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Lindners Flatterball bringt Nullachter zurück in die Spur

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Der Ball flatterte und flatterte, und der böige Wind half auch mit – und so kam es, dass Yannik Dressler den eigentlich unplatzierten 20-Meter-Schuss von Simon Lindner ins eigene Tor faustete. Es war der 3:2-Führungstreffer des FSV 08 Bissingen im Oberliga-Duell beim kriselnden SV Spielberg. Mit Lindners Tor bekam der Tabellenzweite vom Bruchwald gerade noch einmal die Kurve und gewann schließlich noch mit 4:2. „Der Treffer zum 3:2 war sicher glücklich, aber wenn man nicht schießt, kann man auch keine Tore erzielen“, stellte 08-Trainer Andreas Lechner nach der Partie fest. Mit dem 15. Saison­erfolg bleibt sein Team dem ebenfalls siegreichen SC Freiburg II im Titelkampf dicht auf den Fersen und baute seinen Vorsprung zum Tabellendritten Neckarsulmer Sport-Union auf sieben Punkte aus.

In den 90 Minuten war das Häuflein Bissinger Fans, das die Fahrt nach Karlsbad mitgemacht hatte, durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen. In der ersten Hälfte wurde der FSV 08 im Spielberger Bechtle-Stadion bei dem ungemütlichen Regenwetter seiner Favoritenrolle noch gerecht und schoss eine 2:0-Pausenführung heraus. Doch wie im Hinspiel verdaddelte der Aufstiegs­aspirant einen Zwei-Tore-Vorsprung. Dass es diesmal trotzdem zu einem Happy End und drei Punkten reichte, ersparte den Bruchwald-Kickern wohl ein massives Donnerwetter von Lechner.

Bereits in der vierten Minute klingelte es zum ersten Mal im Kasten der Nordbadener: Nach einem langen Pass eilte 08-Torjäger Marian Asch davon und tunnelte bei seinem Flachschuss frech den aus seinem Kasten geeilten SVS-Schlussmann Dressler. Die Proteste der Hausherren, die vor dem Bissinger Gegenangriff ein Foul gesehen hatten, waren vergebens.

Die durch viele Ausfälle geschwächte Spielberger Notelf, die zuvor fünfmal in Folge verloren hatte, machte einen verunsicherten Eindruck und schien selbst nicht wirklich an eine Überraschung zu glauben. Nur zaghaft und ohne Zug zum Tor fielen die Offensivbemühungen aus. Die beste Chance war Ole Schröders 17-Meter-Freistoß, den der Bissinger Keeper Sven Burkhardt gekonnt aus dem Eck fischte (33.).

Kunde trifft im zweiten Anlauf

Wesentlich ballsicherer und spielerisch eine Klasse besser waren die Lechner-Schützlinge. In der 35. Minute hätte Kunde nach einem Abwehrpatzer von Stefan Müller und Lindners Querpass fast das zweite Gästetor besorgt, aber vier Meter vor dem Gehäuse schob der von zwei Gegenspielern bedrängte Stürmer die Kugel knapp vorbei. Vier Minuten später machte es Kunde besser. Wieder kam die Vorarbeit von Lindner, diesmal mit einem Steilpass – und Kunde traf zum 2:0 ins lange Eck.

Der Ex-Freiberger hatte auch im zweiten Durchgang die erste Möglichkeit – sein Schuss landete am Außennetz (57.). Obwohl Lechner seine Elf im Vorfeld vor den Spielberger Standards gewarnt hatte, kassierte der FSV 08 nun zwei Tore nach ruhenden Bällen. Erst köpfte Alexander Zimmermann einen Freistoß von Schröder zum 1:2 ein, wobei er davon profitierte, dass Burkhardt nicht energisch genug eingegriffen und so den Ball verpasst hatte (59.). Schwieriger zu verteidigen war der 2:2-Ausgleich, den Müller in der 67. Minute mit einem wuchtigen Kopfstoß erzielte. Diesmal hatte der eingewechselte Riccardo Di Piazza die Freistoßflanke geliefert. „Standards sind halt unsere Schwäche“, gab Lindner später schulterzuckend zu Protokoll.

In der kurzen Phase zwischen den beiden Gegentoren wirkte die unter Druck geratene Bissinger Abwehr alles andere als souverän. „Da haben wir einen kleinen Schwimmkurs veranstaltet“, brachte Lechner die Ungereimtheiten in seiner Hintermannschaft bildhaft auf den Punkt.

Drittes Tor bricht Widerstand

Doch sein Team fing sich wieder und dominierte die Schlussviertelstunde nach Belieben. Lindners Flatterball, der zum 3:2 einschlug, brachte die Gäste wieder zurück in die Spur und brach zugleich den Widerstand der Spielberger (76.). Kurz darauf schlug Asch nach einem Querschläger eine Hohle und verpasste so Treffer Nummer vier.

Die letzten Zweifel am Bissinger Auswärtssieg beseitigte der von Kunde mustergültig freigespielte Riccardo Gorgoglione. Der Flügelflitzer war einen Tick schneller als Dressler und überlupfte den Spielberger Torhüter zum 4:2-Endstand (90.). Entsprechend groß war die Erleichterung bei den Mannen in den weißen Trikots nach dem Abpfiff. „Wir können nicht nur spielerisch glänzen, sondern auch laufen, beißen und kämpfen“, stellte Lindner, der beste Mann auf dem Platz, zufrieden fest.

Die Entscheidung um die Meisterschaft und den direkten Aufstieg in die Regionalliga Südwest scheint zwischen dem SC Freiburg II und dem FSV 08 Bissingen zu fallen. Beide Mannschaften gewannen am 25. Spieltag souverän ihre Partien und sind dem Verfolgerfeld weit enteilt. Aktuell führt die Freiburger Erstliga-Reserve das Klassement mit 54 Zählern an. Bissingen steht mit zwei Punkten weniger auf dem Konto auf Rang zwei, dem Relegationsplatz. Der Vorsprung der Nullachter gegenüber der drittplatzierten Neckarsulmer Sport-Union beträgt bereits sieben Punkte. Die Unterländer verloren ihr Heimspiel gegen den neuen Vierten FV Ravensburg am Samstag klar mit 0:3.

Extrem eng geht es im Tabellenkeller zu. Das Schlusslicht Spvgg Neckarelz, das erst fünf Zähler gesammelt hat, steht praktisch als Absteiger fest und kann schon für die Verbandsliga planen. In einer prekären Situation stecken auch der Vorletzte FSV Hollenbach (23 Punkte) und der Offenburger FV (25) auf Platz 16. Hochgradig gefährdet sind außerdem der SSV Reutlingen (31), die Stuttgarter Kickers II (31), der SV Ober­achern (31), der SV Spielberg (30) und der FC Astoria Walldorf II (28). Den Elften (Reutlingen) und den Tabellen-15 (Walldorf II) trennen gerade einmal drei Zähler. Bis zum achtplatzierten Göppinger SV (34 Punkte) reicht der Kreis der Abstiegskandidaten. ae

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