RSC. „Ich glaube, ich habe so lange genervt, bis der damalige Präsident Eduard Fehr gesagt hat: Mach’s!“, erinnert sich der gebürtige Rheinländer. Das war 2002. Zunächst wurde daraus eine Abteilung der Steelers. Zwei Jahre später kam „ein Haufen Freunde, der den Verein gegründet hat“. Inzwischen sind diese Freunde zum Großteil aus familiären oder beruflichen Gründen wieder weg. Jens-Uwe Ludwig, Zweiter Vorsitzender im Verein, steht mit seinem Team vor einem Neustart, der vergleichbar mit den damaligen Anfängen sei.

Einige Vereine böten eine Inlinehockey-Mannschaft an, um ihren Profis im Sommer eine Trainingsmöglichkeit zu bieten, berichtet Ludwig. Beim RSC Bietigheim spielen „blutige Anfänger von der Straße bis zum ehemaligen Eishockey-Profi.“ Die Aktiven sind zwischen zwölf und beinahe 50 Jahre alt. Momentan zählt der Klub etwa 50 Mitglieder, davon gut 30 Aktive.

In der vergangenen Saison wurde damit begonnen eine neue Mannschaft zu bilden, wobei der RSC die aktuelle Spielzeit noch als Vorbereitung und Findungsphase nutzt. Elementar sei der Aufbau einer Stammmannschaft, meint Ludwig. Im nächsten Jahr soll der Umbruch dann weitgehend beendet sein, damit der RSC mit dem neu formierten Team wieder in den Ligabetrieb einsteigen kann. Der ehemalige Vizemeister der Oberliga Baden-Württemberg nimmt in seiner jetzigen Fassung nur an Freundschaftsspielen und Turnieren teil.

Damit trotzdem genügend Spielpraxis gesammelt werden kann, besteht das Training nach kurzen Aufwärmübungen hauptsächlich aus Spielen. „Inlinehockey ist die Sommer-Variante des Eishockeys“, sagt Ludwig und spricht damit gleich ein „Problem“ an. Der RSC spielt und übt in der alten Eishalle im Ellental, die im Winter für den Publikumslauf freigegeben ist. Der Verein kann daher seinen Sport ausschließlich zwischen Ende April und Ende Juli ausüben, nämlich nur, wenn die Halle abgetaut ist. Dann kommt der blanke Beton ans Licht, ohne Folie und Werbung.

Statt auf Kufen rasen die Sportler auf Rollen. „Straßen-Inliner sind allerdings nicht geeignet“, stellt Ludwig klar, „der Schuh hat auch keine Bremse – man stoppt durch bestimmte Körperbewegungen oder an der Bande – und, wenn’s dumm läuft, im Gegner.“ Spieler, die versucht haben, mit herkömmlichen Inlinern zu spielen, hätten das schnell wieder bleiben lassen: eine zackige Bewegung und die rollenden Schuhe sind kaputt.

Vier Feldspieler pro Mannschaft

Abgesehen von ihren Füßen packen sich die Inlinehockey-Spieler aber in dieselbe Ausrüstung wie ein Eishockey-Spieler ein: Bein- und Ellenbogenschoner, Tiefschutz, Hose, Handschuhe und Helm. Jugendliche und weibliche Akteure bekommen zudem einen Brustpanzer. Bei den Bonebreakers spielt momentan eine Frau. Im Prinzip seien die beiden Sportarten deckungsgleich, meint Sportleiter Ludwig, „in der Theorie ist Inlinehockey etwas weniger körperbetont.“ Außerdem werde mit nur vier statt fünf Feldspielern gespielt.

Ein Match erstreckt sich zwar ebenfalls über dreimal 20 Minuten, die Zeit wird aber zum Beispiel bei Fouls nicht angehalten, sondern läuft wie beim Fußball durch. Der Puck besteht beim Inlinehockey aus Hartplastik. Je laienhafter damit gespielt werde, desto höher sei die Lebenserwartung eines Pucks, berichtet Ludwig. Manche Scheiben hielten erstaunlich lange, andere hätten bereits von vornherein eine Schwachstelle. Die sind dann nach wenigen Crashs mit der Bande hinüber. Der RSC kommt auf einen Verschleiß von etwa 50 bis 100 Pucks – pro Saison.

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