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„Ich hoffe, dass das nicht der einzige Titel bleiben wird“

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Die Bietigheimerin Jana Scheib präsentiert nach dem EM-Triumph mit der DHB-Auswahl stolz die Siegertrophäe.  Foto: 

Jana Scheib von der SG BBM Bietigheim hat mit der deutschen Nationalmannschaft bei der U-17-Europameisterschaft in Michalovce (Slowakei) den Titel geholt. Beim 23:18-Sieg im Finale gegen Norwegen avancierte die 16-jährige Rückraumspielerin mit der Nummer 22 sogar zur Matchwinnerin: Scheib gelangen nach ihrer Einwechslung sechs Tore. Im Interview spricht sie über den großen Auftritt im Endspiel, den Traum vom Profihandball und ihre Lieblingsspielerin Susann Müller.

Mit sechs Treffern waren Sie am Sonntag die Topwerferin im EM-Finale gegen Norwegen – haben Sie sich Ihre beste Turnierleistung für das Endspiel  aufgehoben?

Jana Scheib: So kann man das wahrscheinlich sagen. Ich habe im Halbfinale und im Spiel davor ja sehr wenig bis gar nicht gespielt. Darum hatte ich mir vorgenommen, dass ich noch einmal alles geben würde, falls ich noch einmal eine Chance bekommen sollte. Dass es im Finale dann aber bei mir so gut läuft, war nicht abzusehen.

War dieses Finale bisher das Spiel Ihres Lebens in der noch jungen Handball-Karriere?

Man hat ja nicht viele Spiele, die zu 100 Prozent gut sind. Das Finale war sicher eines meiner besten Spiele, die ich bisher gemacht habe. Es freut mich sehr, dass ich in so einer wichtigen Partie und vor so vielen Zuschauern meine Bestleistung bringen konnte.

Was haben die Trainer Maik Nowak und Zuzana Porvaznikova nach dem gewonnenen Duell gegen Norwegen zu Ihrem Galaauftritt gesagt?

Wie immer haben sie jede Spielerin umarmt und abgeklatscht und uns beglückwünscht. Zu mir haben sie gesagt, dass es nicht viele Spieler schaffen würden, in einem Finale so eine Leistung zu bringen und dass sie mir dankbar seien, dass ich der Mannschaft so geholfen habe. Ich bin ja eingewechselt worden, als wir mit ein paar Toren hinten gelegen haben.

Wie und wo hat die Mannschaft den großen Triumph gefeiert?

Erst in der Halle, wo auch die Siegerehrung stattfand. Danach sind wir ins Hotel, wo wir zu einem Bankett eingeladen waren. Dort kamen dann noch einmal alle Mannschaften aus unserem Hotel zusammen, und es hat ein DJ aufgelegt. Wir hatten ja eine gute Freundschaft mit den Niederländerinnen. Die haben uns immer bei den Spielen angefeuert und wir sie. Auf der Party haben wir gemeinsam bis zum Schluss um halb drei Uhr gefeiert – bis wir zum Flughafen gefahren sind.

Welche Reaktionen auf das Abschneiden kamen aus der Heimat?

Wenn man nach einem Spiel in der Kabine sitzt, auf sein Handy schaut und all die Glückwünsche sieht, denkt man schon: Boah, wie viele Leute denken gerade an dich und verfolgen das Turnier übers Internet. Unser internes Ziel bei der EM war das Halbfinale. An den Titelgewinn hat aber niemand von uns gedacht. Der kam schon überraschend. Die Resonanz war während des ganzen Turniers positiv. Viele Leute haben uns Glück gewünscht. Nach dem Sieg haben sich viele darüber gefreut, dass sich unsere harte Arbeit in den Lehrgängen und bei den vielen Trainingseinheiten ausgezahlt hat.

Was bedeutet Ihnen der EM-Titel?

Man ist schon stolz auf das Erreichte. Ein internationaler Titel ist noch einmal etwas anderes als ein nationaler Titel. Eine Europameisterschaft ist höher zu bewerten ist als eine WM, weil dort die Besten der Besten antreten, während bei einer Weltmeisterschaft auch manchmal Teams dabei sind, die im Handball nicht so stark sind wie die europäischen Nationen. Man weiß aber auch, dass das jetzt nur ein Titel war und dass man weitermachen und seine Leistung bestätigen muss – im Verein und in der Nationalmannschaft. Nächstes Jahr findet ja die WM statt, bei der Deutschland als Titelverteidiger antritt.

Elf EM-Tage in der Slowakei, davor Lehrgänge in Saarbrücken und Kienbaum – Sie waren fast vier Wochen am Stück mit der DHB-Auswahl unterwegs. Kommt da nicht irgendwann Lagerkoller auf?

Wenn so viele Mädels wochenlang auf einem Haufen sind, gibt es schon auch mal Konflikte untereinander oder man geht sich mal auf die Nerven. Größere Streitereien gibt es aber nicht. Man weiß, warum man hier ist und was man gemeinsam erreichen will. Alles in allem haben wir uns sehr gut verstanden – erst recht, wenn dann noch die Leistung und die Resultate stimmen. In der „Natio“ habe ich Freundinnen fürs Leben gefunden, auch wenn die zum Teil am anderen Ende Deutschlands wohnen.

Was haben Sie in Ihrer Karriere noch vor?

Ich hoffe, dass das nicht der einzige Titel bleiben wird und dass ich weiter in der Nationalmannschaft dabei bin – auch 2018 bei der WM. Im Verein will ich mit der A-Jugend in der Bundesliga möglichst gut abschneiden und auch mit der Drittliga-Mannschaft eine gute Saison spielen. Es wäre toll, wenn ich in näherer Zukunft, also in zwei, drei Jahren, mal mein Bundesliga-Debüt bei den Frauen geben könnte.

Dann ist es auch Ihr Ziel, Handball-Profi zu werden?

Ich spiele Handball, seit ich ein kleines Kind bin. Für mich war immer klar, dass ich in dem Sport ganz weit kommen möchte. Natürlich steht die Schule noch an erster Stelle, aber mein Traum ist schon, den Handball einmal zu meinem Hauptberuf zu machen.

Wer ist Ihre Lieblingsspielerin im Meisterkader der SG BBM?

Das ist Susann Müller. Seit ich denken kann, bin ich ein Fan von ihr und ihrem Spielstil – aber auch von ihrem Charakter. Ich trainiere ja auch mit ihr zusammen in der ersten Mannschaft. Von so einer Spielerin kann man sehr viel lernen.

Seit Dezember 2011 läuft Jana Scheib für die SG BBM Bietigheim auf. Zuvor spielte die 1,80 Meter große und 70 Kilogramm schwere rechte Rückraumakteurin im Nachwuchs des TV Oppenweiler. Für die deutschen Juniorinnen hat Scheib bisher 20 Länderspiele bestritten. Das Bietigheimer Toptalent geht auch in der anstehenden Saison 2017/2018 wieder für zwei Teams der SG BBM aufs Feld: in der Jugend-Bundesliga mit der A-Jugend und in der Dritten Liga Süd mit der zweiten Mannschaft. ae

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