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Ein Handball-Königreich mit vielen Ministerinnen

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Im Rahmen des Trainingslagers in Dänemark griffen die Bietigheimer Handballerinnen zu Laserpistolen – wie hier Torhüterin Valentyna Salamakha (links) und Nina Müller. Solche Freizeitaktivitäten fallen ins Ressort von „Unterhaltungsministerin“ Antje Lauenroth.  Foto: 

Willkommen im „Handball-Königreich“ der SG BBM Bietigheim. So nennen zumindest die Spielerinnen des Deutschen Meisters das Gebilde, mit dem sie sich als Team organisieren. „Das ist eine Bietigheimer Besonderheit und wohl einmalig. Ich kenne keinen anderen Verein, der das so macht“, sagt Trainer Martin Albertsen.

Der König im SG-Königreich ist – selbstverständlich – der Coach selbst. Unterstützt wird er von gleich 23 Ministerien. Rechtsaußen Angela Malestein etwa wacht als „Finanzministerin“ über die Mannschaftskasse, Links­außen Martine Smeets pflegt und intensiviert als „Fanministerin“ den Kontakt zu den Anhängern. Rückraum-Ass Su­sann Müller kümmert sich als „Kleidungsministerin“ darum, dass alle Spielerinnen die passenden Trikots und die nötige Sport­ausrüstung bekommen. Und für das Aufwärmprogramm sind die „Erwärmungsministerinnen“ Mille Hundahl und Charris Rozemalen verantwortlich.

Schon in der vergangenen Saison füllte Albertsen die Idee mit Leben, indem er Zuständigkeiten an einzelne Handballerinnen verteilte, die er für eine Aufgabe besonders geeignet hielt – und bezeichnete die federführende Person kurzerhand als „Ministerin“. „Es tut einer Profimannschaft gut, wenn Spielerinnen Alltagsaufgaben und Verantwortung übernehmen. Jede engagiert sich, darum klappt es bei uns intern so gut – und Spaß macht das Ganze auch noch“, spricht der 43 Jahre alte Däne die positiven Effekte auf die Teamchemie an.

Einen besonders anspruchsvollen Job hat die Niederländerin Maura Visser. Die derzeit am Knie verletzte Spielmacherin fungiert als „Sprachministerin“ und gibt den Neuzugängen, die aus dem Ausland zur SG gestoßen sind, Deutschunterricht. Dafür ist Visser prädestiniert, denn sie spricht neben Holländisch und Deutsch auch noch exzellent Englisch und Dänisch.

Tess Wester gehört als „Musikministerin“ der Gute-Laune-Fraktion an: Die 24-jährige Torhüterin übernimmt die Liederauswahl bei den Spielen, den Übungseinheiten, im Bus und in der Kabine. „Bei uns läuft immer Musik, vor allem internationaler Rock und Pop“, plaudert Albertsen aus dem Nähkästchen.

Auch Antje Lauenroth hat eine Schlüsselrolle, wenn es um die Stimmung geht. Als „Unterhaltungsministerin“ plant sie Freizeitaktivitäten und gibt so Impulse für das Teambuilding. Im Trainingslager auf Lanzarote organisierte sie zum Beispiel einen Karaoke-Abend. Beim Dänemark-Trip in der vergangenen Woche erhielt Lauenroth dann Unterstützung von den dänischen Muttersprachlern Albertsen und Mia Biltoft, als er darum ging, vor Ort Unternehmungen zu organisieren. So nahm die Mannschaft in Aarhus an drei „Exit Games“ teil, und im Küstenort Ebeltoft, wo das Trainingslager stattfand, schossen die SG-Profis in der dortigen Sporthalle an einem Nachmittag zur Abwechslung mal nicht aufs Tor, sondern mit Laserpistolen auf Ziele.

Nach Siegen ist Pizza erlaubt

Themen rund ums Essen und Trinken sind das Fachgebiet von Valentyna Salamakha, Luisa Schulze und Susann Müller aus dem „Ernährungsministerium“. Obwohl eher ungesund, darf dieses Trio in Ausnahmefällen auch mal Pizza ordern. „Aber nur, wenn wir ein großes Turnier oder ein wichtiges Spiel, wie zuletzt den Supercup, gewonnen haben“, schränkt Coach Albertsen mit einem Schmunzeln ein. Selbst die Personen des Funktionsteams haben einen Ministerrang. Co-Trainer Theis Husfeldt ist nicht nur Ersatzkönig, sondern auch „Lifebalanceminister“. Axel Strienz arbeitet als „Torfrauminister“, Felix Bauer, Spitzname „Quälix“, darf sich „Fitnessminister“ nennen, und die Physiotherapeuten bilden das Rehaministerium.

Die SG BBM hat sogar vier Ministerien mit Fokus auf den Sport ins Leben gerufen: In unterschiedlicher Besetzung tauschen sich die Mitglieder der Ressorts „Abwehr“, „Angriff“, „Zurücklaufen“ und „Konter“ mit dem Trainerteam aus. „Mir sind das Feedback aus der Mannschaft und ehrliche Antworten sehr wichtig, schließlich wollen wir uns immer weiter verbessern“, sagt Albertsen. Das letzte Wort freilich hat am Ende nur einer – der König.

In der zweiten Runde des DHB-Pokals bekommt es die SG BBM auswärts mit dem Drittliga-Klub HSV Solingen-Gräfrath zu tun. Das hat die Auslosung am Dienstag in Dortmund ergeben. Das Bietigheimer Drittliga-Team empfängt den Zweitligisten Kurpfalz Bären. Die Badenerinnen, die einst fünf Jahre als TSG Ketsch in der Bundesliga gespielt haben, schalteten in Runde eins den TSV Haunstetten mit 28:20 aus. Als Pokal-Spieltag ist der 7. oder 8. Oktober vorgesehen. Da für den deutschen Meister an diesem Wochenende aber das Champions-League-Duell beim ZRK Buducnost angesetzt ist, findet die Partie in Solingen voraussichtlich am 11. Oktober statt. ae

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