Partner der

Wirtschaftsnobelpreis: Wen deutsche Ökonomen favorisieren

|
Die Nobelpreis-Medaille in der Hand des schwedischen Königs. Foto: Claudio Bresciani /SCANPIX/Archiv

Für den diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften favorisieren deutsche Top-Ökonomen Forscher aus den Vereinigten Staaten. Sollte tatsächlich ein US-Ökonom gewinnen, würde sich ein langer Trend fortsetzen.

Zwar wurde 2015 mit Angus Deaton ein gebürtiger Schotte ausgezeichnet, doch unter den 47 bisherigen Gewinnern dominieren die Amerikaner. Am Montag (10.10.) wird bekanntgegeben, wer diesmal ausgezeichnet wird.

So hält Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die US-Forscher Kenneth Rogoff und Maurice Obstfeld für hervorragende Preisträger. "Ihre Arbeit hat viele wichtige Aspekte der internationalen Verflechtungen der Weltwirtschaft aufgedeckt - von der Übertragung von Finanzkrisen bis zu den Auswirkungen von Handel und Kapitalströmen." Als Chefökonomen des Internationalen Währungsfonds hätten die Forscher ihr Wissen ferner auch in der realen Welt eingesetzt.

Michael Hüther, Leiter des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), spricht sich für den Amerikaner William Baumol aus. Er habe mit seinen Forschungen über Wettbewerb und die Theorie der "Baumolschen Kostenkrankheit" über Preis und Produktivität von Dienstleistungen "wichtige Grundlagen der heutigen Sicht auf den Strukturwandel" vorgelegt. "Es wäre höchste Zeit, William Baumol für den Nobelpreis vorzusehen", sagt Hüther.

Der Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo), Clemens Fuest, favorisiert indes Tony Atkinson, der über Ungleichheit forschte. "Er hat bahnbrechende Arbeiten zur Steuerpolitik geschrieben und gezeigt, dass es besser ist, mit progressiven Einkommensteuern umzuverteilen als zum Beispiel mit ermäßigten Mehrwertsteuersätzen". Der Brite habe mit einem eigenen statistischen Maß gezeigt, dass wachsende Ungleichheit wohl keine Ursache für Finanzkrisen sei.

Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), plädiert für Paul Romer. Der künftige Chefökonom der Weltbank habe mit der "endogenen Wachstumstheorie" untersucht, wie sich Wirtschaftswachstum verstetigen lässt. "In Zeiten globaler Wachstumsverlangsamung wird Wachstum wieder stärker auf die Agenda von Politik und Forschung gelangen", sagt Vöpel.

Um den Amerikaner gab es im Vorfeld Wirbel wegen einer Panne. Die New York University hatte am Donnerstag auf ihrer Internetseite versehentlich zu einer Pressekonferenz mit ihrem Professor "Paul Romer, Gewinner des Wirtschaftsnobelpreises 2016" eingeladen. Kurz darauf verschwand die Einladung.

Eine Testseite für den Fall der Auszeichnung sei unbeabsichtigt publik geworden, sagte ein Sprecher der Universität der Deutschen Presse-Agentur. "Dies spiegelt nicht die Entscheidung des Nobelkomitees wider". Man habe sich für den Fall vorbereitet, dass ein Forscher der Universität gewinne. "Es tut uns sehr leid, dass diese Routinevorbereitungen anmaßend erscheinen könnten." Über die Panne hatte zuerst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet.

Eine Sprecherin der Wissenschaftsakademie in Stockholm betonte, dass die Entscheidung nach der Sitzung der Jury am Montag falle. Sie erhielten dann den sogenannten "magischen Anruf".

Kommentieren

Kommentare

08.10.2016 17:09 Uhr

Ohne Not zerschlissene Ökonomen

Um Spitzenforschung betreiben zu können, ist erwiesenermaßen weniger der individuelle Genius ausschlaggebend als vielmehr die Arbeitsorganisation, auf der sie fußt. Insofern hiesige Ökonomen anlässlich der jährlichen Verleihung des Nobelpreises zumeist leer ausgehen, stellt sich umso unabweisbarer die Frage, weshalb immer noch keine Anstalten unternommen wurden, die gesellschaftlichen Grundlagen im Detail zu untersuchen, damit die Voraussetzungen für herausragende Leistungen auf gleich welchen Gebieten erfüllt sind. Ohne eine dementsprechende Förderung insbesondere der Arbeitssoziologie wird sich daran nichts ändern. Unter Garantie erhalten somit auch in ferner Zukunft keine aus Deutschland stammenden Wirtschaftswissenschaftler die begehrte Auszeichnung. Stattdessen müssen sich die Herren Fratzscher, Hüther, Fuest, und wie sie alle heißen mögen, ohne Not mit völlig unzureichenden Erkenntnisständen in solch einer zentralen Frage plagen mit der Folge eines rasches Verschleißes ihrer Arbeitskraft.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

„Wo haben sie eigentlich ihren Geldbeutel?“

Fast täglich ist die Polizei auf dem Ludwigsburger Barock-Weihnachtsmarkt unterwegs, um Taschendieben zuvorzukommen. Die BZ war am Montag, 11. Dezember, mit dabei. weiter lesen