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Der lange Weg nach Bönnigheim

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Sabri Al Jabir auf dem Marktplatz seines neuen Wohnortes Bönnigheim. Der Syrer floh vor 14 Monaten aus seiner Heimat.  Foto: 

Schön und ruhig ist es in Bönnigheim, findet Sabri Al Jabir. Wenn auch ungewohnt klein. Seine Heimatstadt in Syrien hat um die 300 000 Einwohner. Doch in Bönnigheim hat der 31-Jährige jetzt eine eigene Wohnung. „Ein Riesenglück.“ Er teilt sie sich mit einem Freund, den er aus der Heimat kennt. Die beiden sind gemeinsam geflohen.

Vor 14 Monaten hat Sabri Al Jabir seine Frau und seine kleine Tochter zum letzten Mal gesehen. Das Mädchen ist jetzt dreieinhalb Jahre alt. Anfang Dezember wird er sie wiedersehen: In der deutschen Botschaft in Dubai. Dort will seine Frau für sich und das Kind Visa für Deutschland beantragen. Ein weiterer Schritt zu einem Leben zu dritt. Irgendwann im nächsten Jahr sollen sie herziehen. Sabri Al Jabir will nicht mehr in Syrien leben.

Im Spätsommer 2015 gehörte der gelernte Grafiker zum großen Teil einer Generation, die es in der Heimat nicht mehr aushielt. In Syrien wütete der Bürgerkrieg, der selbsternannte „Isamische Staat“ war noch in weiten Teilen des Landes stark präsent. Die Rebellen und die Truppen von Staats-Chef Baschar Al-Assad und unzählige Milizen, haben sich gegenseitig abgeschlachtet. Das machen sie noch immer, und Syrien, das einst wohlhabende Land mit seinen gebildeten Einwohnern, wird mehr und mehr zu einer Ruine.

In der Heimatstadt von Sabri Al Jabir gab es vor 14 Monaten so gut wie keine Bürgerkriegsgefechte. Doch auch hier hatte der Staat jede Kontrolle verloren. Das organisierte Verbrechen gewann die Oberhand, auch der heute 31-Jährige wurde bedroht, erzählt er. „Das war einer der Hauptgründe zu fliehen.“ Sabri Al Jabir hätte aber auch zur Armee müssen. „Ich wollte nicht kämpfen“, sagt er. „Ich wollte nicht töten und nicht sterben. Für niemanden.“ Letztlich, aber nicht in erster Linie, gehe es ihm auch darum, in Deutschland ein besseres Leben, einen guten Job zu finden. „Deutschland ist so ein friedliches Land.“ Das hatte er schon in Syrien gehört. Seine gefährliche Reise führte ihn über Jordanien, die Türkei, Griechenland, Ungarn, Österreich, Meßstetten, Bietigheim, Bönnigheim. Jetzt hat er drei Jahre Asyl.

Derzeit macht er sich große Sorgen um seine Familie. Die erste Rakete ist in der vergangenen Woche in seine Heimatstadt eingeschlagen. Er hofft, dass sie rechtzeitig nach Deutschland dürfen.

Schon in den ersten Tagen in der Unterkunft in Bietigheim-Bissingen wurde Sabri Al Jabir im Herbst 2015 so etwas wie ein Dolmetscher zwischen Flüchtlingen und Asylhelfern. Der Syrer war einer der wenigen, die fließend  Englisch konnten. Mittlerweile spricht er ein sehr passables Deutsch – wenn man bedenkt, dass er erst seit einem Jahr im Land ist und zuvor noch nie Unterricht hatte. Es ist um Längen besser als das der meisten Syrer in Deutschland.

Sabri Al Jabir hatte sogar schon einen Job in Deutschland: Eine Hilfstätigkeit in einer Druckerei. Er hat nicht lange dort gearbeitet. „Ich hatte Probleme mit dem Rücken“, sagt er. Sein Arzt habe ihm dazu geraten, nicht Vollzeit die körperlich anstrengende Arbeit zu verrichten, berichtet der 31-Jährige, der in seiner Heimat ein eigenes kleines Grafikunternehmen führte. Also habe er sich mehr auf seine Deutschkurse konzentriert.

Ziel: Wieder als Grafiker arbeiten

In seiner Freizeit bringt er sich neben dem Sprachkurs Grafikprogramme bei. Sein Ziel ist eine Ausbildung in dem Bereich, er will vor allem Videos bearbeiten. „Ein Studium geht nicht, dafür sind meine Deutschkenntnisse noch zu schlecht“, sagt er. Doch zusammen mit seinen Englischkenntnissen reicht es, dass er an der Übersetzung eines Flyers mitwirkt, den ein Arbeitskreis Asyl derzeit für Flüchtlinge entwirft und auch ins Arabische überträgt. „Ich will anderen Flüchtlingen helfen“, sagt er.

Über Kontakte unter den Asylhelfern ist er nun an die Wohnung in Bönnigheim gekommen. Die meisten anderen Syrer, die er aus der Halle kennt, leben immer noch in Bietigheim-Bissingen; in sogenannten Wohncontainern in der Farbstraße. Wenn er an die Zeit vor einem Jahr zurückdenkt, empfinde er vor allem Dankbarkeit, sagt er. „Diese Leute haben uns gleich mit Tee und Kaffee versorgt. Diese Leute haben uns so geholfen – und sie unterstützen uns bis heute.“

An das Leben in der Massenunterkunft erinnert er sich weniger gern. „Es war laut, nicht sauber, du hattest keine Privatsphäre. Du kannst nicht denken, du kannst nichts arbeiten“, sagt Sabri Al Jabir. Er weiß aber auch, was er daran hatte: Ein Dach über dem Kopf, Duschen, warme Mahlzeiten. Hilfe.

Ganz oben, ganz vorne auf seinem Facebook-Auftritt zieht sich seit Monaten ein Schriftzug auf schwarz-rot-goldenem Hintergrund, der aus dem Englischen übersetzt bedeutet: „Respektiere das Land, das Dich respektiert.“

Info Seine Homepage:
sabrialjabir.wixsite.com/sabrialjabir

Oberliga
Mannschaft 1 – Mannschaft 2

3:1

Torschützen: Spieler (40.); Spieler (45.), Spieler (60.), Spieler (80.)

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