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20 starke Minuten und vier Tore gegen eine Blamage

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Der Ball passt genau in den Torwinkel des FSV 08 Bissingen. Schlussmann Sven Burkhardt fliegt vergeblich. Das ist der 2:4-Anschlusstreffer der Spvgg Neckarelz durch einen Freistoß von Abedin Krasniqi. Foto: Herbert Schmerbeck  Foto: 

Blamage abgewendet: Eine Halbzeit lang enttäuschte der haushohe Favorit FSV 08 Bissingen beim Schlusslicht Spvgg Neckarelz. Am Ende gewannen die Nullachter mit 4:2.

43 Minuten lang sah es im   Elztalstadion im Mosbacher Stadtteil Neckarelz nach einer faustdicken Überraschung aus. Durch einen Treffer von Nikica Filipovic aus der fünften Minute lag der krasse Außenseiter Spvgg Neckarelz mit 1:0 vorne und hätte später auch höher führen können. Dann gelang den Nullachtern kurz vor dem Pausenpfiff der Ausgleich. In der zweiten Halbzeit war dann jene Bissinger Mannschaft auf dem Platz, die sich den zweiten Tabellenrang in den zurückliegenden Wochen und Monaten erspielt und erkämpft hatte. Zumindest 20 Minuten lang und bis zum 4:1-Zwischenstand. Danach verflachte die Partie, und die Gastgeber kamen noch auf 2:4 heran.

Der Tristesse durch die finanziellen Schwierigkeiten, einer drohenden Strafe durch die Staatsanwaltschaft wegen nicht abgeführter Steuern und Sozialabgaben sowie saftigen Nachzahlungen, den Abstieg aus der Regionalliga und dem bislang schwachen sportlichen Abschneiden mit nur vier Punkten begegnet die Spvgg Neckarelz mit guter Laune. Trainer Marc Ritschel hoffte im Stadionheft  bei den Zuschauern auf „große Lust auf Fußball“ und Präsident Thomas Ulmer mit seiner Gattin Petra veröffentlichten darin ein Backrezept für einen Zwiebelkuchen. Vor der Partie wurde zudem das bei Spielen von der Bundesliga bis in untere Klassen im badischen Raum obligatorische „Badnerlied“ angestimmt.

Am wichtigsten für die nur noch wenigen Neckarelzer Anhänger aber war, dass ihre Mannschaft die von Coach Ritschel ebenfalls angekündigten Tugenden wie Laufbereitschaft, Zweikampfstärke, Teamgeist und bedingungslosen Willen auf den Platz brachte. Nachdem die Gastgeber nach zwei Minuten knapp einem Rückstand entgangen waren, weil Bissingens Peter Wiens den Ball nach einer Flanke von Riccardo Gorgoglione knapp am Gehäuse vorbeischoss, setzten sie den Matchplan ihres Trainers um. „Wir wussten, wie wir gegen Bissingen spielen müssen. Wir haben nichts zugelassen, hatten drei dicke Chancen und müssen mit 2:0 in Führung gehen“, meinte Ritschel nach der Partie.

Das 1:0 schon nach fünf Minuten fiel kurios aus Sicht der Gäste. Filipovic hatte nach einem Zuspiel von Abedin Krasniqi den Freiraum 16 Meter vor dem Bissinger Tor genutzt und abgezogen. Der Schuss wurde abgefälscht, die Abwehraktion von 08-Keeper Sven Burkhardt, der den Ball normalerweise locker gehalten hätte, sah dadurch unglücklich aus, und die Kugel landete im langen Eck.

Die als freischaffende Künstler in der Offensive mit allen Freiheiten ausgestatteten und von jeglicher Defensivarbeit befreiten Krasniqi und Filipovic machten den Gästen das Leben schwer, die sich beim Spielaufbau  auch selbst im Weg standen, nie in einen Rhythmus kamen und keinen Zugriff fanden. Die Gastgeber kamen durch Filipovic, dessen Schuss Burkhardt glänzend parierte, und Krasniqis zu kunstvoll angesetzten Schuss zu besten Chancen.

Schwung durch Schmiedel

Nach 30 Minuten griff das Bissinger Trainerteam Alfonso Garcia und Andreas Lechner zu der drastischen und selten praktizierten Maßnahme eines Dreifach-Wechsels. Für Peter Wiens, Maurizio Macorig und Mario Di Biccari kamen Oskar Schmiedel, Marian Asch und Duc Thanh Ngo. „Es hätte auch drei andere erwischen können. Wir hätten würfeln können, wen wir rausnehmen“, kommentierte Garcia hinterher die Auswechslungen. Vor allem Kapitän Oskar Schmiedel brachte Struktur ins Spiel der Gäste. Zudem erzielte er in der 43. Minute den Ausgleichstreffer. Nach einem weiten Schlag von Lukas Buck in den Neckarelzer Strafraum gewann Tim Reich ein Kopfballduell und leitete die Kugel  weiter zum Torschützen.

In der zweiten Halbzeit hatten die Nullachter gefühlte 90 Prozent Ballbesitz und entwickelten Druck, unter dem die unerfahrene Neckarelzer Defensive zusammenbrach.  Kunde mit einem überlegten Abschluss aus 16 Metern nach einem schnellen Antritt von Gorgoglione (49.), Alexander Götz nach einem Solo (54.) und Gorgoglione per Kopfball nach einer Ecke von Schmiedel (62.) sorgten mit ihren Treffern schnell für eine 4:1-Führung und klare Verhältnisse. Die Neckarelzer wehrten sich gegen eine höhere Niederlage, die sie auch nicht verdient gehabt hätten. Krasniqi verkürzte sogar mit einem raffiniert und aus dem Stand heraus ausgeführten Freistoß vom Strafraumeck zum 2:4 (73.).

„Wir hatten die ganze Woche über gewarnt. Dass wir uns völlig unnötig in Schwierigkeiten gebracht haben, war reine Kopfsache. Wichtig war das 1:1 kurz vor der Halbzeit  Es war auch in der zweiten Hälfte kein Riesenspiel, aber da haben wir gezeigt, was uns in den letzten Wochen stark gemacht hat“, meinte 08-Trainer Garcia nach dem Pflichtsieg. „Ich weiß nicht, wie die zweite Halbzeit verlaufen wäre, wen wir das 2:0 machen“, fragte sich der Neckarelzer Coach Ritschel.

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