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Sympathien gehören Clinton

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Jason Boone hat nicht nur Basketball im Kopf. Der Center der MHP Riesen Ludwigsburg ist auch politisch sehr interessiert. Foto: Imago  Foto: 

Neulich sah sich John Patrick während einer Übungseinheit der MHP Riesen Ludwigsburg zu einem politischen Statement veranlasst. „Das ist der Traum von Donald Trump. Darum mischt euch jetzt bitte untereinander“, sagte der Coach des Basketball-Bundesligisten, als seine Profis beim Training gerade in zwei zufälligen Gruppen beisammenstanden – auf der einen Seite die schwarzen Spieler und auf der anderen Seite die weißen.

Gleich acht US-Amerikaner oder Deutsch-Amerikaner gehen in dieser Saison für die MHP Riesen auf Korbjagd. Auch Trainer John Patrick und Teammanager Luke Wandrusch stammen aus Übersee. Entsprechend interessiert verfolgt das Gros der Mannschaft den Wahlkampf in den Vereinigten Staaten und blickt nun auch gespannt auf die Abstimmung Anfang nächster Woche.

Jason Boone hat seine Wahlunterlagen bereits vor gut zwei Wochen an seine Eltern in seinen Heimatstaat New York geschickt. Das Kreuz hat der Center bei Hillary Clinton gemacht. Schon bei den vergangenen Wahlen hat Boone demokratisch gewählt und für Barack Obama gestimmt, wie er durchblicken lässt. „Von George Bush bis zu Obama haben die USA viele Fortschritte gemacht. Ich denke, dass Hillary Clinton ähnlich regieren wird wie Obama – und das wird meiner Meinung nach dazu beitragen, dass sich das Land weiter verbessert“, sagt Boone. Er stuft die anstehende Wahl aufgrund der Ausgangssituation sogar als seine „vielleicht wichtigste in meinem ganzen Leben“ ein: „Entweder wird es den ersten weiblichen Präsident geben oder den ersten Präsidenten, der überhaupt keinen politischen Back­ground hat. Ich persönlich finde, dass man Amerika nicht wie ein Unternehmen führen kann.“

Boone interessiert sich sehr für Politik. Während des Studiums an der New York University hat der heute 31-Jährige auch politik- und medienwissenschaftliche Kurse belegt. „Daraus habe ich gelernt, dass man immer so viele Informationen wie möglich aus vielen verschiedenen Quellen sammeln sollte, um für sich selbst eine Entscheidung treffen zu können“, stellt der 2,03-Meter-Mann fest.

Er rät seinen Landsleuten generell, ihr Wahlrecht auszuüben, denn: „Das Wichtigste ist, dass du überhaupt eine Wahl hast. Den größten Fehler, den du machen kannst, ist der, nicht zu wählen. Diejenigen, die nicht wählen, sind am Ende meist jene, die sich am meisten beschweren.“

Kein gutes Haar lässt sein Trainer John Patrick am republikanischen Kandidaten Donald Trump. „Er ist ein schlechter Witz. Eigentlich könnte man lachen, wenn man sieht, wie er sich präsentiert. Aber das Lachen vergeht einem, wenn man bedenkt, dass dieser Mann unser nächster Präsident werden kann“, sagt der 48-Jährige und legt, einmal in Fahrt, nach: „Trump hat die politische Diskussion auf ein niedriges Niveau geholt. Es ist peinlich für uns Amerikaner, das zu verfolgen.“ Er selbst sei zwar „kein super Hillary-Fan“, wie Patrick zugibt. Aber sie habe wesentlich mehr über Themen zu sagen als ihr Her­ausforderer.

Ob und wen er gewählt hat, will der Riesen-Trainer, der selbst an der Stanford University in Kalifornien Politikwissenschaft studiert hat und sich mit der New York Times und der Wochenzeitung „Economist“ auf dem Laufenden hält, allerdings nicht verraten. Und seine Stimme sei wohl auch nicht entscheidend, wie er mit einem Augenzwinkern feststellt: „Mein Bundesstaat Maryland ist kein Swing State (Wechselwählerstaat, Anm. der Red.) und steht voll hinter Hillary.“

Eher beiläufig hat Tekele Cotton das Geschehen in den USA verfolgt. „Ich bin kein besonders politischer Mensch, aber die Wahl verfolge ich natürlich trotzdem“, sagt der 23 Jahre alte Ludwigsburger Guard. Im Gegensatz zu Boone hat Cotton seine Stimme im Vorfeld nicht abgegeben. Über seine Sympathien lässt er jedoch keinen Zweifel – auch er würde es lieber sehen, wenn Clinton das Rennen um die Präsidentschaft für sich entscheiden würde. „Ich mag sie definitiv mehr“, sagt Cotton, gibt aber zu bedenken: „Beide Kandidaten haben ihre Vor- und Nachteile und haben jeweils Wählergruppen, die sie besonders ansprechen.“

1. Ist die US-Wahl ein Thema im Riesen-Team?
Nicht so sehr. Politik ist ein sehr sensibles Thema für die meisten Menschen. Diejenigen, die Politik verfolgen, haben meist feste Standpunkte. Da stehst du entweder auf der einen oder der anderen Seite und glaubst daran, auf der richtigen zu stehen. Wenn du einen Mannschaftssport ausübst, musst du eine gemeinsame Basis finden. ob das nun im Fitnessstudio ist oder bei dem, was du in deiner Freizeit machst. Manche reisen gerne, andere machen gern Party oder spielen Videogames. Solche Gemeinsamkeiten sind immer gut fürs Team.

2. Gab es denn nach den großen TV-Debatten zwischen Hillary Clinton und Donald Trump nicht Diskussionsbedarf auch in der Mannschaft?
Das ist interessant. Das sind wirklich Themen, die wir voneinander weggehalten haben. Die Spieler, die nicht so gut informiert sind, fühlen sich wohl nicht sicher genug, um über politische Inhalte zu diskutieren. Und die Spieler, die informiert sind, wollen nicht den Eindruck vermitteln, jemanden überzeugen zu wollen. Ich glaube, nach dem Wahltag, wenn wir einen neuen Präsidenten haben, wird man schon darüber sprechen, aber eher nach dem Motto: Hast du gewählt? Wen hast du gewählt?

3. Wählen Profisportler aus den USA, die im Ausland spielen, eher Demokraten?
Wie du wählst, hängt eher davon ab, woher du kommst, wie du dein Leben lebst und welches Wertesystem du hast. Wenn du international unterwegs bist und es gewagt hast, in einem anderen Land zu leben und du es so mit vielen unterschiedlichen Leuten zu tun hast, passt das vielleicht eher zu einer demokratischen Haltung. Ich habe aber definitiv schon mit Teamkollegen zusammengespielt, von denen ich weiß, dass sie Republikaner sind. Das macht aber auch gar nichts aus. Wir sind ein Team. Ob jemand ein anderes Wertesystem hat, spielt da keine Rolle. ae

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