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"Ich sehe keinen deutschen Lewandowski" - Vier Trainer analysieren das EM-Aus

Die Fußball-EM in Frankreich ist für Deutschland seit Donnerstagabend vorbei. Vier Trainer aus der Region äußern sich zum Ausscheiden der DFB-Elf.

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  • Irsen Latifovic, U-18-Trainer beim SGV Freiberg, zollt der deutschen Mannschaft Respekt. 1/3
    Irsen Latifovic, U-18-Trainer beim SGV Freiberg, zollt der deutschen Mannschaft Respekt. Foto: 
  • Der Bissinger Co-Trainer Andreas Lechner ist kein Freund der so genannten falschen Neun. 2/3
    Der Bissinger Co-Trainer Andreas Lechner ist kein Freund der so genannten falschen Neun. Foto: 
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    Der Löchgauer Verbandsliga-Coach Thomas Herbst hält Löw für den richtigen Bundestrainer. Foto: 
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Das deutsche EM-Aus gegen Frankreich bewegt die Nation – und natürlich auch die hiesige Trainergilde. „Leider hat die bessere Mannschaft durch zwei individuelle Aktionen verloren“, sagt Irsen Latifovic, Trainer der U 18 des SGV Freiberg. „Frankreich stand fast die ganze Zeit nur im und am eigenen Strafraum. Wie oft Jerome Boateng und Benedikt Höwedes als Innenverteidiger auf der Position des Zehners gespielt haben, das ist schon das Modernste des modernen Fußballs“, zollt er der deutschen Mannschaft Respekt. Dem Bundestrainer Joachim Löw will Latifovic keinen Vorwurf machen, weil ein Trainer in kurzer Zeit Entscheidungen treffen müsse. Trotzdem hätte er einiges anders gemacht. „Leroy Sané hätte man etwas früher bringen können. Wahrscheinlich hätte ich auch die Einwechslung eines Lukas Podolski der von Mario Götze vorgezogen.“ Das Hauptproblem war aus Sicht des Freiberger Jugendtrainers aber ein anderes. „Mario Gomez hat enorm gefehlt, und es war kein zweiter Strafraumstürmer dabei. Allerdings sehe ich in der Bundesliga auch keinen deutschen Lewandowski oder einen zweiten Gomez, den Löw hätte mitnehmen können und der gegen Frankreich auf diesem Niveau hätte helfen können.“

Für den Trainer von Fußball-Bezirksligist SV Germania Bietigheim, Matthias Schmid, hat etwas anderes eine Rolle gespielt. „Die deutsche Mannschaft hat sich zu wenig klare Torchancen herausgespielt. Um das Turnier zu gewinnen, war es insgesamt zu wenig. Da bringt auch der ganze Ballbesitz nichts, wenn man nicht zwingend vors Tor kommt.“ Allein an Gomez macht es Schmid aber nicht fest. „Er hat oft auch nicht so viele Bälle bekommen. Im Gegensatz zur WM vor zwei Jahren war Thomas Müller nicht in Form. Dazu hat man das Fehlen eines Marco Reus oder Karim Bellarabi gemerkt“, sagt Schmid. „Wir hätten auf den außen noch schnellere Spieler gebraucht, die mehr Zug zum Tor haben und auch in Eins-gegen-eins-Situationen in den Strafraum gehen.“ Dafür hatte sich Schmid mehr Einsatzzeiten für den Schalker Sané erhofft. „Statt der Standardwechsel mit Andre Schürrle und Lukas Podolski hätte ich ihn schon in den früheren Spielen eingesetzt.“ Einen Grund für einen Bundestrainer-Wechsel sieht der Germania-Coach aber nicht. „Löw war in den letzten zehn Jahren überaus erfolgreich und hat sich die Chance verdient, in zwei Jahren den WM-Titel zu verteidigen.“

Dieser Meinung ist auch Thomas Herbst, der neue Cheftrainer von Verbandsligist FV Löchgau. „Die Entscheidung, ob Löw weitermacht, liegt nur bei ihm. Wenn er und sein Trainerteam weiterhin die nötige Motivation haben, sehe ich keinen Grund für einen neuen Bundestrainer. Konstanz ist auf dieser Position sehr wichtig.“ Herbst wunderte sich im Spiel gegen Frankreich über den Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Nicola Rizzoli. „Ich habe selbst in der Wiederholung am Bewegungsablauf nicht erkannt, ob es tatsächlich ein Handspiel war. Es ist auch nicht mit der Aktion von Boateng im Viertelfinale zu vergleichen. Wenn es der Unparteiische aber so wahrnimmt, okay. Aber in einem Halbfinale ist es extrem schade, dass Frankreich durch so eine Entscheidung auf die Siegerstraße gebracht wurde.“ Dem DFB-Team zollt der Löchgauer Respekt. „Wie Deutschland besonders in der ersten Hälfte in einem Halbfinale gegen den Gastgeber gespielt hat, hat mich beeindruckt. Am Ende entscheiden im Fußball immer auch Kleinigkeiten, und hinterher sind sowieso alle schlauer.“

Das sieht auch der Co-Trainer von Oberligist FSV 08 Bissingen, Andreas Lechner, so. Vor allem wenn es um die Trainerdiskussion geht. „Ich finde es schade, dass diese Diskussionen immer so schnell aufkommen. Der Trainer muss, gerade bei einem Turnier, die meisten und wichtigsten Entscheidungen treffen. Und man muss sagen, dass Löw in den letzten zehn Jahren einen sehr guten Job gemacht hat. Nach einem Ausscheiden kann er sich schon Gedanken machen, aber ich fände es gut, wenn er weitermacht.“ Trotzdem kritisiert Lechner das im Halbfinale gespielte System. „Ich bin generell kein Freund der falschen Neun, und für mich braucht es einen echten Stürmer. Gegen Frankreich hat Gomez extrem gefehlt. In Deutschland wachsen Stürmer aber nicht auf den Bäumen. Für die Nationalmannschaft wäre es gut, wenn in nächster Zeit ein guter klassischer Stürmer kommen würde, weil beispielsweise ein Kevin Volland diese Position auch nicht ausfüllt.“

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